Warum Lämmer diesmal im Stall geboren werden

Eigentlich sollten die 40 trächtigen Schafe der Fermila Waldenburg zur Lammzeit auf einer Weide in Franken stehen. Doch bei der Trockenheit wuchs dort kein Futter. Jetzt fressen sie schon von der Winterration.

Waldenburg.

Lämmer Ende August und Anfang September - das ist ungewöhnlich. Eigentlich kommen die Tiere in der Weihnachtszeit zur Welt, damit sie Ostern schlachtreif sind. "Das ist auch bei uns so", sagt André Sett, Geschäftsführer der Fermila GmbH & Co. KG Waldenburg. "Aber seit ein paar Jahren haben wir zweimal im Jahr Lammzeit." Der Landwirt berichtet, dass das ein Gebot der Wirtschaftlichkeit ist. Die Schafe werden im Herbst einer Untersuchung unterzogen. Jene, die nicht trächtig sind, werden im Frühjahr zugelassen, sodass sie ihre Lämmer Ende August/Anfang September auf die Welt bringen. Das sind in diesem Jahr 40 Tiere. Sett rechnet mit insgesamt etwa 50 Lämmern.

Eigentlich sollten diese auf einer saftig grünen Weide im Waldenburger Ortsteil Franken das Licht der Welt erblicken. "Doch durch die extreme, seit Monaten andauernde Trockenheit ist nichts gewachsen. Da finden nicht mal die sogenannten Pfennigsucher genügend Futter", sagt der Geschäftsführer. "Deshalb haben wir uns entschlossen, die Tiere in unserem Schafstall in der Thomas-Müntzer-Siedlung unterzubringen." Dort stehen sie auf Stroh und fressen schon vom für den Winter bevorratetem Futter. Bis zur Weihnachtszeit haben die Lämmer das Schlachtgewicht von etwa 35 Kilogramm erreicht und werden über Viehhändler vermarktet. "Die Essgewohnheiten haben sich geändert. Nicht jeder will eine Weihnachtsgans, immer mehr Menschen entscheiden sich für fettärmere Braten wie Lamm", weiß André Sett.

Das Landwirtschaftsunternehmen hat bei seiner Gründung 1991 die Schafherde der früheren landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft gekauft, die seit Jahrzehnten von Schäfer Steffen Skiba betreut wird.

Zurzeit bildet die Fermila eine junge Frau zur Schäferin aus, um die Betreuung der Herde langfristig zu sichern. Zu dieser gehören 750 Schafe, die auf Flächen weiden, die schlecht mit Technik zu bewirtschaften sind. Aber auch in der Landschaftspflege und auf den Muldendämmen in der Waldenburger Region sind sie im Einsatz.

André Sett berichtet, dass die Futtersituation durch die lang anhaltende Trockenheit in der Region dramatisch ist. "Wir könnten Winterfutter zu guten Preisen verkaufen", sagt er. "Doch auch bei uns gibt es Ernteausfälle. Allerdings sind wir in der guten Situation, dass wir zwar nichts abgeben können, aber zumindest so viel haben, dass es reicht, um unsere eigenen Tiere über den Winter zu bringen. Der Regen in dieser Woche hat den Zwischenfrüchten gut getan, genau wie dem Raps, dessen Aussaat wir gerade beendet haben."

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