Sören Kristensen gewinnt OB-Wahl

Der 55-jährige Langenhessener wird die Geschicke der Stadt Werdau die kommenden sieben Jahre lenken. Er gewann die Wahl denkbar knapp. Der Weg dorthin war spannender als jeder Krimi.

Werdau.

Sören Kristensen heißt der neue Oberbürgermeister von Werdau. Der Kandidat der Unabhängigen Liste setzte sich am Sonntagabend gegen Amtsinhaber Stefan Czarnecki (CDU) knapp durch. Nach 16 Wahlbezirken hatte Sören Kristensen 51,5 Prozent der Stimmen auf sich vereint, Stefan Czarnecki 48,5. Das Ergebnis des zweiten Briefwahlbezirkes fehlte bis gegen 23.15 Uhr. Dort suchten die Wahlhelfer nach fünf verschwundenen Stimmzetteln. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,8 Prozent. 17.640 Einwohner waren zur Wahl aufgerufen.

"Ich muss mich jetzt erst einmal sammeln und durchschnaufen", sagte Kristensen nach seinem Wahlsieg erschöpft, aber glücklich. Party feiern war gestern für ihn nicht mehr geplant. "Das holen wir nach. Ich muss morgen sehr früh raus. 14Uhr muss ich an der Universität in Halle sein. Für die organisieren wir einen Umzug", sagte der 55-jährige Geschäftsführer eines Logistikunternehmens. Am 1. August wird der Langenhessener die Amtsgeschäfte von Stefan Czarnecki übernehmen.


"Ich bin sehr enttäuscht", wertete der seine Wahlniederlage. "In der Kernstadt wurde die Wahl klar gegen mich entschieden." Kristensen dankte den Langenhessenern. In dem Werdauer Ortsteil war er zehn Jahre ehrenamtlich als Ortsvorsteher tätig. "Sie haben die Wahl für mich entschieden." Nach dem Sieg musste der neue Oberbürgermeister viele Hände schütteln. Auch Angelika Schunck, CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, gehörte zu den Gratulanten. "Ich hoffe, dass Sie all Ihre Ziele auch umsetzen."

Die Gäste im Stadtverordnetensaal in Werdau erlebten einen echten Krimi - mit einer Spielzeit von fast drei Stunden. 19.17 Uhr traf das erste Ergebnis aus einem Briefwahllokal ein. Hier lag Czarnecki (542 Stimmen) knapp vor Kristensen (486 Stimmen). Danach folgten die Zahlen aus dem "Sidonienhof", wo der Herausforderer die Nase vorn hatte und die Führung übernahm. Die Ergebnisse aus zwei Ortsteilen ließen die Spannung ins Unermessliche steigen: In Königswalde und in einem Wahllokal in Leubnitz hatte Czarnecki gepunktet. 20.46 Uhr - zu dem Zeitpunkt waren zehn von 16Wahlbezirken ausgezählt - trennten nur zwölf Stimmen die beiden Bewerber. Kristensen (2754) lag vor Czarnecki (2742). Danach brauchten die OB-Kandidaten und die Besucher ganz viel Geduld. Es verging fast eine Stunde ohne neue Ergebnisse. 21.42 Uhr trafen die Zahlen aus Langenhessen ein, das ist der Wohnort von Kristensen. Hier stimmten 550 Wähler für den Herausforderer, 245 für Czarnecki. Damit baute Kristensen (3661 Stimmen) seinen Vorsprung auf Czarnecki (3324 Stimmen) aus.

Als auch die Zahlen aus dem Rathaus-Wahllokal, wo sich Kristensen ebenfalls durchsetzen konnte, vorlagen, gratulierte Stefan Czarnecki 21.57 Uhr dem Gewinner der Oberbürgermeisterwahl mit einem Blumenstrauß. Zu dem Zeitpunkt fehlten auf der Leinwand noch die Ergebnisse aus der Diesterwegschule und aus dem zweiten Briefwahllokal. Czarnecki war aber über die Zwischenstände informiert. "Damit war mir klar, dass ich diesen Rückstand nicht mehr aufholen kann", sagte er. Seit der Wende ist damit noch keinem OB in Werdau die Wiederwahl gelungen.


So sah der Sonntag bei den Kandidaten aus

Ausschlafen war bei Sören Kristensen angesagt, nachdem er am Samstagabend beim Auftritt des Comedians Markus Maria Profitlich im Theater Crimmitschau gewesen war. Bei Stefan Czarnecki stand am Sonntag nach dem Gang ins Wahllokal, dem altersgerechten Wohnblock an der Alexander-Lincke-Straße, die Familie im Mittelpunkt. "Die ist in letzter Zeit viel zu kurz gekommen." Deshalb unternahmen alle einen Ausflug nach Waldenburg zum Kräutermarkt.

Nachdem Sören Kristensen im Koberbachcentrum in Langenhessen gewählt hatte, ging es für ihn am Nachmittag in die Firma. "Es waren unter anderem Termine für die nächste Woche zu sichten." Er und Czarnecki fanden sich gegen 18 Uhr im Rathaus ein, wo die Ergebnisse öffentlich präsentiert wurden. Während Kristensen bis zum Schluss blieb, verschwand Czarnecki nach seiner Wahlniederlage ins Hotel "Friesen". "Ich möchte meinen Unterstützern danken." (rdl)


Kommentar: Mehr von allem

Werdau kann mehr. Das war der Wahlwerbeslogan, mit dem Sören Kristensen für sich und seine Ziele in der Pleißestadt von Plakaten herunter geworben und an vielen Haustüren geklingelt hat. Werdau kann mehr in Sachen Handwerk und Gewerbe, in Sachen Kultur, in Sachen Kinderbetreuung, in Sachen Bürgerfreundlichkeit und Transparenz. Allerdings braucht es, um solche Ziele umsetzen zu können, nicht nur (mehr) persönliches Engagement eines Oberbürgermeisters. In den allermeisten Fällen braucht es auch mehr Geld, um Dinge neu zu installieren oder besser auszustatten. Woher dieses Mehr kommen soll? Diese Frage müssen der neue OB und der Stadtrat den Werdauern beantworten. Und dabei konkret werden, viel mehr, als das im OB-Wahlkampf der Fall war.

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