Theater-Besucher kommen mit Zeitzeugen ins Gespräch

Crimmitschau beging am Samstagabend das Jubiläum "30 Jahre friedliche Revolution" mit einer festlichen Veranstaltung.

Crimmitschau.

Die Stadt Crimmitschau im Herbst 1989: Rund 600Leute treffen sich zu einer ersten offiziellen Versammlung im Piusheim. Alles ist hoffnungslos überfüllt - die Räume brechend voll, auch draußen Menschenmassen. Der Umzug in eine Kirche wäre gut. Die ganze Innenstadt ist eine einzige Baustelle. In der Johanniskirche findet am 4. November das erste Friedensgebet statt. "Dort durfte ich zur ersten wirklichen und freien Demonstration in Crimmitschau seit rund 60 Jahren aufrufen - unvergesslich. Als ich endete, brandete Beifall auf. Zwei Polizeiautos, zwei Ladas, standen vor der Tür, um für den Demonstrationszug den Weg frei zu machen." So schilderte Matthias Kluge am Samstagabend den rund 200 Besuchern im Theater Crimmitschau den Anfang der friedlichen Revolution in der Pleißestadt.

Der gelernte Maschinenbauer und heutige Gymnasiallehrer ist einer von zehn Zeitzeugen, die von Schülerinnen und Schülern des Julius-Motteler-Gymnasiums sowie der Käthe-Kollwitz-Oberschule für eine Ausstellung befragt wurden. Diese Exposition wurde am Samstag feierlich eingeweiht und soll bis zum 3. Dezember im Theater zu sehen sein, bevor sie unter anderem in die Partnerstadt Wiehl wandert.

"Man hört zwar im Unterricht davon. Aber die Erlebnisse von Leuten erzählt zu bekommen, die wirklich dabei waren, ist etwas ganz anderes", schilderte Natalia Bernhardt aus der Klasse 11 des Gymnasiums stellvertretend für ihre weiteren acht Mitstreiter die Arbeit an dem ungewöhnlichen Projekt. "Wir haben unsere Interviewpartner in die Schule gebeten, Kaffee gekocht und Kuchen gebacken, damit es eine gute Gesprächsatmosphäre wird", ergänzte Sindy Krabsch. Neben Matthias Kluge wurden im Anschluss an die Ausstellungseröffnung zwei weitere Zeitzeugen, Barbara Gabor und Hans-Jörg Laube, zum Podiumsgespräch auf die Theaterbühne gebeten. Gemeinsam mit Oberbürgermeister André Raphael (CDU) moderierte Christoph Martens diesen Part der Festveranstaltung, der für Fragen aus dem Publikum allerdings keinen Raum bot. Der 23-jährige Jurastudent, der in Crimmitschau sein Abitur gemacht hat, kennt die politische Wendezeit nur aus Erzählungen. "Schon von daher ist dieser Abend sehr spannend für mich."

Ein Kleinkind war damals auch Sebastian Zylinski. Der Pädagoge betreute jetzt das Schülerprojekt zur Zeitzeugenbefragung an der Käthe-Kollwitz-Oberschule mit. "Ich war vier Jahre alt, als die Mauer fiel, und an irgendetwas zurückzudenken, fällt mir sehr schwer." Umso wertvoller seien die Erinnerungen derjenigen, die diese friedliche Revolution in Gang gebracht hätten.

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