Vom Paddelbootanfänger zum Teilnehmer an der WM

90 Jahre Kober: Wolfgang Dietrich hat auf der Talsperre mit Wassersport begonnen. Inzwischen zieht es ihn auf ganz andere Gewässer.

Werdau.

Mit der Talsperre hatte Wolfgang Dietrich als Kind nichts am Hut. "Mich zog es dort nicht hin. Ich bin an den Teichen in Werdau aufgewachsen. Da hatten wir das Wasser vor der Haustüre", blickt der 79-Jährige zurück. Doch irgendwann nahm ihn der Nachbar mit an die Talsperre. Dort weckte ein Faltboot, das unbeaufsichtigt am Ufer lag, das Interesse des 14-Jährigen.

"Ich war begeistert und wollte unbedingt so ein Boot haben", blickt Wolfgang Dietrich zurück. Genügend Geld, sich so ein Teil zu kaufen, besaß der Jugendliche nicht. Also baute sich der handwerklich begabte junge Werdauer gemeinsam mit seinem Freund Heinz Weidenmüller, der gleich nebenan wohnte, selber ein Faltboot. Doch die ersten Versuche, damit in See zu stechen, gingen schief. "Kaum hatten wir das Boot auf einem der Teiche ins Wasser gesetzt und wollten damit starten, kenterte es." Wolfgang Dietrich gab nicht auf und versuchte, mit Ziegelsteinen an Bord das Boot zu stabilisieren. Auch der Versuch brachte nicht den gewünschten Erfolg. Die Jungen feilten an der Technik, bis das Faltboot perfekt war. Doch damit kam das nächste Problem: Wie gelangt das gute Stück von Werdau-West, dem Wohnort der beiden Jungen, an die Kober? Wolfgang Dietrich, der nach der Schule eine Lehre zum Sattler machte, nähte sich große Säcke, in denen das in seine Einzelteile zerlegte Boot verstaut wurde. Richtig zufrieden waren er und sein Freund nicht. Die Jungs bauten sich einen Karren, auf dem sie das Boot befestigten und über einen Feldweg zur Talsperre transportierten. Zusätzlich hatte Wolfgang Dietrich ein kleines Zelt genäht, sodass sie auch über Nacht mit ihrem Faltboot an der Talsperre bleiben und dort ihre Freizeit verbringen konnten. Immer dann, wenn die jungen Kerle mit ihrem Faltboot über den See paddelten, ärgerten sie sich über einen anderen Wassersportler. "Das war so ein Angeber. Der besaß schon ein richtiges Segelboot der Marke Pirat. Immer, wenn er damit an uns vorbei fuhr, belächelte er uns von oben herab. Das hat mich total gewurmt." Ein bisschen neidisch war er dennoch auf das noble Segelboot.


Wolfgang Dietrich hielt aber seinem kleinen Boot die Treue, bis ihn ein paar Jahre später eine Sendung im Fernsehen ins Staunen versetzte. "Da lief eine Reportage über ein Flying Dutchmann. Die Zwei-Mann-Regattajolle richtete sich nach dem Kentern mit wenigen Handgriffen wieder auf. So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen." Der 22-Jährige war fasziniert. Für ihn stand fest: So eine Regattajolle muss her. "Ich war zu dem Zeitpunkt schon selbstständig und konnte mir den Kauf auch finanziell leisten. Doch es war gar nicht so einfach, zu jenem Zeitpunkt so ein Boot zu erwerben. Doch irgendwie gelang es dem jungen Werdauer, der bei seinen Faltbootausflügen an der Koberbachtalsperre auch seine spätere Ehefrau Gudrun kennenlernte und in ihr eine Gleichgesinnte fand, sich ein Flying Dutchman zu besorgen. "Ich war damals stolz wie Bolle. Immerhin ist so ein Boot 6,05 Meter lang und der Mast 7,70 hoch und auf dem Wasser schon eine Augenweide. Dagegen war mein erstes Faltboot ein Lacher." Doch auch hierbei gingen die ersten Erfolgsversuche voll daneben. "1964 fanden auf der Pöhl die Meisterschaften um das ,Blaue Band' für Amateure statt. Meine Frau und ich wollten mit unserem Boot teilnehmen und sind am Ende unter ferner liefen gelandet", ärgert sich Wolfgang Dietrich rückblickend.

Heute kann der inzwischen 79-Jährige darüber nur lachen. Inzwischen gewann das Ehepaar mit seiner Jolle - sie als Vorschotfrau und er als Steuermann - schon zahlreiche nationale und internationale Wettkämpfe. Davon zeugen die unzähligen Pokale, Trophäen und Wimpel, die das Paar in seinem Haus aufbewahrt. Bisher haben die Dietrichs unter anderem an sechs Europameisterschaften und drei Weltmeisterschaften teilgenommen. Die weiteste Reise führte sie dabei 2000 nach Durban in Südafrika, wo die Werdauer in Flying Dutchmann den 17. Platz belegten. Da war er bereits 60 und seine Frau 51. Die meisten Teilnehmer waren halb so alt.

Im Vorjahr schafften es die Werdauer in der Rangliste bei 130 Teilnehmern auf Rang 30. "Pro Jahr nehmen wir an zehn bis zwölf Regatten teil, um möglichst viele Punkte einzufahren, die dann in die Ranglistenwertung einfließen", sagt Wolfgang Dietrich. Dabei gehören er mit 79 Jahren und seine Frau Gudrun mit 71 Lenzen schon eher zum älteren Semester im Segelbootsport. "Solange es uns noch Spaß macht, sind wir dabei", sagt der Werdauer.

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