Wenn Männer Zukunftspläne schmieden

90 Jahre Kober: Ein Interessenverband macht sich für das Naherholungsgebiet stark, hat einige Ideen und stößt dabei an seine Grenzen.

Langenhessen.

Für Andreas Osse ist die Koberbachtalsperre der schönste Ort im Landkreis. Doch es wurmt den 55-Jährigen, dass rund um das Gewässer nicht alles rundläuft, wie es der Crimmitschauer bezeichnet. "Jeder hat hier viele Jahre sein eigenes Ding gemacht, ohne über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Das hat sich inzwischen teilweise geändert", sagt er.

Seit 2008 gibt es an der Talsperre einen Interessenverband, den Andreas Osse mit ins Leben gerufen hat und dessen Vorsitz er nach der Gründung auch übernahm. Als Betreiber des Autokinos und Pächter des Bootsverleihs kannte er die Probleme aus dem Alltag. "Die Gründung des Verbandes war der erste Versuch, alle an der Talsperre ansässigen Gewerbetreibenden sowie die Anrainerkommunen gemeinsam an einen Tisch zu bekommen und das weitere Vorgehen zu beraten", blickt Osse zurück. Was folgte, war noch im gleichen Jahr die Organisation eines Sommerfestes an der Talsperre. Das wurde zu einem vollen Erfolg, ebenso ein Jahr darauf die Feierlichkeiten zum 80-jährigen Bestehen.


All das liegt zehn Jahre zurück, ohne das der Interessenverband und seine Mitglieder ihr Hauptziel erreicht haben. "Wir sind zumindest einen großen Schritt nach vorn gekommen. Unser Ziel ist noch immer die Schaffung einer Art Zweckverband, wie es ihn schon einmal bis zur Wende gab und heute anderswo erfolgreich existiert. An der Talsperre Pöhl ist das zum Beispiel das Fall. Das können wir als Verein jedoch alleine nicht stemmen. Dazu sind wir auf die Unterstützung der Politik und dabei besonders auf die Hilfe des Landkreises angewiesen. Dessen Bekenntnis vermissen wir noch immer", macht Osse deutlich.

Ob sich das Ganze Zweckverband nennt oder einen anderen Namen hat, ist Osse egal. Er gibt sich weiter kämpferisch. "Uns sind bei vielen Dingen die Hände gebunden. Wir als Verein sind nicht Eigentümer der Grundstücke und können deshalb auch keine Fördergelder zur Umsetzung von Projekten beantragen. Wenn das schon möglich wäre, müssten wir dafür auch einen finanziellen Eigenanteil aufbringen, den wir nicht haben", sagt Osse. Und weiter sagt er: "Wir haben schon eine Menge erreicht, was den Bekanntheitsgrad und die Attraktivität der Talsperre betrifft. Das Gebiet ist wunderschön. Man muss nur herkommen und sich davon selbst überzeugen. Wer einmal hier war, der kommt auch wieder."

2017 hat Osse sein Amt als Vorsitzender niedergelegt. "Ich habe gemerkt, dass ich es nicht mehr schaffe und damit aus beruflichen Gründen überfordert bin", gesteht sich der 55-Jährige ein. Er fühlt sich in zweiten Reihe aber gut aufgehoben. In Ronny Enke hat Osse einen, wie er sagt, würdigen Nachfolger gefunden. Beide Männer ziehen an einen Strang und haben den Kopf voller Zukunftspläne. Dazu gehört beispielsweise ein Fahrradverleih zwischen Strandbad und Bootsverleih.

Mit seinem neuen Ehrenamt ist Ronny Enke zu frieden. Der 44-Jährige hat mit dem Koberbachtal-Triathlon eine Veranstaltung ins Leben, die die Talsperre weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Inzwischen ist auch die Zahl der jungen Mitstreiter im Interessenverband gestiegen. "Mit den neuen Eigentümern des ehemaligen ,Seehauses', die das Gartenrestaurant betreiben, konnten wir junge, agile Leute mit frischen Ideen gewonnen", freut sich Enke. Für ihn hat die Talsperre und das gesamte touristische Umfeld, zu dem auch das Schloss Schweinsburg in Neukirchen und das Deutsche Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain gehören, eine Menge Potenzial. Ronny Enke und sein Team sind überzeugt, dass es eine Lösung geben wird. "Bis die gefunden wird, müssen wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten." Für ihn sind die Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen der Talsperre ein Schritt dazu. "Doch wir dürfen auch danach nicht aufgeben und müssen am Ball bleiben."

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