Waldbahn: Holt sich Natur ihre Flächen zurück?

Vor 20 Jahren verkehrte durch den Werdauer Wald der letzte Regionalexpress. Die Versuche, die Strecke für den regulären Zugverkehr wieder zu beleben blieben ohne Erfolg.

Werdau.

Um die Mitglieder vom Eisenbahnförderverein "Friedrich List", die sich eine Wiederbelebung der Waldbahn zur Aufgabe gemacht haben, ist es in den zurückliegenden Monaten still geworden. Der Internetauftritt der Hobbyeisenbahner ist veraltet, mehrere weiterführende Links gelöscht. Die letzten Veröffentlichungen auf der Internetseite stammen vom Herbst des Vorjahres. Der langjährige Vereinschef, André Ackermann, ist per Telefon nicht mehr erreichbar. Uwe Dietrich vom gleichnamigen Gleisbaubetrieb in Werdau, der über viele Jahre mit den Vereinsmitgliedern eng zusammenarbeitete und ihnen für ihre Fahrten auf der Waldbahn seinen Schienentrabi zur Verfügung stellte, hat nach eigenen Aussagen schon lange nichts mehr von den Hobbyeisenbahnern gehört. "Mein Schienentrabi rollt jetzt auf einer stillgelegten Bahnstrecke bei Rochlitz", sagte der Werdauer auf Anfrage.

Dabei hätten die Vereinsmitglieder gerade jetzt guten Grund, wieder von sich reden zu machen. Am 29. Mai jährt sich zum 20. Mal der Tag, an dem der letzte reguläre Zug durch den Werdauer Wald fuhr. Bekannt wurde der Zug, der zuletzt zwischen Zwickau, Werdau und Gera rollte, als der "langsamste Regionalexpress" der Deutschen Bahn. Die Fahrzeit betrug mehr als zwei Stunden. Auf einigen Abschnitten betrug die Höchstgeschwindigkeit zehn Kilometer pro Stunde. Mangels Nachfrage und wegen des schlechten Zustandes der Gleise wurde die Verbindung eingestellt. Im Herbst 2000 verfügte das Eisenbahnbundesamt über die Stilllegung der Strecke zwischen Werdau und Wünschendorf.


Seit der Stilllegung des Abschnittes auf sächsischer Seite gab es immer wieder Versuche, die im Volksmund Waldbahn genannte Verbindung wiederzubeleben. Im Juni 2007 pachtete die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) mit Sitz in Berlin die Strecke von der Deutschen Bahn und übergab sie dem Eisenbahnförderverein "Friedrich List" in Zwickau, damit dieser sie so herrichtet, dass der reguläre Zugbetrieb zwischen Werdau-West und Wünschendorf wieder aufgenommen werden kann. Die Hobbyeisenbahner legten sich mächtig ins Zeug, um die Bahnstrecke vom Wildwuchs freizuhalten. Anfang September 2007 wurde vorerst der Betrieb zwischen Teichwolframsdorf und Langenbernsdorf mit einer historischen Handhebeldraisine wieder aufgenommen. Im Mai des darauffolgenden Jahres verkehrte die Handhebeldraisine bereits fahrplanmäßig fünfmal an vier Wochenenden zwischen Werdau-West, Langenbernsdorf und Teichwolframsdorf in beide Richtungen. Das Angebot der Vereinsmitglieder wurde sehr gut angenommen. Zeitweise wollten die Hobbyeisenbahner auch ihren Vereinssitz von Zwickau in das ehemalige Bahnhofsgebäude am Haltepunkt in Werdau-West verlegen. Umgesetzt wurden die Pläne nicht. Die letzten Sonderfahrten auf der Strecke der Waldbahn mit einem Schienentrabi organisierten die Vereinsmitglieder im September 2018 zum Tag des offenen Denkmals. Seitdem herrscht Stillschweigen. Die ursprünglichen Ziele, durch den Werdauer Wald wieder regulär Personenzüge zwischen Sachsen und Thüringen verkehren zu lassen, wurden nicht erreicht. Gescheitert sind ebenfalls die Pläne eines Unternehmens aus Ostsachsen, das die Strecke durch den Wald in einen Radweg umgestalten wollte.

Inzwischen gibt es einen neuen Interessenten für die Strecke: die Natur. Sie hat begonnen sich ihre Flächen zurückzuholen.

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