Warum eine junge Frau aus Mülsen in Kenia lebt

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Mit ihren Abschlüssen würde sie überall auf der Welt einen gut bezahlten Job finden. Meike Wagner verzichtet darauf und engagiert sich stattdessen bei zwei Hilfsprojekten.

Naivasha/Siaya.

Andere machen in Kenia Urlaub. Meike Wagner arbeitet dort an zwei Hilfsprojekten mit. Die Schule, an der sie als Landeskoordinatorin tätig ist, liegt etwas außerhalb von Naivasha, es kommen manchmal sogar Zebras und Giraffen vorbei. Die sieben Kilometer von ihrer Wohnung zur Schule fährt sie mit dem Rad. "Die Leute gucken mich immer erstaunt an", erzählt die junge Frau. "Sie sind es nicht gewöhnt, dass Weiße mit dem Fahrrad unterwegs sind. Die kommen nämlich meist als Touristen und fahren mit Jeeps durch die Gegend."

Meike Wagners Aufenthalt ist alles andere als touristisch. Ihr Werdegang hat sie bis nach Afrika geführt. In Zwickau geboren, in Eckersbach aufgewachsen, besuchte sie die Komarowschule und das Peter-Breuer-Gymnasium. Später bezog die Familie ein Eigenheim im Mülsener Ortsteil St. Micheln. Nach dem Abi ging es zum Au-pair-Einsatz nach Kalifornien, sie absolvierte ein Bauingenieur-Studium in Berlin, machte ein Praktikum in Australien, arbeitete eine Zeitlang in einem Kinderheim in El Salvador, tourte mit einer Freundin durch Südamerika. In Schweden absolvierte sie den internationalen Master-Studiengang "Peace and Development Work" und unterrichtete zwischendurch in Berlin Deutsch als Fremdsprache.

In ihrem Job als Bauingenieurin fand sie jedoch keine Erfüllung. "Ich wusste, es steckt mehr in mir", erklärt die 33-Jährige. "Ich wollte etwas mehr in die soziale, nachhaltigere Richtung machen." Sie hielt Ausschau nach Lehmbauprojekten. Fündig wurde sie in Kenia. Beim Verein "Häuser für Waisenkinder". Sie stieß dazu und war gleich Feuer und Flamme. "Als ich da hin kam, war die Schule schon fertig und das Waisenhaus in den letzten Zügen", berichtet Meike Wagner. "Gleichzeitig mit mir kamen die ersten Kinder. Also mussten wir die Schule organisieren." Im Projektort Siaya und dem Umland leben 58 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Der Hilfsverein kümmert sich um ausreichende und gesunde Ernährung, medizinische und psychologische Betreuung der Kinder in der Schule, unterhält ein Notfall-Aufnahmezentrum für Mädchen und Jungen, die zu Hause Not leiden, und betreibt eine Muster-Farm mit Bio-Gemüse für die Schulküche. "Es war interessant zu sehen, wie wir aus Deutschland ins Land kommen und versuchen uns einzubringen. Andererseits will ja niemand gesagt bekommen: ,Das, was ihr macht, ist schlecht.' Dieses Spannungsfeld stellte eine Herausforderung dar." Die Mülsnerin hat sich einfach auf die Kenianer eingelassen und versucht, deren Kultur zu verstehen. "Wir haben gelernt, auf unsere Partner zu hören und ihre Ideen mit einzubeziehen. Wir nehmen uns aktiv ein bisschen mehr zurück."

Inzwischen ist die 33-Jährige in einem zweiten Projekt in Kenia engagiert, das den Großteil ihrer Zeit beansprucht. In Naivasha. Gönner ist ein Keniate, der vor vielen Jahren in die USA ausgewandert ist. Er hat ein Grundstück geerbt und dort eine Sekundarschule errichten lassen. Die hat am 2. Mai mit 20 jungen Leuten aufgemacht. Meike Wagner ist offiziell Landeskoordinatorin, kümmert sich um das Management und arbeitet auch als Lehrerin. "Ich fühle mich hier sehr wohl. Der Job ist sehr ausfüllend." Sie geht in der Arbeit mit den Kindern auf. "Das ist für mich mehr wert als Geld oder Bequemlichkeit. Ich habe lieber einen langen anstrengenden Tag, an dem ich abends groggy ins Bett falle, dafür habe ich einen Sinn im Leben."

Seit August 2021 war Meike Wagner nicht zu Hause. Deshalb hat sie ihr Vater jetzt mal in Kenia besucht, um einen Eindruck zu bekommen, wie es der Tochter geht. "Sie ist zufrieden, obwohl sie auf einiges verzichten muss", hat Andreas Wagner festgestellt. Sie brauche nicht viel, die Lebensmittel an den Ständen am Straßenstand seien sehr billig. Ein Mittagessen bekommt man für umgerechnet 50 Cent. Andreas Wagner hat eine Menge Eindrücke gesammelt. "Ich habe viele Leute kennengelernt. Die Herzlichkeit hat mich beeindruckt", sagt der 65-Jährige.

MithelfenInformationen über die Arbeit des gemeinnützigen Vereins "Häuser für Waisenkinder" in Kenia und die Übernahme von Patenschaften für bedürftige Kinder sind auf der Internetseite abrufbar:

hfw-kenia.org

 

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