Warum sie die Halle im Dorf lassen wollen

Für den Erhalt des fast 100 Jahre alten Gebäudes in Steinpleis hat sich am Mittwochabend ein Förderverein gegründet.

Steinpleis.

80.000 Euro minimum wird es kosten, die Steinpleiser Turnhalle soweit baulich zu sichern, dass sie weiterhin genutzt werden kann. Das sagte der Werdauer Oberbürgermeister Sören Kristensen (Unabhängige Liste) vor rund 80 Steinpleiser bei einer Veranstaltung am Mittwochabend in der Halle an der Wiesenstraße im Werdauer Ortsteil. Rund 50 Einwohner trugen sich im Laufe des Abends dann in eine Liste zur Gründung eines Fördervereins für den Erhalt der Turnhalle ein. "Ohne Ihre Unterstützung wird es auch nicht gehen", sagte Kristensen. Der Förderverein könne zum Beispiel bei Renovierungen im Gebäude helfen oder bei der Gewinnung von Sponsoren.

Im Mai lag dem Rathaus ein Schreiben eines Elektrobetriebes auf dem Tisch, dass die Turnhalle sofort zu sperren ist, weil die Nutzer gefährdet seien. "Bei einem Termin vor Ort, bei dem auch der Ortsvorsteher dabei war, haben wir eine grobe Bestandsaufnahme der Mängel gemacht", sagte Kristensen. Die an der Elektrik wurden zum großen Teil beseitigt, aber zur Sicherheit den Mädchen und Jungen aus dem Steinpleiser "Zwergenland" und der "Kinderstube" Leubnitz eine Nutzung der Halle untersagt. Neben der Elektroanlage müssten Notreparaturen am Dach und am Parkett stattfinden. "Mein Bestreben ist es, die Halle jetzt wenigstens noch für die Erwachsenen offen lassen zu können." Nach knapp sechs Wochen im Amt wisse er aber derzeit noch nicht, woher die rund 80.000 Euro für die Notreparaturen kommen sollen. Der nächste Schritt sei eine Studie, die die Perspektiven für das fast 100 Jahre alte Gebäude aufzeigen sollen. Das könne eine Sanierung des Hauptgebäudes mit Abriss des Wohnbereiches sein. Auch etwas ganz Neues am alten Standort sei denkbar oder eine ganz andere Variante. Bis 2023 müsse man aber durchhalten, so Kristensen. Denn erst dann werde das neue Leader-Förderprogramm, das man für eine grundhafte Sanierung anzapfen muss, wieder neu aufgelegt.

In der Diskussion wurde erneut deutlich: Die Steinpleiser wollen ihre traditionsreiche Halle auf jeden Fall erhalten. "Das ist der Wille vieler. Das bekomme ich in Gesprächen immer wieder zu hören", sagte zum Beispiel Ortswehrleiter Marcel Dietel. "Viele sind der Meinung, dass Steinpleis sowieso das fünfte Rad am Wagen ist, wo alles geschlossen wurde, was einst gut funktionierte." Diese Diskussion könne er verstehen, sagte Kristensen. In seiner Zeit als Ortsvorsteher von Langenhessen habe er für sein Dorf auch oft so gedacht. "Doch wir hatten Glück, dass nach dem Abriss unserer Sporthalle das Koberbachcentrum gebaut wurde." Jeder Ort brauche seine Begegnungsstätte, betonte Ortsvorsteher Bernd Dietel (Freie Wähler).


Kommentar: Ein Stück Heimat

Oberbürgermeister Sören Kristensen hat Klartext gesprochen. Endlich wissen die Steinpleiser, was auf sie zukommt, wenn sie ihre Turnhalle erhalten wollen. Im ersten Schritt sind 80.000 Euro aufzubringen. Wie es weitergeht? Ausgang trotz konkreter Ansagen des OB offen. Für viele Steinpleiser gehört die Halle zum Dorf. In der Vergangenheit wurde dem eingemeindeten Ort einiges an Identität genommen, zum Beispiel die Schule. Um ein Stück Heimat auf dem Dorf zu erhalten, lohnt sich der Einsatz für das Traditionsgebäude. Das haben die Steinpleiser erkannt und sind bereit dazu.

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