Schiffe ankern im Fischladen

Der Künstler Klaus Süß zeigt seine Arbeiten in der besonderen Galerie von Matthias Scheibner. Zur Vernissage wurde es vorher auf dem Werdauer Markt ziemlich laut.

Werdau.

Trubel am Montagabend auf dem Werdauer Markt: Rockmusik dröhnte. Zwei Gestalten zerrten und kämpften an einem Seil. Und Ruhe kehrte erst ein, als der Wind ein blutrotes Segel aufblähte. Kein Aufstand. Alles Kunst.

In den kommenden drei Wochen wird die Druckgrafik des Chemnitzer Künstlers Klaus Süß im Fischmarkt Scheibner und im benachbarten Galerieraum zu sehen sein. Das Spektakel auf dem Markt gehörte zur Show. Aus dem Rahmen gefallen, brachten die Performancekünstler Susanne Weiss und Hilmar Messenbrink vom Tanztheater Anasages die Motive auf die Straße. Künstler Klaus Süß verarbeitet in seinen Druckstöcken, Drucken und Plastiken die wogende Welt des Lebens - mit Liebe und Leid, Lust und Verlust, Lebenshunger und Gefühlsdurst. Und so erlebten fast 100 Besucher der Ausstellungseröffnung ein wogendes Mimen-Masken-Musikspiel - außerhalb der Bilder, draußen vor den Schaufenstern. Gastgeber Matthias Scheibner, Inhaber des gleichnamigen Fischmarktes, klatschte begeistert in die Hände: "Welch ein ungewöhnliches Schauspiel!"

Dass der Fischhändler und sein Partner die Freude an der Kunst und die Kunst an der Freude zu genießen wissen, ist in Werdau längst kein Geheimnis mehr. "Die Kunst ist für uns eine Art Religion", sagte Matthias Scheibner am Montagabend. Da hockten auf den drei Etagen seines Hauses zwischen Skulpturen, Gemälden und Installationen die Kunstschaffenden der Region zusammen: Jo Harbort und Osmar Osten, Siegfried-Otto Hüttengrund und Tilmann Röhner, Jiang Bian-Harbort und eben Klaus Süß. "Es ist uns eine Ehre, so viele wunderbare Menschen hier zu begrüßen", zeigte sich Scheibner gerührt.

Mit Klaus Süß teilt er eine besondere Leidenschaft. Die Liebe zur Farbe. "Ich mag Farben, wirklich alle", erklärte Scheibner bei einer Führung durch den vielleicht kunstvollsten Fischladen des Landes. Und farbenprächtiger als Klaus Süß gestaltet kaum ein anderer Künstler seine Werke. Da knallen grüne Ruder an orangefarbene Bootsflanken, auf blauen Tischen schwappt roter Wein im Glas. "Wir sollten öfter reflektieren, wie bunt das Leben ist", mahnte Matthias Scheibner. Ob er die knallbunte Kunst am liebsten für immer in seinem Laden hängen lassen würde? "Das geht nicht", winkte er ab. "Kunst im Fischladen, das ist ein Vergnügen auf kurze Zeit." Denn gerade Malerei würde den Geruch zu schnell annehmen.

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