Wo einst das Schützenhaus war, vergnügen sich jetzt Skaterfahrer

Wie sich Crimmitschau und seine Ortsteile verändert haben. Heute: Schützenplatz (Folge 32)

Crimmitschau.

Die Kartenansicht zeigt im nördlichen Teil des Schützenplatzes errichtete Bauten des Schützenvereins. Verdeckt von jungen Kastanienbäumen und Linden steht das Schützenhaus von 1808. Eingerahmt wird es links vom 1851 errichteten Schießhaus, auch Hauptwache genannt, mit einem Schießstand und einem zweiten Saal. Dieser Saal diente bis 1875 für Tanzbelustigungen. Gegenüber dem Schießhaus steht die Schießhalle.

Auf dem Schießanger, später Schützenanger, ließ die Schützengesellschaft 1808 ihr Schützenhaus erbauen. Die Bevollmächtigten der Schützengesellschaft erkoren für die Bauausführung einen Zimmermeister aus Werdau. Er sollte für tausend Taler ein massives einstöckiges Gebäude bis zum 10. Juli 1808 erbauen. Die Abmessungen gab der Bauherr mit 36 Ellen (eine Elle rund 0,566 Meter) Länge und 17 Ellen Tiefe vor. Weiter vorgegeben waren auch acht hohe Fenster zur Südseite, die den Saal belichten sollten. Für den Saal sah man eine "Tafel-Diehle" sowie eine Orchester-Galerie vor. Daneben gab es Fenstermaße und andere zu befolgende Vorgaben. Der Zimmermeister verzagte vielleicht an der Umsetzung der Festlegungen. "Mit einem Vorschuß von 50 Thlrn., auf die letzte Rate in der Tasche ließ der Meister ... sein Werk im Stich." Ein Mauermeister aus Crimmitschau vollendete das Gebäude, natürlich mit erforderlichen Nachzahlungen. In den nachfolgenden Jahren, speziell 1822, 1837 und 1861, gab es immer wieder bauliche Veränderungen. 1822 eine Aufstockung und 1837 war es der Bau eines neuen Saales, weil die Decke des alten Saales baufällig wurde. Im neuen Saal, dem größten des Ortes, konnte auch die 1834 beantragte "Gewerbeberechtigung zum Schänken, Gastieren, Musik- und Tanzhalten im Schießhause" besser ausgeübt werden. 1861 erfolgte ein Galerieanbau an der Nord- und Ostseite des Saales. Ein Brand am 7. Februar 1913 zerstörte den Speisesaal, dessen Decke sowie den Dachstuhl. Bereits vier Monate später, am 18. Juni 1913, wurde der Saal erneut geweiht. In der Zeit des Ersten Weltkrieges stellte die Schützengesellschaft das Schützenhaus dem Militär zur Verfügung. 1918 konnten die Schützen ihr Haus wieder als Gesellschaft nutzen. Die Inflation Anfang der 1920er-Jahre bedeutete einen großen Einschnitt für die Unterhaltung des Schützenhauses. Die Stiftungen der Schützen waren vollständig entwertet.

Vertraut man vorhandenen Unterlagen, gab es in der Zeit des Dritten Reiches (1933 bis 1945) zum Schützenhaus wenig zu berichten. Am 16. Oktober 1937 stand es jedoch mit im Mittelpunkt der Crimmitschauer Rede des sächsischen Reichsstadthalters, die aus dem heutigen "Haus der Vereine" nach dort übertragen wurde.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verboten die Alliierten Schützenvereine. Das Verbot galt in der DDR weiter. Den Schützenplatz nannte man ab 1946 Pleißenanger, das Schützenhaus bekam den Namen "Pleißental". Ins ehemalige Ballhaus zogen in den 1960er- bis Ende der 1970er-Jahre Rockgruppen, wie CBC, Studio 6 oder die Hausband des "Pleißentales", Team 67, ein. Das Haus hatte bei den Fans einen guten Ruf, der weit in die Republik ausstrahlte. Einige Monate vor und nach der Wende diente das "Pleißental" der Versorgung der Bauarbeiter, die an der baulichen Umgestaltung der Stadt beteiligt waren. Nach Abschluss des Städtebauprogramms sollte das Gebäude dem ursprünglichen Sinn dienen.

Doch für das "Pleißental" interessierte sich nach der Wende kein Investor, obwohl Gebäude und Platz ab 1991 wieder ihre anfänglichen Namen trugen. 1999 gab es einen Investor. Er wollte aus dem Schützenhaus wieder ein modernes Tanzlokal entstehen lassen. Monate der Verhandlung brachten kein Ergebnis. Im Jahr 2000 plante die Stadt das Schützenhaus als Jugend- und Vereinszentrum und suchte einen Investor. Die Idee verwarf die Stadt. Das "Haus des Sports" wurde besagtes Zentrum. Bei einem anderen Investor, der vorsprach, fand die Stadt die Nutzungsvorstellungen vage. Kurz vor dem Abriss meldeten sich die Eisstockschützen des ESV 60 Crimmitschau. Sie wollten nach dem Abriss die betonierte Tanzfläche nutzen und den Küchentrakt als Vereinsdomizil. Aus allen Ideen wurde 2003 nur der Abriss Wahrheit.

Wieder Leben auf dem Grund und Boden des ehemaligen Schützenhauses gibt es seit November 2014 auf der frei gegebenen Skater-Anlage. Die Traditionen des Schützenwesens übernahm bereits im Jahr 1995 der Schützenverein Lauenhain.

Quelle: Chronik 2014 "Crimmitschau - Geschichte einer Stadt", Band 2

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