Was Zwickauer Skulpturen verraten

"Von Müntzer bis Schumann: Bronzeguss in Zwickau" nennt sich eine Stadtführung, die jetzt zum ersten Mal angeboten wurde. Ute Haese weiß vieles zu erzählen.

Zwickau.

Unbeeindruckt von Tief "Eberhard" hatte sich am Sonntagnachmittag ein Grüppchen Geschichtsinteressierter vor der Zwickauer Katharinenkirche getroffen. Für Sturm hatte vor rund 500 Jahren auch ein Namensgeber der neuen Tour "Von Müntzer bis Schumann - Bronzeguss in Zwickau" gesorgt. Am Denkmal des radikalen Kirchenreformers Thomas Müntzer stimmt Gästeführerin Ute Haese, die als Ottilie von Gersen, Müntzers Ehefrau, erschien, auf die Führung ein.

Eine Postkarte der Tourist-Information hatte die Gästeführerin zu ihrer neuen Tour inspiriert: "An vielen Stellen in Zwickau kommt man an Skulpturen, Denkmälern und Medaillons vorbei. Ich kenne 34 solcher Objekte, die der Erinnerung oder Verschönerung dienen. Sicher sind es noch mehr. Alle haben eine Geschichte und könnten Geschichten erzählen", sagte Haese. 15 davon haben die Teilnehmer auf der rund eineinhalbstündigen Premieren-Tour kennengelernt - Zahlen und Fakten zu Entstehungsgeschichte, Künstlern, Werkstoffen und Herstellung inklusive. Zum Beispiel: Die 1482 gegossene, 2,8 Tonnen schwere Osanna-Glocke in der Katharinenkirche hatte bereits Thomas Müntzer läuten hören. Oder: Die unter Platanen angeordnete Brunnengruppe der Bierbrauer, Tuchmacher und Marktweiber wurde in der 1725 gegründeten und bis heute bestehenden Gießerei in Lauchhammer hergestellt. "Schumanns Träumerei" wurde gleich mehrfach gestört: Das vom Leipziger Bildhauer Johannes Hartmann geschaffene und 1901 enthüllte Denkmal hat drei Umzüge hinter sich.

Erinnert wird während der Führung an die Jahrtausende alte Tradition des Bronzegusses, an aufwendiges Kunsthandwerk, an Schönheit und Anmutung der Oberflächen. Nebenbei erfahren die Besucher Wissenswertes zur Fertigung guss-eiserner Kanonenkugeln, von Ziergegenständen aus Zinn und zur Stahl-Nietkonstruktion der Paradiesbrücke - einem Kleinod deutscher Brückenbaukunst.

Zwischen Bronze- und Regenguss gab Ute Haese am Sonntag zahlreiche Anekdoten zum Besten: Aufgrund von Rohstoff- und Kapazitätsproblemen verzögerte sich die Fertigstellung der Skulpturen oft um Jahre. Nicht immer gelang es der Gießerei, ausgezeichnete Qualität "aus einem Guss" zu fertigen: Jo Harbort soll seinen lebensgroßen, auf einer Holzbank im Muldeparadies sitzenden Bergmann für etwas zu schwach um die Brust befunden haben ...

Der unterhaltsame Wissens-cocktail kam an: "Sie ist mit Freude und Leidenschaft dabei", sagte Barbara Recknagel aus Zwickau. "Ich lasse keine neue Führung mit Ute Haese aus", ergänzte die Vielauerin Regine Alm. Bei Führungen bringt es die 62-jährige Ingenieurin in Summe auf 70 bis 80 pro Jahr. "Da braucht es keinen Schrittzähler", mutmaßte ein Teilnehmer. Prompt lüftete die Gästeführerin die Korsage: "Ach, da muss ich gar nich' gucken - 1500 Schritte hat die neue Tour. Hab' ich doch getestet."

Die nächste Führung "Von Müntzer bis Schumann - Bronzeguss in Zwickau" findet am Ostersonntag, 21. April, statt. Treffpunkt ist 14 Uhr am Müntzer-Denkmal neben der Katharinenkirche in Zwickau.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...