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Unternehmer erfüllt sich Museumstraum

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Unter der Dusche kommen Frieder Flechsig aus Hartmannsdorf manchmal verrückte Ideen. Seine aus einem Bauernhof entstandene, weithin bekannte Pension im Dorf geht auf eine solche zurück. Einer weiteren verdankt das Dorf jetzt ein Museum.

Hartmannsdorf.

Bereits mehrere Hundert Neugierige haben die ersten beiden Adventssamstage genutzt, in das neu eröffnete Heimatmuseum im Garten der Pension Flechsig in Hartmannsdorf zu besuchen. "Alle waren gespannt und haben gerätselt, was wohl darin zu sehen ist", sagt Bürgermeister Christfried Nicolaus (CDU). "Deshalb haben wir das Museum vor dem Andrehen der Ortspyramide am 26. November aufgemacht, obwohl es noch nicht ganz fertig ist."

Mit dem Heimatmuseum hat Unternehmer Frieder Flechsig eine Idee verwirklicht, die ihm vor mehr als sechs Jahren beim Duschen gekommen war. "Ich dachte mir damals, dass es doch toll wäre, Schätze, die in vielen Scheunen und auf Dachböden im Dorf liegen, hervorzuholen und der Öffentlichkeit zu präsentieren", blickt er zurück. Jetzt ist seine Idee gemeinsam mit dem Verein "Glück auf! Hartmannsdorf", dessen stellvertretender Vorsitzender der 75-Jährige ist, in die Tat umgesetzt.

Gleich rechts am Eingang begrüßt eine Brockenhexe die Besucher. Und zwar keine, die in der Walpurgisnacht auf ihrem Besen unterwegs ist, sondern ein restaurierter Traktor dieser Marke aus Flechsigs Scheune. Auf der anderen Seite ist Hartmannsdorf en miniature aufgebaut. Uwe Steglich hat die vor vielen Jahren vor allem von Dieter Großpitzsch geschaffenen Gebäude wie Kirche, Gemeindeamt und Feuerwehr einer Schönheitskur unterzogen und wie einen Weihnachtsberg aufgebaut. Wer ganz genau hinsieht, kann auf den kleinen Grabsteinen auf dem Friedhof sogar die Namen jener bereits verstorbenen früheren Dorfbewohner lesen, die die Miniaturhäuser und die große Ortspyramide einst geschaffen haben. Am Rande steht Steglichs eigenes Haus. "Das sieht heute wie manch anderer Nachbau anders aus. Aber das alles ist ja schon vor etlichen Jahren entstanden, und unser Dorf wandelt sich", sagt der Mann, der vor 40 Jahren mit seinem Vater Fritz und anderen Enthusiasten die Ortspyramide gebaut hat, die sich an der Dorfstraße dreht. "Bei der Renovierung nach vier Jahrzehnten haben etliche Hartmannsdorfer, auch mein Sohn, der Schwiegersohn und sogar Enkel geholfen", erzählt der 67-Jährige.

In Glasvitrinen können die Besucher jetzt interessante Modelle von Autos und Motorrädern bewundern, die Dorfbewohner zur Verfügung gestellt haben. Darüber steht ein Bergmannszug mit um die 100 Bergleuten, die von Hartmannsdorfern gedrechselt worden sind. Und hinter einem Ortseingangsschild mit der Aufschrift "Wir sind Weltkulturerbe - Gemeinde Hartmannsdorf - Hoher Forst" hat Frieder Flechsig eine Rundfunk- und Fernsehreparaturwerkstatt eingerichtet, alte Radios sowie Fernseher ausgestellt. "Schließlich habe ich als Rundfunk- und Fernsehmechanikermeister früher solche Geräte repariert", sagt er.

Einen großen Teil des 200 Quadratmeter großen Museums nimmt die Modelleisenbahn Spur 0 der Marke Märklin ein. "Eigentümer Jörg Schubert hatte sie bisher teilweise in Containern gelagert und mich schon öfter gefragt, ob wir die riesige Anlage nicht irgendwo im Ort aufstellen können", erzählt die frühere Bürgermeisterin Kerstin Nicolaus. "Ich denke, hier hat sie einen tollen Platz bekommen."

Noch nicht umgesetzt hat Flechsig seine Idee, mit bewegten Figuren Leben in das Museum zu bringen. "Etwa so wie im Heimateck neben dem Gasthof unserer Familie in Giegengrün, wo der Bäcker Brote in den Ofen schiebt. Das kommt richtig gut an", sagt er. Im neuen Museum will der Unternehmer auch einen Bauern auf die Brockenhexe setzen und einen anderen eine Sense dengeln lassen. "Wie und wann wir das hinkriegen, steht noch nicht fest. Da muss ich wohl noch paar mal Duschen für neue Ideen", scherzt er.

Finanziert haben das Museumvor allem die Flechsigs. Über den "Glück auf!"-Verein sind Spenden in Bau und Einrichtung geflossen. Eintritt wird nicht verlangt. "Wir wollen den Menschen in der Region und Touristen das Weltkulturerbe Montanregion Erzgebirge anschaulich nahebringen, die bäuerliche Kultur und die handwerklichen Traditionen zeigen", sagt der Bürgermeister.

Das Heimatmuseum, Dorfstraße 37 in Hartmannsdorf, hat am 10. Dezember von 15 bis 18.30 Uhr geöffnet. Dann ist auch die große Modelleisenbahn in Betrieb. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Wer das Museum besuchen will, meldet sich an der Rezeption der Pension Flechsig nebenan.

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