"Wir wollen der Wegwerfgesellschaft die Stirn bieten"

Kita-Leiterin Heike Schlegel zieht eine Bilanz zum Second-Hand-Markt und spricht über die Vorteile, die ein Blick auf getragene Kinderkleidung bringen kann

Langenhessen.

Gebrauchte Kinderkleidung und benutztes Spielzeug haben am Samstag im Koberbachcentrum im Werdauer Ortsteil Langenhessen die Besitzer gewechselt. Die Kindertagesstätte "Haus der kleinen Füße" hatte wieder einen Second-Hand-Markt organisiert. 50 Eltern bauten ihre Stände auf. Holger Frenzel sprach mit Leiterin Heike Schlegel (48) über das Angebot.

Freie Presse: Welche Motivation treibt Sie bei der Organisation des Second-Hand-Marktes an?

Heike Schlegel: Wir wissen, dass die soziale Kluft immer größer wird und können Eltern die Möglichkeit bieten, günstig Kleidung und Spielzeug zu erwerben. Zudem wird damit auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet. Wir wollen der Wegwerfgesellschaft die Stirn bieten.

Was war am Samstag besonders gefragt?

Vor allem Kinderbekleidung, die im Frühjahr getragen werden kann. Dazu kommen Gebrauchsgegenstände wie Kindersitze für das Auto und Hochstühle. Auch Spielzeug für den Außenbereich, Rutschautos und Puppenwagen gehen immer weg.

Haben Sie einen Ratschlag gegeben, wie viel Prozent vom Neupreis die Eltern aufrufen sollen?

Nein. Verkäufer und Käufer sollen beim Second-Hand-Markt ins Gespräch kommen. Bei anderen Kinderkleiderbörsen müssen die Artikel im Vorfeld abgegeben und Preise befestigt werden. Hier haben die Leute dagegen die Möglichkeit zu handeln, wenn sie beispielsweise größere Mengen abnehmen.

Kinderbekleidung und Spielzeug wird oft auch bei Internet-Auktionsbörsen angeboten. Welche Vorteile bringt der Besuch eines Second-Hand-Marktes?

Die Eltern können - vor allem die Kleidung - prüfen. Wie riechen die Sachen? Welche Gebrauchsspuren gibt es? Sind die T-Shirts oder Hosen ausgewaschen? Die Möglichkeit gibt es im Internet nicht. Einige Besucher, die zu unserer Veranstaltung kommen, steuern bewusst die gleichen Stände wie im vergangenen Jahr an, weil sie wissen, dass die Qualität stimmt.

Was würden Sie persönlich nicht auf einem Second-Hand-Markt kaufen?

Ich bin selbst dreifache Mutter und war oft bei ähnlichen Veranstaltungen. Auf den Kauf von Schuhen, die schon getragen worden sind, habe ich verzichtet. Sie sind oft eingelaufen, passen aus meiner Sicht nicht an andere Kinderfüße.

Mit welchem Aufwand ist die Organisation für die Kindertagesstätte verbunden?

Wir müssen uns im Vorfeld um die Halle kümmern, Flyer verteilen und die Werbetrommel rühren. Es sind einige Absprachen erforderlich. Am Samstag waren einige Mitarbeiter vor Ort. Das machen wir aber gern.

Sie verlangen eine Standgebühr von 10 Euro von den Eltern. Was passiert mit den Einnahmen?

Große Sprünge sind nicht möglich. Wir haben rund 500 Euro an Einnahmen. Davon muss die Hallenmiete bezahlt werden. Einen kleinen Überschuss wollen wir für den Kauf einer neuen Hangrutsche für unseren Krippenbereich nutzen.

Was würden Sie anderen Kindertagesstätten empfehlen, die ebenfalls über einen solchen Markt nachdenken?

Es lohnt sich, so eine Sache auszuprobieren. Wir haben 2017 in unserer Kindertagesstätte angefangen, sind im Frühjahr und im Herbst 2018 aufgrund des großen Interesses in das Koberbachcentrum gezogen. In unserer Region gibt es schon einige Kinderkleiderbörsen. In größeren Städten reichen die Standplätze oft nicht aus.

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