So viel Luther steckt in der Region

Deutschlandweit wird 2017 das Lutherjahr gefeiert. Auch in den Kirchgemeinden entlang der Pleiße. Erinnert wird an den Reformator auf verschiedene Weise.

Werdau/Crimmitschau.

Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther 95 Thesen zum Ablasswesen seiner Zeit und kritisierte diese Praxis. Der Tag symbolisiert bis heute den Beginn der Reformation. Im Pleißenland ist Martin Luther nie gewesen, seine Spuren hat er dennoch hinterlassen. "Freie Presse" hat einige Beispiele zusammen getragen.

Lutherkirche: Das Jahr 2017 ist für die Lutherkirchgemeinde in Crimmitschau ein besonderes Jahr: 500 Jahre Reformation und 80-jähriges Kirchweihfest. Das wird bis in den Herbst hinein mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Den Auftakt dazu bildete am 12. März ein Festgottesdienst. Die Kirche, im Norden von Crimmitschau gelegen, trägt nicht nur den Namen des Reformators, sie weist auch einige Besonderheiten auf. Geprägt ist der Bau durch die Zeit des Nationalso-zialismus. Die Spuren sind im Gotteshaus noch immer sichtbar. Dazu gehört auch die Darstellung von Jesus im Altarbild. Darauf trägt Jesus blonde Hahre, so wie sich die Nationalsozialisten die Arier vorstellten. Die Nazis erklärten die Arier zum menschlichen Ideal und zur Herrschaft über die anderen Rassen.

Lutherhaus: Das Gebäude an der Uferstraße in Werdau, 1910 von der evangelisch-lutherischen Kirche errichtet, wurde 100 Jahre lang für die Kirchenarbeit genutzt. Dazu gehörten unter anderem die Konfirmandenstunden, Zusammenkünfte des Altenkreises und Chorproben. Im Winter fanden im Lutherhaus auch die Gottesdienste statt. In dem Gebäude hatte einst der Superintendent seinen Sitz, ebenso der Kantor. Zudem befanden sich im Ober- geschoss mehrere Wohnungen, genutzt von Mitarbeitern der Kirche. Mit der Einweihung des neuen Gemeindezentrums an der Burgstraße, direkt neben dem Pfarramt und der Marienkirche, endete 2009 die Ära des Hauses. Die Kirche suchte über mehrere Jahre einen Interessenten. Der wurde 2015 gefun- den. Seitdem gehört das Anwesen einer in Königswalde wohnenden Familie. Luthereiche: Anlässlich des 520. Geburtstages von Martin Luther wurde am 12. November 2003 auf dem Robert-Koch-Platz in Crimmitschau eine Luthereiche gepflanzt - und zwar genau an der Stelle, an der ein Jahr zuvor eine 119 Jahre alte Luthereiche auf- grund einer Pilzerkrankung gefällt werden musste. Das Pflanzen von Luthereichen gehörte 1883, dem 400. Jahr des Geburtstages von Luther, auf Beschluss der damaligen Landeskirche zu den Feierlich- keiten, mit denen an das Wirken des Reformators erinnert wurde. Luthereichen sind auch in anderen Orten zu finden - eine Aktion, die in diesem Jahr wieder belebt werden soll.

Lutherhof: Eine Lutherfigur ziert noch heute den Lutherhof an der Leipziger Straße in Crimmitschau. Das Gebäude wird noch immer vom evangelisch-lutherischen Kirchgemeindeverband Crimmitschau, zu dem die Laurentius-, die Luther- und die Johanniskirche in Crimmitschau sowie die Katharinenkirche in Rudelswalde gehören, für die Kirchenarbeit genutzt. Lutherstraße: Im Norden von Crimmitschau trägt eine Straße den Namen des Theologieprofessors. Sie kreuzt Leipziger Straße, die Erzbergerstraße, die Hohlstraße und geht dann in die Freundstraße über.


Beginn der Reformation

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. 1505 trat er dem Orden der Augustiner-Eremiten in Erfurt bei. Er wurde zum Priester geweiht und studierte Theologie. Seinen Doktortitel erwarb Luther 1512 in Wittenberg. Am 31. Oktober veröffentlichte er seine Thesen, mit denen er den Missbrauch des Ablasses kritisierte.

Ablassbriefe sollten den Gläubigen einen dem Geldbetrag entsprechenden Erlass zeitlicher Sündenstrafen im Fegefeuer für sie oder für bereits gestorbene Angehörige bescheinigen. Genau ein Jahr vor dem Thesenanschlag in Wittenberg predigte Luther erstmals öffentlich gegen die Ablasspraxis. Im Sommer 1517 las er die vom Mainzer Erzbischof Albrecht verfasste Instructio Summarium, eine Anweisung für die im Land umherreisenden Ablassprediger. Mit einem Teil dieser Einnahmen wollte der Erzbischof seine Schulden bei den Fuggern bezahlen. Diese hatten ihm sein Kurfürstenamt finanziert. Dazu sandte er den Ablassprediger Johann Tetzel nach Sachsen.

Am 4. September 1517 stellte Luther 97 Thesen vor, um einen Disput über die scholastische Theologie unter seinen Mitdozenten anzuregen. Im Oktober verfasste er weitere 95 Thesen, die direkt auf den Ablass Bezug nahmen, schickte sie an den Erzbischof und verbreitete sie unter Anhängern. Die Thesen soll Luther am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Der Tag symbolisiert den Beginn der Reformation.

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1Kommentare
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    17.03.2017

    Der Mann war überall , nur nicht in Chemnitz
    Geboren 1483 bis 1546

    Das Benediktinerkloster gab es da schon
    Da hatte die Textilherstellung begonnen
    Und die Errichtung einer Landes-Bleiche
    Pforten und das Rathaus gab es auch schon
    Und eine Lateinschule gab es auch
    Und Bierkrawalle und eine Handwerkerinnung
    Und das Gewandhaus gab es auch schon
    Und 1546
    Umwandlung des Benediktinerklosters in ein Schloss und des Klostergebietes in ein Amt.

    http://www.altes-chemnitz.de/chemnitz/zeittafel.htm#14
    ...

    In Chemnitz gab es nur einen Stefan Heim *1913, dem Wohnhaus wurde gemacht
    Und es gab den Schriftstellern Hermlin*1915 , dem sein Haus verfällt
    Und eine Marianne Brandt *1893 gab es noch , das Haus wurde wohl gemacht



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