So wohnten die Rittergutsbesitzer wirklich

Dem Deutschen Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain ist ein Glücksgriff gelungen. Für den Transport der Gegenstände wurden zwei Möbelwagen benötigt.

Blankenhain.

Manchmal braucht man einfach nur ein bisschen Glück im Leben. Eine Erfahrung, die jetzt der Chef des Deutschen Landwirtschaftsmuseums, Jürgen Knauss, gemacht hat. Er bekam vor ein paar Wochen ein besonderes Angebot unterbreitet, ohne selbst dafür aktiv zu werden: Das Museum erhielt den Nachlass des letzten Rittergutsbesitzers von Blankenhain, Hanns Reber.

Die Familie, die 1925 das zum Museumskomplex gehörige Schloss bezog, wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von den sowjetischen Besatzern enteignet und ausquartiert. Ihr gesamtes persönliches Hab und Gut packte die Familie damals zusammen und zog nach Baden-Württemberg. In Schwetzingen, einem kleinen Ort in der Nähe von Heidelberg, verstarb Hanns Reber 2013. In einem Testament hatte er verfügt, dass das gesamte Mobiliar an das Deutsche Landwirtschaftsmuseum geht. Jetzt, nachdem seine Frau zur Tochter nach Berlin gezogen ist und keinen Bedarf mehr für die alten Utensilien hatte, wurde der letzte Wille von Hanns Reber umgesetzt. "Die Familie hat ihr Anwesen mit dem Mobiliar ausgestattet und dieses auch all die Jahre nach dem Umzug genutzt", sagt Knauss.

Der Museumschef kann sein Glück noch gar nicht fassen. Für ihn ist das Ganze ein absoluter Glücksgriff. "Das sind Sternstunden in der Museumsgeschichte", stellt der Chef des Hauses klar. Bezahlt hat die Einrichtung für die Schätze einen symbolischen Preis. "Eigentlich sind die Gegenstände aus musealer Sicht unbezahlbar." Die Besonderheit: Sämtliche Gegenstände sind noch Originalstücke. "Es sind genau die Stühle, die Tische und auch das Bett, die einst im Rittergut standen und Familie Reber nach der Ausquartierung mitnahm", erläutert Knauss. Dazu gehören auch Besteck und Speiseservice und sonstige Gegenstände, quasi ein gesamter Haushalt. "Der Nachlass war so umfangreich, dass für den Transport nach Blankenhain zwei Möbelwagen benötigt worden sind", berichtet der Museumschef.

Noch lagern die Gegenstände, größtenteils verpackt, im Depot des Museums. Bis sie der Öffentlichkeit in den Wohnräumen im Schloss präsentiert werden, dauert es noch etliche Monate. "Wir stehen nicht unter Zeitdruck. Zum einen müssen sämtlich Stücke katalogisiert werden, zum anderen muss das eine oder andere Teil noch aufgearbeitet und die Gebrauchsspuren beseitigt werden", so Knauss. Die Gegenstände sollen an ihren Originalstandort zukehren. Bisher stellte die Ausstattung der Räumlichkeiten in der ersten Schlossetage, die von Familie Reben für Wohnzwecke genutzt wurde, nur eine Inszenierung dar. Damit sollte den Besuchern ein Bild vermittelt werden, wie die Rittergutsbesitzer damals lebten. Nur wenige Gegenstände waren Originalstücke. Dazu zählt eine alte Garderobe, die einst den Rebers gehörte. "Das gute Stück haben wir von einem Bewohner aus Blankenhain bekommen. Schon das war ein Glücksgriff, wenn im Vergleich zu jetzt nur ein kleiner", sagt Knauss.

Bisher spielte die Geschichte der Gutsherren sowie deren Leben und Wirken in Blankenhain in der Museumsarbeit nur eine untergeordnete Rolle. Die Darstellung der Wohnverhältnisse ist eine von mehr als 100 thematischen Ausstellungen, die im Museum zu sehen sind. Schwerpunkt bildet die Landwirtschaft. Erst vor zwei Jahren rückte das Museum die Bedeutung der Gutsherren für Blankenhain in den Fokus, gestaltete eine Dauerausstellung, die im Schloss zu sehen ist. Das Gebäude, 1699 erbaut, ist das Wahrzeichen des Komplexes, der sich über eine Fläche von elf Hektar erstreckt und zu dem 80 Gebäude gehören.

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