Sozialarbeiter: Immer mehr Schulen interessiert

Der Jugendhilfeausschuss hat eine neue Konzeption verabschiedet. Die besagt, dass manche Schule ihre Fachkraft verlieren könnte.

Zwickau.

99 Schulen im Landkreis Zwickau haben für Schuljahresbeginn 2020 Bedarf an einem Schulsozialarbeiter angemeldet - laut Marion Käßner, Jugendamtsleiterin des Landkreises, 26 mehr als noch 2017. Schon jetzt sind etliche Schulen wegen des beschränkt zur Verfügung stehenden Geldes vom Freistaat leer ausgegangen. Im nächsten Jahr werden es noch mehr sein.

Da nicht genügend Geld zur Verfügung steht, hat der Landkreis im Rahmen einer überarbeiteten Gesamtkonzeption, die der Jugendhilfeausschuss diese Woche verabschiedet hat, eine neue Prioritätenliste erstellt. Gewichtet wurde unter anderem nach der Schulart, der Anzahl von Sitzenbleibern, Migranten, Schülern mit Förderbedarf sowie Klassenstärken. Glücklich schätzen können sich weiterhin alle staatlichen Oberschulen. Die Finanzierung ist für sie ohnehin per Gesetz gesichert. Für die anderen Schulen kommt es darauf an, wo genau auf der Prioritätenliste sie eingestuft wurden. "Es wird neue Standorte geben, bei anderen wird die Finanzierung wegfallen", so Käßner.


Auf Nachfrage von Jugendhilfeausschussmitglied Ute Brückner (Die Linke) wurde klar, dass sich ein erfolgreicher Schulsozialarbeiter selbst abschaffen kann. Behebt er viele Probleme, sinkt der Bedarf, und die Schule könnte in der Liste nach hinten rutschen. Landrat Christoph Scheurer (CDU) erklärte zwar, dass auch das soziale Umfeld eine Rolle spiele. Er fände es aber toll, wenn ein hervorragend arbeitender Sozialpädagoge es schafft, den Bedarf herabzusetzen.

Wer in den Genuss einer Förderung ab 2020 kommt, wagte Sozialdezernent Frank Schubert noch nicht zu sagen. Erst im Herbst stehe fest, wie viel Geld zur Verfügung steht. Zwar wisse man aus dem Doppelhaushalt des Freistaats, wie viel Geld vorerst zur Verfügung steht, Änderungen seien aber nicht ausgeschlossen. Im laufenden Jahr wurden so neben den ohnehin bezuschussten Oberschulen 49 allgemeinbildende Schulen finanziert. Bliebe die Anzahl auch in Zukunft gleich, würde die Schule in Pleißa gerade noch in die Finanzierung hineinrutschen.

Alle fünf Jahre soll der Bedarf nun neu eingeschätzt werden. Ein Zeitraum, der Ausschussmitglied Barbara Müller (Die Linke) nicht schmeckt. Sie will abwarten, ob die Praxis diese Dauer zulässt. In Richtung der Landtagsabgeordneten Kerstin Nicolaus (CDU) fragte Müller: "Wäre es nicht sinnvoll, Schulsozialarbeit auf alle Schulen auszuweiten?" Nicolaus bestritt das nicht. Mit den Oberschulen habe man erst einmal einen Anfang machen wollen. Leicht sei das nicht gewesen. "Einige mussten zum Jagen getragen werden", sagte sie.

Landrat Scheurer dämpfte Erwartungen auf eine Ausweitung des Programms: "Ich gehe nicht davon aus, dass die Novelle in den nächsten Jahren noch einmal angefasst wird", sagte er. Sehr lange sei daran gearbeitet worden, und Geld stehe nur begrenzt zur Verfügung. Angesichts der Kritik von Elisabeth Rips-Plath (CDU), dass freie Oberschulen nicht ebenso automatisch wie staatliche einen Sozialarbeiter bekommen, hob Scheurer die Hände: Das Geld, das der Freistaat zur Verfügung stellt, könne er nicht einfach so umverteilen.


Nur ein Gymnasium auf vorderem Listenplatz

Oberste Priorität legt der Landkreis nach wie vor auf Schulsozialarbeit in der Nicolai-Grund- und Rudolf-Weiß-Förderschule in Zwickau. Danach gibt es deutliche Verschiebungen. Nachfolgend die Schulen, die nach jetzigem Stand auf eine Förderung hoffen können, inklusive aller Oberschulen:

In Zwickau sind das die Förderschule Mosel, die Adam-Ries-Grundschule, die Dittes-Grundschule, die Grundschule am Scheffelberg, die Bebel-Grundschule, die Schiller-Grundschule, die Grundschule Crossen, die Stephan-Roth-Grundschule und das Käthe-Kollwitz-Gymnasium.

Im Altkreis Zwickau sind es die Förderschule im Mülsengrund, Sperlingsberg-Förderschule Kirchberg, Dittes-Grundschule Wilkau-Haßlau, Ernst-Beyer-Grundschule Reinsdorf, Comenius-Grundschule Wilkau-Haßlau.

In der Werdauer Region sind es die

Linden-Förderschule Crimmitschau, Käthe-Kollwitz-Grundschule Crimmitschau, Gerhart-Hauptmann-Grundschule Werdau, Umwelt-Grundschule Werdau, Grundschule Leubnitz, Grundschule Frankenhausen, Grundschule Neukirchen, Erich-Glowatzky-Grundschule Fraureuth, Schach-Grundschule Blankenhain.

Bangen müssen unter Umständen folgende fünf Schulen: Thomas-Müntzer-Grundschule Remse, Grundschule Niederlungwitz, Grundschule Bernsdorf, Ernst-Schneller-Grundschule Kirchberg und Grundschule Pleißa.

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