Ullmann-Mühle setzt auf Regionalität

Das Familienunternehmen in Beiersdorf besteht seit 1843. Und ist auch nach einem Führungswechsel gut für die Zukunft aufgestellt.

Beiersdorf.

Generationswechsel in der Ullmann-Mühle in Beiersdorf. Nachdem Ulrich Ullmann das Rentenalter erreicht hat und aus der Firma ausgeschieden ist, rückte sein Sohn Manuel nach. Der 38-Jährige führt nun gemeinsam mit Seniorchef Holger Ullmann (56) die Geschicke der Mühle. Beide sind gleichberechtigte Partner, jedoch mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen.

Die Geschichte der Firma reicht nachweislich bis in das Jahr 1843 zurück. "Seitdem befinden wir uns am selben Standort. Schon vorher gab es in dem Bereich eine Mühle. Darüber besitzen wir aber keine aussagekräftigen Unterlagen mehr", sagt Holger Ullmann, der in seiner Freizeit als Ortschronist tätig ist und sich bestens mit der Historie seines Heimatortes auskennt.

Nach der Wende kaufte die Familie die Mühle, die zu DDR-Zeiten verstaatlicht worden war, zurück. "Das war 1990 noch unter der Modrow-Regierung. Hätten wir noch ein paar Monate gewartet, hätten wir sie kostenlos zurückübertragen bekommen. Aber das konnte ja damals keiner ahnen", blickt der Seniorchef auf diese Zeit der Umwälzungen zurück. 17 Jahre arbeitete die Ullmann-Mühle mit der Vogtlandmühle in einer GmbH zusammen, 2007 trennten sich dann die Wege beider Unternehmen. "Seitdem sind wir wieder zu 100 Prozent in Familienbesitz", sagt Holger Ullmann.

Bis zu 50 Tonnen Getreide, hauptsächlich Roggen und in geringerem Umfang auch Weizen, können täglich in der Mühle verarbeitet werden. Rund 7000 bis 8000 Tonnen sind es im Jahr. 13 Arbeitsgänge sind nötig, um aus dem Korn Mehl herzustellen. Dabei wird das Getreide zuerst gereinigt, anschließend aufgenetzt, damit sich der Mehlkörper leichter von den Schalen lösen lässt, und danach mehrmals gemahlen. Was übrig bleibt, ist grobes bis feines Mehl, je nachdem, wie es die Kunden wünschen.

Beliefert werden Bäckereien im Umkreis von rund 100 Kilometern. Dazu gehören kleine Familienunternehmen, aber auch Großbäckereien. Geliefert wird frei Haus. Dafür hat das Unternehmen die Verladestation erneuert. Um den hohen Qualitätsansprüchen, auch an sich selbst, und den sich ständig verändernden Vorschriften gerecht zu werden, wurde zudem das Labor modernisiert und mit neuester Technik ausgestattet. Allein in den zurückliegenden fünf Jahren investierten die Ullmanns rund 750.000 Euro in das Unternehmen.

Das Korn, das in der Mühle verarbeitet wird, kommt zum einen aus der Region. Der größte Teil wird jedoch aus dem Brandenburgischen bezogen. "Die Böden dort eignen sich einfach besser für den Anbau", sagt der Experte. Doch die Trockenheit in den Sommermonaten habe zu großen Ertragseinbußen geführt. Das bekomme auch die Mühle zu spüren. "Die Preise sind um bis zu 30Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen", sagt Holger Ullmann. Das geht nicht nur dem Familienbetrieb so, sondern auch den anderen Mühlen landauf landab. Letztendlich steigen damit auch die Kosten für die Abnehmer. "Wir können nur einen Teil selbst tragen und geben die Kosten weiter. Die Kunden werden das spätestens im Herbst merken. Dann werden sicherlich auch die Preise für Backwaren nach oben gehen", prognostiziert Holger Ullmann.

Dennoch blickt er optimistisch in die Zukunft. "Der Trend geht wieder zu mehr Regionalität und weg von der Massenware. Die Kunden gehen verstärkt beim Bäcker an der Ecke einkaufen, weil es dort ganz anders schmeckt. Und weil sie auch wissen, wo Brot und Brötchen herkommen."

Die aktuellen Änderungen an der Unternehmensspitze sind übrigens nur der erste Schritt. Auch der Sohn des Seniorchefs, Markus Ullmann (35), arbeitet in der Firma mit und wird irgendwann mit in die Führungsriege aufsteigen. "Mein Neffe Manuel und mein Sohn Markus sind beide gelernte Müller und haben auch einen Meisterabschluss. Damit ist der Fortbestand des Familienunternehmens gesichert", sagt Holger Ullmann, der zusammen mit seinem Bruder Ulrich nach der Privatisierung der Mühle die Geschicke des Unternehmens leitete. Manuel und Markus sind inzwischen die siebte Generation im traditionsreichen Familienbetrieb an der Dorfstraße, der mit seinem Getreidesilo weithin sichtbar das Ortsbild prägt.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...