Weil Triebwagen fehlen: S-Bahn schränkt das Angebot ein

Auf der S5 kommen Westsachsen nicht mehr ohne Umsteigen nach Leipzig oder Halle. Bahn und der Verkehrsverbund streiten darüber, wer dafür die Verantwortung trägt.

Zwickau.

Fahrgäste der S-Bahn Mitteldeutschland müssen sich ab Montag auf schlechtere Verbindungen einstellen. Weil die eingesetzten Triebwagen vom Typ Talent 2 immer häufiger ausfallen, hat das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn den Fahrplan auf acht der zehn S-Bahn-Linien zusammengestrichen. Das teilte der für den S-Bahn-Verkehr federführende Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) mit.

In der Region Zwickau und Werdau halten sich die Einschränkungen allerdings in Grenzen. Auf der Linie S5, die bisher durchgängig die Strecke zwischen Halle (Saale) und Zwickau bedient, müssen Reisende künftig in Altenburg umsteigen, ohne dass sich dadurch die Gesamtfahrzeit verlängern soll.

Zwischen Altenburg und Zwickau soll ein Zug pendeln. Nicht von den Veränderungen betroffen ist die Linie S5x. Diese verkehrt weiter wie bisher im Stundentakt, hält jedoch nur in größeren Orten. Vorerst soll der Ersatzfahrplan bis Ende Oktober gelten.

Der Geschäftsführer des ZVNL, Oliver Mietzsch, sieht hausgemachte Probleme beim Betreiber als Ursache. So habe die Bahn die Beschaffung von Ersatzteilen sowie die Instandhaltung nicht im Griff. Die Bahn wiederum gibt Lieferprobleme bei Zulieferern für die Instandhaltung von Drehgestellen und Fahrmotoren als Grund an. Mietzsch will jedoch auch organisatorische Mängel im Flottenmanagement, speziell bei der Zuführung der Triebwagen in die Werkstätten, erkannt haben. Außerdem habe das Unternehmen Vereinbarungen zur Mängelbeseitigung nicht eingehalten. "Wir werden auf jeden Fall auf die Vertragserfüllung bestehen", sagte er.

Wie der Pressesprecher der Bahn, Jörg Bönisch, sagte, sind derzeit 14 der insgesamt 80 Triebwagen nicht fahrbereit. Andere Quellen sprechen sogar von bis zu 30 Fahrzeugen. Was das Ganze kompliziert macht: Die 2013 in Dienst gestellten Triebwagen müssen nach sechs Jahren zur Hauptuntersuchung. Dazu steht das Fahrzeug bis zu einer Woche in der Werkstatt, wie Bönisch weiter sagte. Für den Engpass hat man beim ZVNL kein Verständnis. "Es wiegt umso schwerer, weil es sich um seit Jahren geplante Instandhaltungsmaßnahmen handelt", sagte der Verbandschef.

Bei der Bahn weist man die Vorwürfe zurück. "Der Bestand an Fahrzeugen entspricht den Vorgaben aus dem Verkehrsvertrag", erklärte Bönisch. Neue Fahrzeuge anzuschaffen, sei nicht möglich. "Diese Triebwagen werden nicht mehr produziert." Zudem habe die Bahn vorgeschlagen, als Ersatz Doppelstockzüge einzusetzen. Das jedoch lehne der ZVNL ab. Gegenüber Schaffnern beschweren sich Reisende bereits jetzt zunehmend über zu kurze und damit überfüllte Züge.

Große Koffer und Fahrräder in den Zügen würden die Situation verschärfen. Fahrkarten würden dann nicht mehr kontrolliert, weil sich die Schaffner keinen Weg mehr durch den Zug bahnen können.

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