Vom Gartenbahnvirus infiziert

Am Wochenende hat die Miniwelt rekordverdächtige 2000 Besucher gezählt. Gründe waren das schöne Wetter und das Gartenbahntreffen.

Lichtenstein.

Ohne die alte Dienstmütze geht beim ehemaligen Eisenbahner Udo Nötzold gar nichts. "Die muss mit, aber meine Uniform habe ich zu Hause gelassen", sagt der 78-Jährige und gibt schon mal kurze Anweisungen an seine beiden Helfer, die Enkel S0phie (10) und Jeremy (9). Die Kinder setzen routiniert den ICE mit seinen acht Waggons auf die Gleise der Gartenbahn in der Lichtensteiner Miniwelt. Udo Nötzold hat 40 Jahre lang den Modellbahnclub 3/22 Lichtenstein geleitet. Den Job hat er jetzt abgegeben. Die Gesundheit spielt nicht mehr so mit, wie er es gern hätte. Neben der Dienstmütze ist das wichtigste Utensil inzwischen der Gehstock. Das war vor 20 Jahren noch anders, als er die Idee zu einem Gartenbahntreffen in der Miniwelt hatte. Damals rannte er damit offene Türen ein. Inzwischen ist das Treffen ein Renner. Am vergangenen Wochenende lockte das Treffen rund 2000 Besucher in die Miniwelt. "Am Sonnabend waren es 750, am Sonntag haben uns die Besucher fast überrannt. Und wir hatten diesmal 42 Aussteller mit wunderschönen Zugmodellen", zog eine überglückliche Marketingchefin Claudia Schmidt Bilanz. Dass Udo Nötzold trotz seiner Gehbehinderung immer noch mit von der Partie ist, freut sie ganz besonders. "Er kann viel aus der Geschichte berichten", sagt sie. Auch Nötzolds Ehefrau Siegrid hatte es sich in einem Campingstuhl neben dem Modellbahnhof gemütlich gemacht. Für die Geschichten überließ die 72-Jährige ihrem Mann die Bühne. Als Monteur war er vor vielen Jahren an der Elektrifizierung der Bahnstrecke Zwickau - Dresden beteiligt. "Und als 1961 die Berliner Mauer gebaut wurde, habe ich sozusagen zwischen der Mauer gearbeitet, um die S-Bahn umzuverlegen. Da sind wir immer bewacht worden und durften mit den Leuten kaum ein Wort reden", erinnert er sich.

Heute ist das für ihn alles Geschichte. Auf seinem Grundstück zu Hause hat er 200 Meter Gartenbahngleis verlegt. Dort können sich die Enkel mit der Technik beschäftigen. Sie sind längst in seine Fußstapfen getreten. Die Kinder haben von Opa viel gelernt, was die Gartenbahnen anbelangt. Für Gartenbahnfans in der Miniwelt hatte die Familie diesmal vier Züge im Gartenbahn-Maßstab 1:22,5 mit insgesamt rund 20Waggons mitgebracht. Darunter neben dem hochmodernen ICE auch die gute alte Diesellok V 200. Auf eines seiner Schmuckstücke ist er besonders stolz. "Das ist Big Boy, die größte, stärkste und längste Dampflok der Welt", sagt Nötzold. Dabei handelt es sich um die Baureihe 4000 der Union Pacific Railroad in den USA. "Sie wurde 1941 bis 1944 gebaut und konnte 130 Sachen fahren", sagt er. Big Boy kam auf den 600 Metern Miniwelt-Gleis richtig in Fahrt, ebenso seine Russenlok, Baureihe 232, Spitzname Ludmilla. Den haben ihr die Eisenbahner damals verpasst.

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