Wendestück hat in Zwickau Premiere

Drei Schauspieler, ergänzt von Gastmusiker Dominik Tremmel, wecken bei vielen garantiert Erinnerungen an eine aufregende Zeit. In Plauen kam das Stück bereits super an.

Zwickau.

Als die Mauer vor 30 Jahren fiel, war Roland May, der seit zehn Jahren Generalintendant des Theaters Plauen-Zwickau ist, 34 Jahre alt und am Theater Dresden engagiert. Am Tag der Republik (DDR) am 7. Oktober 1989 erlebte er in Karl-Marx-Stadt eine große Demonstration.

Zwei der drei jungen Schauspieler, die in seinem Wendestück "Die bessren Zeiten sagen guten Tag" spielen, waren damals noch gar nicht geboren. Gerrit Maybaum, der den männlichen Protagonisten verkörpert, wurde 1997 in Aachen geboren und ist in Nordrhein-Westfallen aufgewachsen. Johanna Franke erblickte 1990 in Leipzig das Licht der Welt und Sabrina Pankrath 1987 in Berlin. Umso spannender gestaltete sich für May die Arbeit, die sich auch durch sehr viel Improvisation während der sechs Wochen Probezeit auszeichnete. Dabei zeichnete Roland May sowohl für das Skript als auch für Regie, Bühne und Kostüme verantwortlich.

Für den Titel der Eigenerfindung verwendete der 1955 in Potsdam geborene und aufgewachsene May die abgewandelten Zeilen von Wolf Biermanns "Warte nicht auf bessre Zeiten". Als Song 1972 veröffentlicht, gab der Titel auch den Namen für Biermanns am 8. Oktober 2016 erschienene Biografie.

Als Ursprungsidee stand laut Roland May eigentlich ein musikalisch-literarischer Abend. Entwickelt hat sich eine sehr unterhaltsame und kurzweilige szenische Collage, in deren Zentrum drei befreundete Jugendliche stehen, die während 70 Spielminuten die Wendezeit zwischen 1989 bis 1990 in einem turbulenten Zeitraffer erleben: in einem DDR-Wohnzimmer, das bei den Älteren sicherlich Erinnerungen weckt, als auch bei tagaktuellen Wende-Nachrichten, die aus dem kleinen Fernseher auf der Bühne kommen. Auch die Songauswahl dürfte viele Zuschauer in die damalige Zeit zurückversetzen. Da kommt auch Biermanns Song vor, genauso wie Udo Lindenbergs "Sonderzug nach Pankow", "Als ich fortging" von Karussell und das wunderschöne Lied "Sind so kleine Hände" von Bettina Wegner. Die Auswahl der Songs stellte der Autor und Regisseur gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Dominik Tremmel zusammen. Die Zusammenarbeit mit ihm beschreibt May als "sehr beglückend". Der Gastmusiker sei nicht nur der musikalische Leiter und der Mann am Klavier, sondern der Vierte im bestens aufgelegten Schauspiel-Bund.

Die Premiere in Plauen am 3. Oktober wurde bereits mit großer Begeisterung, viel Lob und Applaus bedacht. Das entstandene Gesamtkunstwerk besticht auch durch die kluge Wahl der literarischen Zitate, darunter von Heiner Müller. "Es ist unglaublich, wie prophetisch sich seine Worte im Nachhinein erwiesen haben", sagt der Autor, der auch den letzten Aufruf "Für unser Land" von Christa Wolf und weiteren Persönlichkeiten zitieren lässt, in dem sie versuchten, dem "Ausverkauf der moralischen und materiellen Werte" entgegenzutreten.

Die drei Neuzugänge im Schauspielensemble, für die es ihre erste Arbeit am Theater Plauen-Zwickau ist, begeisterten das Plauener Publikum in "Die bessren Zeiten sagen guten Tag" nicht nur mit ihrer großen Spiellust, sondern auch mit ihren tollen Gesangsstimmen.

Für die Zwickauer Premiere am Samstag, 19.30 Uhr im Malsaal, Katharinenstraße 7, gibt es noch Restkarten. Weitere Vorstellungen sind am 17. November, 16 Uhr, und am 24. November, 18 Uhr, geplant.

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