Von der hohen See auf die Straße

Vor 150 Jahren wurde die erste Ampel der Welt in Betrieb genommen. Im Landkreis regeln heute 185 von ihnen den Verkehr.

Zwickau/Werdau.

Zwickau ist die Wiege der Autoindustrie - Pioniere der Straße waren hier schon immer zu Hause. Beim Bau von Ampeln hat die Stadt den Spitzenplatz jedoch knapp verfehlt. Die erste elektrische Ampel in Sachsen wurde 1926 in Chemnitz am Falkeplatz aufgestellt. 1929 folgte Zwickau mit farbigen Lichtern "über dem Straßenkreuz Schul-, Plauensche-, Magazinstraße" (heute Magazin-/Innere Plauensche/Peter-Breuer-Straße). Das geht aus einem Verwaltungsbericht für das Jahr 1929 hervor, der im Stadtarchiv erhalten ist. Die Anlage wurde vermutlich kurz nach dem Krieg wieder abgebaut.

Damit stand in Zwickau nicht nur eine der ersten Ampeln in Sachsen, sondern in ganz Deutschland. Nur sechs Städte nutzten die neue Technik früher (Zahlen siehe Infokasten). In den Zwickauer Ratsunterlagen findet man zum Bau nichts. Der Grund: Die Ampel wurde im Auftrag der Staatlichen Polizeidirektion angebracht, die damals in der Kreuzung einen unfallträchtigen Verkehrsknoten sah. Bisher waren die Heimatforscher davon ausgegangen, dass die erste Ampel in Zwickau erst etwa 1934 in Höhe des späteren Ringkaffees aufgebaut wurde.

Was die Zahl der Ampeln angeht, ist die Stadt Zwickau Spitzenreiterin im Landkreis. 112 regeln den Verkehr, darunter sind 16 Fußgängerampeln. Insgesamt stehen in den 33 Städten und Gemeinden des Kreises 185 Lichtsignalanlagen. 26 davon sind nur für Fußgänger bestimmt. Für den kleineren Teil sind die Kommunen selbst zuständig; 115 werden an den Kreis-, Staats- und Bundesstraßen vom Landratsamt betreut. Bedingt durch das zu DDR-Zeiten niedrige Verkehrsaufkommen spielten Ampeln im Landkreis lange keine Rolle. Außerdem war deren Bau teuer und Material, vor allem Steuergeräte, knapp.

Erst 1976 wurde in Wilkau-Haßlau an der Einmündung in die Fernstraße 93 ein Neubau errichtet. Etwa 1978 entstanden Anlagen in Limbach-Oberfrohna und 1982 in Werdau. Die meisten der heute aktiven Ampeln wurden nach 1990 errichtet, als der Verkehr schlagartig zunahm. An manchen Gemeinden ging der Ampelboom vorbei, vor allem an kleineren. Auch in der Stadt Waldenburg gibt es nur zwei Fußgängerampeln.

Als eifrige Ampelbauer betätigten sich die Werdauer. In der Stadt sind inzwischen 14 Anlagen in Betrieb. Genauso viele sind es in Limbach-Oberfrohna. Neun stehen in Wilkau-Haßlau, sieben in Oberlungwitz, fünf in Hohenstein-Ernstthal und jeweils vier in Crimmitschau und Lichtentanne.

Das in Wildenfels entstandene Ostampelmännchen ist im Landkreis nahezu ohne Konkurrenz. Sein Westverwandter hatte nie eine Chance, hier den Fußgängerverkehr zu regeln. Aber auch das nach der Wende ins Rennen geschickte Ampelfrauchen hat es bisher lediglich in Zwickau auf die Lichter an der Kreuzung Crimmitschauer/Werdauer/Humboldtstraße geschafft. In Werdau verschwand das Ampelmädchen mit dem Abbau der Anlage an der Post-/August-Bebel-Straße.

Die erste Lichtsignalanlage, damals nur in rot und grün, die sich der Erfinder John Peak Knight von der Seefahrt abgeguckt hatte, wurde am 10. Dezember 1868 in London in Betrieb genommen. Damals gab es noch nicht einmal Autos. Fuhrwerke, Pferdebusse und Droschken sollen in halsbrecherischem Tempo unterwegs gewesen sein. Die mit Gas betriebene Anlage wurde von einem Polizisten gesteuert. Allerdings: Sie explodierte nach drei Wochen. Durchsetzen konnte sich die Verkehrsreglung per Licht erst später, ab dem 5. August 1914. Damals wurde in Cleveland (Ohio) die erste elektrische Ampel freigeschaltet.


Der Siegeszug der Ampel

1924: Berlin bekommt am Potsdamer Platz seine erste Ampel.

1926: Chemnitz, Falkeplatz.

1927: München, Bahnhofsplatz.

1929: Zwickau, Kreuzung Schul-/Magazin-/Plauensche Straße.

1930: Frankfurt am Main.

Ende 1930er-Jahre: Erfurt, Anger.

1953: Magdeburg.

1961: Dresden.

1966: Gera.

1970er-Jahre: Plauen, der Generalverkehrsplan sah damals den Bau von zwölf Ampeln vor.

1971: Bautzen. (nkd)

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