Wassertank-Problem: Stadt sucht Lösung

Die Verantwortlichen im Rathaus stehen vor einer kniffligen Aufgabe: Was machen sie mit einer 16.000 Euro teuren Zisterne, die vor einem Jahr bestellt wurde?

Crimmitschau.

Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Crimmitschau haben eine Löschwasserzisterne bestellt, für die es momentan offenbar keine Verwendung gibt. Aktuell ist offen, was mit dem 100-Kubikmeter-Stahltank passiert. "Der Auftrag wurde auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Das geschah im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Lieferanten", teilte Wirtschaftsförderin Andrea Beres mit. Ihre Antworten und Reaktionen zeigen allerdings: Die Verantwortlichen im Rathaus sprechen nur ungern über das Thema.

Ein Blick zurück: Zur Sitzung des Stadtrates vor knapp einem Jahr - am 27. September 2018 - hat Oberbürgermeister André Raphael (CDU) über die Auftragsvergaben informiert. Er teilte damals mit, dass ein gebrauchter Stahltank für eine Löschwasserzisterne an der Zeitzer Straße beschafft werden soll. Kosten: 16.160,20 Euro. Vertragspartner ist ein Tank- und Apparatebauunternehmen aus Forst (Brandenburg). Nur wenige Tage später informierte die Stadt, dass als Standort eine Fläche in der Nähe der Kleingartenanlage geplant sei und die Arbeiten wahrscheinlich Ende Oktober beginnen können. Die Notwendigkeit wird mit dem fehlenden Löschwasser im Bereich des Kühgrundes, wo sich auch ein kleiner Gewerbepark befindet, begründet. Bisher ist aber nichts passiert.


Ende Mai hat "Freie Presse" verschiedene Fragen zu Investitionen zur Verbesserung der Löschwasserversorgung an die Stadtverwaltung in Crimmitschau geschickt. In den ersten Antworten wird auf das Vorhaben im Kühgrund gar nicht eingegangen. Erst am 16. Juli verschickt Andrea Beres eine Antwort, die mit Gemeindewehrleiter Werner Spalerski abgestimmt ist. Darin heißt es, dass die Maßnahme momentan zurückgestellt sei. "Zum einen ist der zuständige Mitarbeiter des Fachbereiches Bau noch im Urlaub und zum anderen wurde im Kühgrund ein Bebauungsplanverfahren angeregt. Hierbei ist natürlich auch die Löschwasserversorgung im Rahmen der erforderlichen Erschließung zu betrachten", teilt die Wirtschaftsförderin mit. Sie macht deutlich, dass keine Eile bei der Umsetzung geboten wäre. Die Feuerwehr könne mit ihrer Technik auch eine Löschwasserversorgung über eine lange Wegstrecke aufbauen. Zudem informiert Andrea Beres, dass auch eine Nutzung des Tanks an einem "alternativen Ersatzstandort" im Ortsteil Blankenhain geprüft wird.

Weitere Informationen zum Thema verschickt die Stadt am 7. August. Andrea Beres teilt mit, dass sich nach der Vergabe "im Herbst des vergangenen Jahres neue Erkenntnisse ergeben haben, die dazu führten, den Kauf vorerst zurückzustellen." Dazu gehöre das Bebauungsplanverfahren. Beres: "Es werden gegenwärtig für den Einbau des Tanks diverse Varianten geprüft. Nach Vorliegen dieser Ergebnisse wird eine Entscheidung getroffen, über die wir dann auch informieren werden." Auf die Nachfrage, was die Aussage, den Kauf "vorerst zurückzustellen" bedeutet, heißt es am 14. August - wie schon eingangs erwähnt: "Die Lieferung wurde auf unbestimmte Zeit ausgesetzt."

Daraus ergibt sich die nächste Frage: Muss die Stadt die Zisterne irgendwann einmal abnehmen? Die Mitarbeiter der Pressestelle wollen dazu nichts sagen, verweisen an Oberbürgermeister André Raphael. "Dazu haben wir alles mitgeteilt", antwortet er am Rande eines Termins, bei dem die Pläne für die Umwandlung des Crimmitschau-Centers in den Automotive- und Technologiepark vorgestellt worden sind. Der Rathauschef ergänzt, dass es in Crimmitschau momentan wichtigere Dinge als den Zisternen-Kauf geben würde. Als Beispiele führt er Schocken-Kaufhaus, Crimmitschau-Center und Tuchfabrik an, lässt mit Blick auf das (missglückte) Geschäft aber doch noch einen Satz fallen: "Sie wissen doch: Wo gehobelt wird, fallen Späne."


Kommentar: Transparenz war angekündigt

Wir wissen: Keiner, der anpackt und ranklotzt, kann perfekt sein: egal ob im Handwerk oder im Büro, beim Sport, in einer Redaktion oder in einem Rathaus. Unklug ist allerdings, ein Problem aussitzen zu wollen. Im September 2018 wurde über den Kauf der Zisterne informiert. Die Chance, mit einer kurzen Mitteilung im Technischen Ausschuss oder im Stadtrat über die "neuen Erkenntnisse und die Verschiebung des Kaufs" zu berichten, hat Oberbürgermeister André Raphael selbst verpasst. Auch bei Fragen der "Freien Presse" zu dem Thema winden sich seine Mitarbeiter um klare Antworten. Dabei hat André Raphael im Frühjahr 2017 im Oberbürgermeister-Wahlkampf noch mit den Schlagwörtern "Transparenz und Offenheit" für sich geworben. Hat der Rathauschef den eigenen Grundsatz schon wieder über den Haufen geworfen? Das wäre wohl der größte Fehler, der aus der Zisternen-Posse hängen bleiben würde.

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