Windmühle ersetzt das Wappen

Kreisgeschichte(n): Woher Westsachsens Städte und Dörfer ihre Namen haben. Teil 17: Tettau

Tettau.

Was gerade in dem Schönber Ortsteil Tettau vor sich geht, ist mehr als der Abriss eines verfallenen Gasthofes. Es sind mehr als 500 Jahre Ortsgeschichte, die die Bagger abtragen. Das einst denkmalgeschützte Fachwerkhaus könnte Geschichten erzählen...

1493 wird das Gasthaus unter dem Namen "Erbkretschmar" erstmals erwähnt. Mindestens ab 1552 wurde dort auch Bier gebraut, sagt Hobbyhistoriker Roland Graichen, der seit seiner Geburt im Ort lebt und eine Broschüre unter dem Titel "Tettauer Geschichte(n)" zusammengetragen und herausgegeben hat. 1912 wurde der Braubetrieb eingestellt. Während die Betreiber der Gasthöfe in den Dörfern nach dem Zweiten Weltkrieg aufgaben, erlebte der Gasthof Tettau nach 1945 einen Aufschwung. Gastwirt Albert Hößelbart organisierte wieder Tanzabende. Sogar Heinz Quermann stand auf der Bühne. Damit war 1953 Schluss. Aus dem Saal wurde ein Landkaufhaus, das jedoch auch nicht lange überlebte. 1974 gaben die letzten Wirtsleute auf. Der Versuch, das Haus als Jugendklub zu etablieren, scheiterte. Ab 1979 stand das Gebäude leer. Die Geschichte Tettaus ist freilich deutlich älter als die seines Gasthofes.

Die erste Ansiedlung dürfte etwa 500 Jahre nach Christie erfolgt sein. Belegt ist der Ort ab dem Jahr 1181 als Thetowe, wie die Leiterin der Namensberatungsstelle an der Universität Leipzig, Dietlind Kremer, in Erfahrung brachte. Der Ortsname geht demnach auf das Adelsgeschlecht derer von Thetow zurück. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Schreibweise von Tetowe (1220) über Thetowi (1336) bis Tettaw (1534) bis zum heutigen Tettau. Ob und wann die Namensgeber tatsächlich dort lebten, ist aus den bekannten Quellen nicht feststellbar. Zum Zeitpunkt der ersten Erwähnung befand sich "Villa Thetowi" (Dorf des Tettau) im Besitz der Adelsfamilie von Stein. Heimatforscher gehen davon aus, dass die von Thetows vor den von Steins das Sagen hatten. Auf jeden Fall war die Familie reich begütert. Ihr gehörten Ländereien in Sachsen, Thüringen, der Niederlausitz, Oberfranken und Böhmisch-Mähren. Später taucht deren Name immer wieder beim Kauf und Verkauf von Land rund um Tettau auf, wie aus dem 1939 erschienenen Buch "Unsere Dorfheimat" hervorgeht. Auch Tettau wurde verkauft. Eine Urkunde belegt, dass Gerhard von Stein 1261 Tettauer Land an das Kloster Remse verkaufte. Das Geschäft wurde von Andreas von Thetow auf der Urkunde bezeugt.

Nachdem das Kloster während der Reformation aufgelöst wurde, verkaufte Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen das "Gut Remsa" (Remse) und "sein Zubehör, darunter die Dörfer Tettaw, Oberndorff und Wünschendorff" am 9. November 1543 für 20.098 Gulden an die Herren Schönburg-Glauchau und Waldenburg. Bis zum Jahr 1839 verwalteten Dorfrichter den Ort. Am 23. März 1839 wurde nach der neuen Gemeindeordnung erstmals ein Gemeindevorstand und ein Gemeindeältester gewählt.

Zum 1. Juli 1950 wurde Tettau mit Wünschendorf und Oberdorf zusammengelegt. 1974 erfolgte die Eingemeindung von Tettau und Pfaffroda nach Schönberg.

Ein Wappen hat Tettau nicht, dafür aber ein Wahrzeichen: eine Windmühle. Der Bauer Johann Heimer ließ sie 1839 errichten, nachdem eine Studie ihm versprach, dass am Standort an 270 Tagen im Jahr kräftiger Westwind weht. Die Steine für den Bau der Holländer-Turm-Windmühle stammen aus dem Tettauer Steinbruch. Bis 1975 wurde die Mühle mit einer Unterbrechung (1924-1930) genutzt. Zuletzt von der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Schönberg. Danach war sie dem Verfall preisgegeben.

Erst kurz vor der Wende taten sich Mitglieder des Bauernverbandes, der Feuerwehr sowie Bürger des Ortes zusammen, um das Wahrzeichen zu retten.

Mit seiner Gründung 1993 übernahm der Tettauer Dorf- und Heimatverein die Verantwortung für das denkmalgeschützte Gebäude. Seitdem halten die 368 Einwohner das Vereinsleben hoch. Das jährliche Dorf- und Heimatfest im August ist nicht der einzige Termin mit Außenwirkung: Knüt-Feste im Januar, Faschingsveranstaltungen mit dem Tettauer Männerballett sowie Auftritte der weiteren vier Tanzgruppen in benachbarten Orten machen die Tettauer unverwechselbar.

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