"Stiefelknecht"-Wirt kämpft weiter um Erhalt des Lokals

Steffen Körbl erhält große Unterstützung aus der Bevölkerung. Auch in den sozialen Medien wird die angekündigte Schließung heftig diskutiert.

Werdau.

Dem "Stiefelknecht", einer der traditionsreichsten Gaststätten in Werdau, droht das Aus. Die Grundstücksgesellschaft Stiefelknecht hat dem Pächter des Lokals, Steffen Körbl, zum 31. Dezember 2019 gekündigt. Nachdem "Freie Presse" darüber berichtet hat, erlebt der Gastronom eine Welle der Sympathie aus der Bevölkerung.

"Die Resonanz von Seiten der Gäste und auch von zahlreichen Bürgern berührt mich sehr und macht mir Mut, weiter um den Fortbestand des Lokals zu kämpfen", sagt Steffen Körbl. Er betreibt die Gaststätte gemeinsam mit seiner Partnerin Katrin Winkler seit zehn Jahren. Geht es nach dem Willen des Paares, würde dieses auch nach der Silvesterfeier im "Stiefelknecht" weiterhin Bier zapfen und den Gästen Essen servieren wollen. Doch die Mitglieder der Grundstücksgesellschaft haben sich anderes entschieden. "Ich akzeptiere dies. Doch ich werde für meinen Arbeitsplatz und den meiner Angestellten kämpfen", sagt der Wirt. "In dem Lokal haben meine Eltern geheiratet. Hier bin ich mit der Familie als Kind eingekehrt. Das ist ein Stück meines Lebens."

Körbl hat inzwischen eine Unterschriftenaktion gestartet und in verschiedenen Einrichtungen und Geschäften in der Stadt Listen ausgelegt, auf denen er um Unterstützung bittet und hofft, die Eigentümergemeinschaft zu einem Umdenken zu bewegen. Die Eigentümer hatten Körbl die Gaststätte zum Kauf angeboten. Das wiederum hat der Wirt abgelehnt. "Auch wenn die Gaststätte gut läuft, kann ich die geforderte Summe nicht aufbringen. Dazu müsste ich einen Kredit aufnehmen. Dafür bin ich jedoch schon zu alt."

Der 51-Jährige hat sich auch an Oberbürgermeister Sören Kristensen (Unabhängige Liste) gewandt und um Hilfe gebeten. "Es ist im Interesse der Stadt, dass die Gaststätte erhalten bleibt. Doch wir können als Kommune in dem Fall nur wenig tun, da es sich um eine privatrechtliche Angelegenheit handelt. Ich habe inzwischen mit den Beteiligten Gespräche geführt und hoffe, dass diese eine einvernehmliche Lösung finden", so das Stadtoberhaupt.

Inzwischen wird die bevorstehende Schließung heftig in den sozialen Medien diskutiert. "Da wird eine Gaststätte kaputt gemacht, die funktioniert. Der Pächter hat einen guten Job gemacht. Warum kündigt man ihm den Vertrag, wenn der Verein das Lokal erhalten will?" fragt ein User. "Reine Geldgier ohne Rücksicht auf Verluste", formuliert es ein anderer. "Ich wollte da nächsten Jahr meinen 60. Geburtstag feiern, nun kann ich das leider knicken. Schade, wenn es zumacht", bedauert ein User. Ein anderer meint: "Mit der Schließung verfällt der Bestandsschutz. Dann wird das Lokal abgerissen und auf dem Grundstück vielleicht drei Eigenheime errichtet."

Heinz John, Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft Stiefelknecht, hatte die Kündigung mit einer Entscheidung der Gesellschafter begründet. Die haben sich mehrheitlich dafür ausgesprochen. Nach Johns Worten gebe es interessierte Bewerber für das Lokal.

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