Waldsiedler modernisieren Technik in Trafostation selbst

Die Eigentümer von rund 300 Grundstücken im Werdauer Westen sind in einem Verein organisiert. Um die Versorgung mit Strom und Wasser kümmern sie sich selbst. Jetzt steht ein neues Projekt an.

Werdau.

Die Bewohner der Werdauer Waldsiedlung, organisiert in einem Verein, sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Das Leben in der Siedlung funktioniert wie in einer eigenen Stadt. "Wir beziehen Strom und Wasser von den öffentlichen Versorgern, den Stadtwerken Werdau und den Wasserwerken Zwickau. Wir sind aber Netzbetreiber mit allen Rechten und Pflichten für das gesamte Siedlungsgebiet", sagt Siedlerchef Heinz John. Das vereinseigene Netz umfasst sechs Kilometer Wasserrohrleitungen und circa 15 Kilometer Stromkabel. "Alle Leitungsnetze wurden von den Siedlern finanziert und befinden sich im Eigentum des Vereins." Hinzu kommt eine Trafostation. In der wird derzeit die Technik erneuert.

Erschlossen wurde das gesamte Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Bodenreform. Schon zu Beginn der 1950er-Jahre hatten die ersten Siedler unter schwierigsten Bedingungen selbst eine Strom- und Wasserversorgung in der Siedlung aufgebaut. Die Netze wurden in den zurückliegenden Jahren grundlegend erneuert und dem heutigen Leistungserfordernissen angepasst. Das letzte große Projekt, das die Siedler in Eigenleistung realisiert haben, war die Lösung des Abwasserproblems. Die alten abflusslosen Sammelgruben in den Grundstücken wurden abgelöst. Das Abwasser wird jetzt in acht vollbiologischen Gemeinschaftsanlage gereinigt. An jede Kläranlage können bis zu 33 Grundstück angeschlossen werden. "Ein enormer Fortschritt", sagt John. Die Kosten haben die Siedler aus der eigenen Tasche bezahlt. Fördergelder konnten sie nicht in Anspruch nehmen. "Unterstützung vom Freistaat gibt es nur für Kleinkläranlagen in Wohngrundstücken. Bei der Waldsiedlung handelt es sich aber um Wochenendgrundstücke", sagt der Vereinschef.


Mit der derzeit laufenden Komplettsanierung der Trafostation haben die Vereinsmitglieder in diesem Jahr eine weitere anspruchsvolle Maßnahme im Plan. "Die alte Trafostation wurde 1980 in Betrieb genommen und entspricht nicht mehr den heute geltenden Standards", sagt Siegfried Mantel. Der Elektromeister im Ruhestand übt im Vorstand des Vereins die Funktion des Netzmeisters aus und ist damit quasi für die Stromversorgung der 300 Grundstücke in der Siedlung verantwortlich. Die Kosten für die Erneuerung der Anlage, die sich auf rund 55.000 Euro belaufen, tragen die Siedler selbst. "Das Geld nehmen wir aus den Rücklagen. Hinzu kommt eine einmalige, von den Siedlern 2019 zu zahlende Sonderumlage", sagt der Vereinschef. "Mit der neuen Anlage können wir die Stromverluste, die der alte Trafo verursacht, reduzieren. Das wirkt sich letztendlich positiv auf die Stromkosten aus", sagt Mantel.

Mit dem neuen Trafo wird, auch im Hinblick auf die steigende Elektromobilität, zugleich eine zukunftsorientierte Stromversorgung gewährleistet. Auch hat in den zurückliegenden Jahren der Stromverbrauch stetig zugenommen. "2018 betrug die Abnahme insgesamt 355.000 Kilowattstunden, drei Jahre zuvor waren es noch 300.000 Kilowattstunden", sagt John. Als Grund dafür nannte er eine intensivere Nutzung der Wochengrundstücke. John lobt bei der Erneuerung der Technik die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken, die bis zur Trafostation den Strom liefern. Für ihn ein gutes Argument für den Strombezug von dem lokalen Anbieter.

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