Wenn die Lehrerin von zu Hause aus unterrichtet

Am Werdauer Gymnasium werden die Schüler per Internet unterrichtet - für Lehrerin Mandy Zenner, aber auch ihre Schüler eine ganz neue Erfahrung.

Werdau.

Seit dem 18. März hat Mandy Zenner einen deutlich kürzeren Arbeitsweg. Die Lehrerin muss nicht mehr zum "Alexander von Humboldt"-Gymnasium in Werdau fahren, sie kann sich ihre virtuelle Schulklasse direkt ins heimische Arbeitszimmer holen. Denn: Wie ihre Kollegen an fast allen Schulen im Landkreis unterrichtet die 49-Jährige von zu Hause aus. "Das ist eine völlig neue, aber auch sehr spannende Herausforderung", beschreibt sie diese Premiere in ihrer 20-jährigen Lehrertätigkeit. Mandy Zenner unterrichtet die Klassenstufen 9, 10 und 12 in Englisch sowie die sechste Klasse als Klassenlehrerin zusätzlich in Deutsch. Das ist auch im digitalen Unterricht nicht anders.

Die Schule ist wegen der Corona-Krise zwar zu, doch von Ferien kann keine Rede sein. Die Aufgaben stehen nur nicht an der Tafel, sondern auf der Homepage des Gymnasiums. Sortiert nach Klassenstufen und Fächern, müssen sich die Schüler den Lehrstoff selbst erarbeiten und dann eine Art Hausarbeit darüber per E-Mail an die Lehrer senden.

"Ich habe das Internet noch nie so intensiv genutzt", sagt Mandy Zenner. Die Lehrerin kann jetzt zwar in ihrem Crimmitschauer Zuhause arbeiten, eine kürzere Arbeitszeit hat sie deswegen aber nicht. "Die Schüler senden mir auch sehr viele und sehr individuelle Fragen", sagt Zenner. Trotz des Mehraufwandes freut sie sich über das Interesse. Ihr Ziel ist es, die Fragen so schnell wie möglich zu beantworten. Von den Schülern kommen aber auch eigene Vorschläge, wie man das eilig aus dem Hut gezauberte Lernsystem verbessern kann. Auffallend ist, dass die meisten Anfragen erst ab 14 Uhr eingehen. "Offenbar planen die Schüler den Vormittag anders", sagt die Lehrerin. Die Frage, ob alle Schüler ihre Hausaufgaben pünktlich erledigen, beantwortet Mandy Zenner diplomatisch: "Wer schon in der Schule gut mitarbeitet, der ist auch jetzt gut dabei". Dabei sei jedoch Selbstdisziplin gefragt. "Die meisten Schüler haben dabei auch die Unterstützungder Eltern", sagt Zenner. E-Mails würden schon mal mit dem Satz "Viele Grüße von meinen Eltern", enden.

Auch das ist für Mandy Zenner neu: Papier und Rotstift spielen keine Rolle mehr. "Ich korrigiere die Arbeiten der Schüler direkt am Computer", sagt sie. "Das normale Unterrichtspensum ist damit nicht zu halten", weiß die Lehrerin. Aber: "Wer die Lernaufgaben abarbeitet, fällt im Leistungsniveau nicht ab", versichert sie. Auch das Abitur wird über das Internet vorbereitet. "Die Abiturienten haben die Vorprüfungen absolviert und sich in einer Art Gruppenchat vorbereitet", sagt Zenner.

Inzwischen habe sie mit der digitalen Lernwelt eine gewisse Routine erreicht. Dennoch sei sie froh, wenn irgendwann wieder der normale Schulbetrieb beginnt. Darin weiß sie sich mit einem Großteil der Schüler einig. Mandy Zenner hat so die stille Hoffnung, dass sie dann den folgenden Ausspruch doch noch zu hören bekommt: "Der Pauker da vorn, ist gar nicht mal so schlecht."


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