Kühe bekommen neues Zuhause

Das Milchvieh der Agrargenossenschaft Oberwiera gerät an seine Grenzen. Ein neuer Rinderstall soll nun den maroden Bau aus den 1950er-Jahren ablösen.

Auf dem Bauplatz für die neue Halle liegen momentan noch 2000 Quaderballen Stroh, von denen jeder bis zu 250 Kilogramm wiegt.
120 der insgesamt 800 Tiere bei der Agrargenossenschaft Oberwiera stehen zurzeit in diesem mehr als 60 Jahre alten Stall. Ein Neubau auf demselben Gelände soll nun für Entlastung sorgen.
Mike Posern - Vorstand und Leiter der Tierproduktion

Für Sie berichtet: Michael Stellner

Gerade ist noch ein Kälbchen zur Welt gekommen, das inzwischen fünfte an diesem Montag. "Das ist immer so", sagt Mike Posern (52), der Leiter der Tierproduktion bei der Oberwieraer Agrargenossenschaft. "Wenn eine anfängt, dann machen die anderen trächtigen Kühe gleich mit. Das liegt noch am Wolf." Der Wolf hole nie mehr als ein Kälbchen am Tag. Deshalb sei es für die trächtigen Kühe sinnvoll, möglichst an ein und dem selben Tag zu kalben. Je mehr Jungtiere am selben Tag zur Welt kommen, desto größer die Chance, dass viele von ihnen überleben.

Nun leben schon lange keine Wölfe mehr zwischen Oberwiera und Schönberg, und die Kühe der Agrargenossenschaft haben außer dem Schlachter keine natürlichen Feinde. Trotzdem halten sie sich an den von der Natur eingeimpften Code. Und weil der Tierbestand in den Ställen kontinuierlich steigt, braucht die Agrargenossenschaft mehr Platz. Sie will nun auf ihrem Gelände einen weiteren Stall für 160 Jungtiere bauen. Die vorhandene Anlage liegt an der Breitenbacher Straße, kurz jenseits der Oberwieraer Ortsgrenze auf Schönberger Flur.

800 Tiere stehen in den Ställen von Mike Posern. 100 im Kälberstall, 440 Milchkühe in der Milchviehanlage an der Meeraner Straße, 140 in einem in den 1980er-Jahren gebauten Stall an der Breitenbacher Straße und weitere 120 in einem Stall gleich daneben. Der besagte Neubau soll den Letzteren ersetzen. Er ist in den 1950er-Jahren gebaut worden und ziemlich abgenutzt. Ein Frühjahrssturm hat einen Teil des Daches abgedeckt. Das wurde zwar repariert, die Arbeiter prognostizierten aber eine Lebensdauer von vielleicht noch fünf Jahren. Und dann hatte die Agrargenossenschaft zufällig gerade Geld, weil die Versicherung für die in Neukirchen abgebrannte Strohhalle eingesprungen ist. "Dann haben wir uns gesagt, lassen wir eine neue Strohhalle sein und bauen stattdessen mit dem Geld lieber einen Stall", sagt Posern. Den alten lässt man abreißen.

Der Tierbestand soll sich nicht dramatisch erhöhen, sondern nach Bedarf. Er hängt vom Milchpreis ab. 2015 und 2016, als die Preise im Keller waren, reduzierte Posern die Anzahl seiner Milchkühe auf 370. 2017, als sich die Preise erhöhten, erhöhte er den Bestand auf 440. Momentan liegt der Milchpreis bei 31,5 Cent je Liter und damit recht niedrig. Bauernverbände fordern mindestens 35 Cent, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Die Agrargenossenschaft Oberwiera regelt die Anzahl der Kühe über den Verkauf. Da im Schnitt pro Tag zwei Jungtiere zur Welt kommen, hat die Agrargenossenschaft relativ großen Handlungsspielraum. Viele Verkäufe reduzieren den Tierbestand, wenige Verkäufe erhöhen ihn. Man könne den Tieren ja nicht sagen, sie sollen weniger Milch geben. "Also verkaufen wir sie", sagt Posern. England ist ein guter Absatzmarkt, gelegentlich landen die Kühe aus dem nördlichen Landkreis Zwickau aber auch in Algerien und Marokko. 10.000 Liter Milch sollte eine Kuh im Jahr geben. Schafft sie das nicht, droht ihr die Schiffsreise.

Die Baupläne für den neuen Stall haben inzwischen problemlos den Schönberger Gemeinderat durchlaufen. Direkte Anwohner gibt es nicht, und auch die Gemeinde hat keine Vorbehalte. "Im Gegenteil, wir freuen uns doch, wenn investiert wird", sagt Bürgermeister Dietmar Öhler (CDU). Läuft alles nach Plan, soll im April 2019 der Bau beginnen. 700.000 Euro sind dafür eingeplant, die Agrargenossenschaft hofft aber noch auf Fördermittel.

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