"Viele tolle Geschichten dabei"

Holger Frenzel über das neue Crimmitschauer Eishockeybuch und das interessante Kapitel eines Vogtländers

Crimmitschau/Plauen.

Die Auto-Kennzeichen rund um das Kunsteisstadion im Sahnpark in Crimmitschau sind der beste Beweis: Die Spiele der Eispiraten in der zweiten deutschen Eishockey-Liga locken Woche für Woche auch jede Menge Fans aus dem Vogtland an. Am Dienstag lohnt sich die Fahrt gleich doppelt. Vor dem Sachsenderby ab 20 Uhr gegen die Lausitzer Füchse wird das Buch "Pucks, Penalty, Powerplay" präsentiert. Monty Gräßler hat sich mit "Freie Presse"-Reporter und Herausgeber Holger Frenzel (40) darüber unterhalten.

Freie Presse: Hinter "Pucks, Penalty, Powerplay" steckt die Idee, die 100-jährige Crimmitschauer Eishockey-Geschichte an Hand von 100 Porträts zu erzählen. Das klingt nach einer ganzen Menge Arbeit, oder?

Holger Frenzel: Es war Teamarbeit. Am Ende steht zwar mein Name vorn drauf. Aber ohne die Unterstützung der anderen Autoren und der Fotografen wäre das Buch in dieser Form neben dem Redaktionsalltag nicht zu stemmen gewesen.

Was war die größere Herausforderung, überhaupt 100 Leute aus allen Epochen zu finden oder die richtige Auswahl zu treffen?

Die Auswahl. Natürlich gehören die Ex-Nationalspieler Gerhard Kießling und Dieter Kratzsch oder der langjährige Präsident Bertfried Bräuninger in so ein Buch. Auch die drei Spieler, deren Trikots unter dem Hallendach hängen, dürfen nicht fehlen. Aber die Auswahl der porträtierten Leute stellt keine Wertung dar. Sie stehen stellvertretend für alle, die beim Eishockey in Crimmitschau mitfiebern und anpacken.

Dazu gehört mit René Rudorisch auch ein Vogtländer. Ihm sind zwei komplette Seiten gewidmet.

Das stimmt und das ist auch gerechtfertigt. Seine Geschichte hat ja durchaus etwas vom Aufstieg eines Tellerwäschers zum Millionär. Er hat 2001 als Praktikant in der Geschäftsstelle des ETC Crimmitschau angefangen, war später viele Jahre Eispiraten-Geschäftsführer und arbeitet mittlerweile in der Zentrale der Deutschen Eishockey Liga II. Er wird am Dienstag in der ersten Drittelpause bei uns am Stand der "Freien Presse" sein. Vor dem Spiel geben die ehemaligen ETC-Spieler Ralf Kösling, Michael Maaß und Roland Frisch Autogramme.

Gibt es denn von den 100 Kapiteln eines, das für dich persönlich heraussticht?

Es sind viele tolle Geschichten dabei. Und ich denke, genau das macht das Buch auch für den Fan aus. Dass man blättert und sich an diese oder jene Anekdote erinnert, die man selbst im Sahnpark miterlebt hat. Es ist eine ganze Menge spannender Lesestoff zusammengekommen.

Damit wäre die Frage nach der Lieblingsgeschichte noch offen.

Na gut. Ich musste zum Beispiel schmunzeln, als mir Ralf Kösling nochmal erzählt hat, wie es 2001 zu seinem unverhofften Comeback im ETC-Tor kam. Er war ein halbes Jahr raus aus dem Sport, hat am Tag vor dem Spiel probiert, ob er noch in die Klamotten passt und mit der Mannschaft tatsächlich gewonnen. Dabei hatte er seinem Sohn eigentlich fest versprochen, bei der Feier zu dessen zehnten Geburtstag dabei zu sein.

Du schreibst jetzt fast 20 Jahre über Eishockey. Was macht die Faszination aus?

Mein Vater hat mich als Kind mitgenommen und mit dem Eishockey-Virus infiziert. Ich glaube, es steckt vor allem das Tempo und die Tatsache, dass es kein Hin- und Hergeschiebe wie beim Fußball gibt, dahinter. Es kann immer in beide Richtungen etwas passieren, was manchmal für uns Reporter auch zur echten Herausforderung wird.

Inwiefern?

Da abends gespielt wird, sind die Berichte immer mit heißer Nadel gestrickt. Ich kann mich an ein Sachsenderby erinnern, da hat Crimmitschau 6:3 geführt und mein Text war so gut wie fertig, bis in den letzten drei Minuten drei Gegentore gefallen sind. Da fängst du kurz vor Redaktionsschluss wieder von vorne an. Aber bisher haben wir es immer für den nächsten Tag geschafft.

Wieviel Fan steckt während eines Eishockeyspiels noch im Reporter Holger Frenzel?

Gute Frage! Es fällt einem natürlich viel leichter, über Siege zu schreiben als über Niederlagen. Und ich habe auch nichts dagegen, wenn uns der Nervenkitzel der Playdowns erspart bleibt. Ansonsten bin ich mit einer gewissen kritischen Distanz bisher eigentlich immer gut gefahren.

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