Tunnelneubau: Planer müssen umdenken, um Tiere zu schützen

Die Bahnüberführung in Langenhessen ist 170 Jahre alt, marode und viel zu eng. Eine Lösung ist nicht in Sicht, dabei gab es bereits fünf Varianten.

Langenhessen.

Für die marode Bahnüberführung in Langenhessen, im Volksmund Tunnel genannt, wird es vorerst keinen Ersatzneubau oder andere Lösungen geben. "Die bevorzugte Variante, eine Neutrassierung der Seelingstädter Straße durch das circa 150 Meter neben der Bahnüberführung entfernte Viadukt ist aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht umsetzbar und damit vom Tisch", sagte die Pressesprecherin des Landratsamtes, Ilona Schilk. Grund dafür sind in dem Bereich vorkommende seltene Pflanzen und geschützte Tierarten. Dazu gehören neben diversen Schmetterlingen vor allem Fledermäuse, die Schleiereule, die Dohle sowie der Eisvogel und die Wasseramsel. "Dieser wertvolle Lebensraum ist nicht auswechselbar. Damit sind wieder bei null", sagt Schilk.

Bereits im Vorfeld wurden alle weiteren Vorschläge, die ein Planungsbüro erarbeitet hatte, aus Planungs- und Kostengründen verworfen. Das in Dresden ansässige Unternehmen wurde 2015 mit der Suche nach Lösungen beauftragt, wie das Nadelöhr beseitigt werden kann. Die Planer präsentierten kurze Zeit später fünf Varianten. Dazu gehörte unter anderem auch der Neubau eines Tunnels in Höhe des Koberbachcentrums. Von den fünf Varianten kamen drei in die nähere Auswahl. Davon fiel letztendlich die Entscheidung auf eine Verlegung der Straße durch das Viadukt. Doch das gehört nun der Vergangenheit an. An einer Lösung des Problems hält der Landkreis fest. "Wir sind mit der Bahn zum Finden einer planerischen als auch kostenseitigen Lösung weiterhin im Gespräch. Beide Partner sind bemüht, die Angelegenheit voranzubringen", sagte die Sprecherin der Kreisverwaltung. Die Bahn ist zuständig für die Überführung, der Kreis für die Straße.

Die Kreisbehörde hat das ungelöste Problem quasi vom Freistaat aufs Auge gedrückt bekommen. Bis zur Freigabe der Westtrasse auf Langenhessener Flur und der Einweihung der Anschlussstelle in dem zu Werdau gehörenden Ortsteil vor drei Jahren war der Freistaat für die unter der Bahnüberführung verlaufende Seelingstädter Straße zuständig. Das Land übertrug die Trägerschaft der Straße nach der Einweihung der Trasse dem Kreis und war damit die Klärung des Problems los.

Ganz überraschend kam das Ganze jedoch nicht. Bereits 2012, dem Jahr des Baubeginns der Westtrasse auf Langenhessener Flur, machte der Abteilungsleiter für Verkehr im sächsischen Wirtschaftsministeriums, Bernd Sablotny, bei einer Zusammenkunft mit Kommunalpolitikern und Landtagsabgeordneten im Bereich des Tunnels deutlich, dass die Westtrasse Sache des Freistaates sei, die Veränderung der Bahnüberführung in die Verantwortung des Kreises gehöre. Das Ansinnen des Ortschaftsrates von Langenhessen und der Stadt Werdau, beide Bauvorhaben gemeinsam zu realisieren und damit ein uraltes Problem zu lösen, scheiterte.

Das Bauwerk, vor 170 Jahren mit der Bahnstrecke von Leipzig nach Reichenbach errichtet, entspricht schon seit Jahren nicht mehr den Anforderungen. Als es gebaut wurde, verkehrten noch die Postkutschen auf der Straße. Das Auto wurde erst gut 40 Jahre später erfunden. Inzwischen durchqueren den Tunnel täglich rund 3200 Fahrzeuge. Tendenz steigend. Wollen zwei Autos zeitgleich das Nadelöhr passieren, wird es eng. Bei einem Lastwagen oder Bus reicht der Platz nur für eines der beiden Fahrzeuge. Hinzu kommt, dass sich an einigen Stellen im Gewölbe bereits Steine gelöst haben. Und: Einen Fuß- und Radweg gibt es nicht.

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