Schützenswerte Glasfassade?

Nächste Runde im Streit um die Priesterhäuser: Der Denkmalschutz sagt, die Glasfassade gehöre zum Ensemble und sei schützenswert. Die Stadträte wundern sich, denn das Glas wurde erst zwischen 1995 und 2002 eingebaut.

Zwickau.

Die geplante Sanierung der seit mehr als 15 Jahren undichten Glasdächer- und fassaden an den Zwickauer Priesterhäusern verzögert sich weiter. Die Mitglieder des Bauausschusses, die am Montag das Vorhaben eigentlich hätten beschließen sollen, haben die Entscheidung vertagt. Der Grund liegt in Forderungen des Landesamtes für Denkmalpflege, die bisher im Ausschuss in dieser Form noch gar nicht bekannt waren.

Nach der Beschlussvorlage sollten in die Sanierung rund 410.000 Euro investiert und dabei die Glasverkleidungen weitgehend erhalten werden. Das war laut Vorlage ein Kompromiss mit den Denkmalschützern. Diese hatten keinen der Vorschläge genehmigt, die Dächer mit Schindeln zu decken und damit dauerhaft abzudichten.

Doch dann ergriff zur Überraschung der Anwesenden Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Die Linke) das Wort. Er stellte klar, dass es durchaus Alternativen gäbe und in einer Besprechung - anders als im Beschluss stehend - die Variante zwei favorisiert wurde. Diese hatte ein Dach aus Braas Turmalin Dachsteinen über dem Museum vorgesehen. "Richtig ist, dass das Landesamt für Denkmalpflege das als nicht genehmigungsfähig erklärt hat", sagte Meyer. Erstmals hörten die Mitglieder des Ausschusses dann jedoch die Begründung: Das Glasdach sei schon immer Bestandteil der Priesterhäuser gewesen, zitierte der Bürgermeister aus dem Schreiben der Denkmalschützer. Ein massives Dach versperre zudem den Blick auf den Dom. Meyer erinnerte daran, dass das Ensemble der Priesterhäuser zwischen 1995 und 2002 saniert und dabei erst um die Glasteile ergänzt worden war. Die Begründung löste bei den meisten Räten Stirnrunzeln oder Kopfschütteln aus.

Außerdem, so betonte Meyer, sei ein massives Dach um rund 100.000 Euro billiger als der Ersatz des Glases. Der Leiter des Hochbauamtes Christoph Kaufmann sagte dazu, dass man sich durchaus mit dem Gedanken getragen habe, gegen den Bescheid des Landesamtes Widerspruch einzulegen. "Wir haben uns aber letztlich für den Kompromiss entschieden", sagte er. Begründet hat er die Entscheidung im Ausschuss allerdings nicht.

Im Museum wurde das Glasdach schon von jeher skeptisch gesehen. Vor allem während der Sommermonate mussten die Exponate vor der prallen Sonne und der Hitze in Sicherheit gebracht werden. "Wenn wir jetzt wieder ein Glasdach einbauen, so müsste die Jalousie ständig geschlossen bleiben", sagte Meyer. "Nach diesen Informationen müssen wir uns etwas Zeit nehmen", sagte Sven Itzek (AfD). Gemeinsam mit Herbert Reischl (Fraktion Die Linke) beantragte er einen Vor-Ort-Termin, bei dem sich die Räte selbst ein Bild von der Situation machen wollen.

Außerdem solle Meyer dann das Schreiben der Denkmalschützer vorlegen. Lars Dörner (Grüne): "Der Blick auf den Dom mag ja schön sein, aber ist er unbedingt erforderlich?". Das Landesamt für Denkmalpflege will sich zum Thema offenbar nicht äußern. Eine Anfrage der "Freien Presse" blieb bis zum Donnerstag unbeantwortet.

Die Schäden an den Glasfronten der Priesterhäuser und am Brauhaus, die schon kurz nach der Fertigstellung auftraten, beschäftigen inzwischen auch die Justiz. Seit 2013 wird ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren durchgeführt, mit dem dem Architekten und Planer in einem Verfahren im besten Fall Fehler nachgewiesen und Regressansprüche gestellt werden können. Dazu allerdings bedarf es entsprechender Gutachten. 2013 und noch einmal 2015 wurden diese vom Gericht beauftragt. Beide sind allerdings noch nicht fertig. Heute ist einer der Gutachter für letzte Arbeiten vor Ort. Mitte 2019 sollen beide Gutachten vorliegen.

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