Wo Arbeit auf Zuneigung trifft

Knapp 3000 Besucher hat gestern die Firmenkontakt-Messe Zwik in die Stadthalle gelockt. Nicht immer ging es dabei um einen Arbeitsplatz.

Zwickau.

Heutzutage werden besondere Menschen gesucht. Und zwar von allen Seiten. Denn die Ansprüche haben sich geändert. Heutzutage ist es längst nicht mehr egal, bei wem man arbeitet. Ebenso wenig wie es egal ist, wen man einstellt.

Die Firmenkontaktmesse Zwik in der Zwickauer Stadthalle ist wie ein großer Markt, ein Heiratsmarkt fast, denn es geht darum, dass sich Menschen finden, die länger zusammenbleiben wollen: Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Oder Praktikant. Oder Werksstudent. Auf alle Fälle soll es eine festere Beziehung werden, und deswegen muss die Chemie längst über das Finanzielle hinaus stimmen. Gleich im Eingang zum Innenbereich hing gestern ein Plakat, das auflistete, welche Ansprüche Absolventen an ihren künftigen Arbeitgeber haben: Unter anderem muss der dafür sorgen, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen und dass genug Zeit und Muße bleibt, um das Leben außerhalb der Werkstore zu genießen. Das weiß auch Julia Werner von Tower Automotive. "Die jungen Leute wollen von uns beispielsweise wissen, ob sie auch im Ausland arbeiten können", sagt die Personalreferentin. Der Arbeitgeber wiederum sucht Menschen, die auf immer speziellere Profile passen. Das kann ein Student kaum erfüllen. "Deswegen sollte den Betrieben klar sein, dass sie auch bei Studienabsolventen noch in die Ausbildung investieren müssen."

Deswegen bietet der Amberger Entwickler und Hersteller von Sitzen auch überwiegend Praktika an oder die Möglichkeit, in einer Zwickauer oder Schmöllner Niederlassung an einer Bachelorarbeit zu schreiben. "Dabei kann man sich kennen lernen", sagt Dana Ducheckowa. Ein späteres Arbeitsverhältnis ist dann nicht ausgeschlossen.

Manch einer reist für seine Liebe vom Nordpol zum Südpol zu Fuß. Doch bei Arbeitsstellen geht der Trend dahin, in der Region zu bleiben. Das hat Susann Klotz vom Veranstalter der Messe festgestellt, und das bestätigt Sandra Hendrich vom Dresdner Softwareentwickler 3m5. Die Landeshauptstadt ist für Zwickauer Studenten fast schon zu weit entfernt - zumindest für einen Job als Werksstudent. Dabei bietet das Unternehmen etwas, das Programmierer gern mögen: jede Menge Aufgaben. Und sucht etwas, das Arbeitgeber lieben: Menschen, die mit Herzblut arbeiten.

Aber die suchen viele. Deswegen ist der Vergleich mit einer Partnerbörse gar nicht so schräg. Zumal es dort immer wieder scheinbar graue Mäuse gibt, die auf den zweiten Blick recht attraktiv sind. Susann Klotz hat nämlich auch festgestellt, dass viele junge Leute nur die großen Firmen kennen und gar nicht wissen, wer sich sonst noch in der Nachbarschaft angesiedelt hat und eine Verabredung wert sein könnte. Auch deswegen gibt es die Zwik.


Einige Stellen bleiben frei

Auch die Arbeitsagentur ist ein bekannter Ansprechpartner für junge Leute, die sich beruflich orientieren wollen. 2015 haben 1755 Menschen die Agentur um Unterstützung gebeten - damit ist die Zahl der Hilfesuchenden in der Behörde um mehr als 100 Menschen gewachsen. Gestiegen ist auch die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen nämlich um 136 auf nun 1758.

Doch auch in diesem Jahr hat nicht jeder Topf einen Deckel gefunden. Zum 30. September hatten 36 Bewerber noch keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben - auf der anderen Seite blieben 112 Ausbildungsstellen unbesetzt, teilt die Agentur mit.

Dass die Berufsberatung häufiger in Anspruch genommen wurde, führt die Behörde auch darauf zurück, dass besonders die Berufsberater mehr für das Angebot geworben haben. Allerdings haben offenbar ganze Berufsbereiche neuerdings Werbung nötig. Denn im Einzelhandel, im Bankwesen und in mehreren Handwerksberufen haben Firmen zunehmend Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen, so die Agentur. Das liege zum einen daran, dass Jugendliche auf bestimmte Berufe fokussiert sind -aber auch daran, dass Arbeitgeber mitunter schwer erfüllbare Ansprüche stellen.

Die beliebtesten Wunschberufe waren in diesem Jahr ähnlich wie auch in den vorangegangenen bei den Jungen Kfz-Mechatroniker, Fachlagerist und Mechatroniker. Bei den Mädchen führten Verkäuferin, Kauffrau im Einzelhandel und Kauffrau Büromanagement die Hitliste an.

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