Tausende Schuss Munition und Dutzende Waffen eingezogen

Freiwillig oder gezwungenermaßen: Nur wenige Besitzer liefern ihre Waffen ab. Bei den Patronen war die Menge rekordverdächtig hoch.

Die Zahl der Waffen im Landkreis steigt.

Von Frank Dörfelt

Im Landkreis Zwickau waren Ende Juni 13.248 Schusswaffen registriert - so viele wie nie zuvor. Das geht aus der Antwort des sächsischen Innenministeriums auf eine von mehreren Anfragen des Landtagsabgeordneten Enrico Stange (Die Linke) hervor. "Dabei fallen vor allem Repetier- und halbautomatische Waffen ins Gewicht", sagte der innenpolitische Sprecher seiner Fraktion. "Es überwiegen in privatem Besitz die gefährlicheren Schusswaffen, deren Zahl wächst."

Stanges Hoffnung, dass Waffen, die nicht mehr benötigt werden, verstärkt bei den Behörden abgegeben werden, hat sich nicht erfüllt. "Den registrierten Schusswaffen stehen sehr geringe Zahlen bei der freiwilligen Abgabe gegenüber", sagte er. Tatsächlich nehmen wenige Besitzer die Möglichkeit wahr, Schusswaffen kostenfrei bei der Polizei oder bei der Waffenbehörde im Landratsamt abzugeben. Im ersten Halbjahr 2018 wurden in der Kreisverwaltung fünf Schusswaffen abgegeben. Die Menge liegt über dem jährlichen Durchschnitt. Seit 2010 wurden insgesamt nur 20 Waffen abgegeben. 2017 war es nicht eine einzige. Zum Vergleich: Im Landkreis Bautzen wurden in acht Jahren 193, in der Stadt Leipzig 267 Waffen offiziell entsorgt.

"Bei den in diesem Jahr abgegebenen Waffen handelt es sich um solche, die ab dem 18. Lebensjahr erlaubnisfrei erworben werden dürfen", sagte die Pressesprecherin des Zwickauer Landratsamtes, Ilona Schilk. Die Besitzer hatten kein Interesse mehr daran und wünschten eine sichere Vernichtung. Dazu hatten sie sich 231 Schuss Munition entledigt.

Auch bei der Polizei können nicht mehr benötigte oder kaputte Waffen abgegeben werden. 32 waren es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Um was für Waffen es sich handelt und ob sie von Privatpersonen oder Jägern abgegeben wurden, dazu konnte Polizeisprecher Christian Schünemann nichts sagen. Der Aufwand für die Recherche sei zu groß. Damit bleibt auch ungeklärt, woher die 10.603 Schuss Munition stammen. Das ist mit Abstand die größte Menge Munition, die in den vergangenen Jahren abgeliefert wurde - weit abgeschlagen folgt hier Leipzig mit rund 1700 Patronen.

Die beiden Behörden mussten sich zudem auch mit Waffen auseinandersetzen, für die ihre Besitzer keine Waffenbesitzkarte vorweisen konnten. Insgesamt fanden so zehn illegale Waffen den Weg zu den Behörden. Wie Ilona Schilk sagte, war die eine im Landratsamt abgegebene Waffe ein Fundstück, das noch aus der Nachkriegszeit stammte. Woher die neun Waffen und die 464 Schuss Munition stammten, die bei der Polizei abgegeben worden waren, konnte dort niemand sagen.

"Die illegalen Schusswaffen wurden auch nur wegen der Amnestie abgegeben", sagte Enrico Stange. Bis 1. Juli war es möglich, Waffen in illegalem Besitz bei den Polizeibehörden abzugeben, ohne dabei eine Strafe zu riskieren. Eine Einschränkung gab es allerdings: Die Waffen werden daraufhin überprüft, ob mit ihnen eine Straftat begangen wurde. Dazu werden sie unter anderem mit dem nationalen Waffenregister und den Fahndungsunterlagen der Polizei abgeglichen. Das allerdings dauert. "Bisher liegen dazu keine Ergebnisse vor", sagte der Polizeisprecher.

Alle Waffen werden bei der Waffenbehörde gesammelt und später vernichtet. "Ein Verkauf findet nicht statt", sagte Schilk.

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