Die Winterkönigin zeigt ihre Blütenpracht

Im Gewächshaus von Gärtnermeister Hans Nötzold präsentieren sich derzeit fast 200 Kameliensorten in ihrem schönsten Blütenkleid.

Friedrichsgrün.

Für Hans Nötzold hätte 2020 in dreifacher Hinsicht ein Jahr der Jubiläen sein können: Die zehnte Kamelienausstellung, 20Jahre Kameliensammlung und drei Jahrzehnte Bestehen des familieneigenen Gartenbaubetriebs im Reinsdorfer Ortsteil Friedrichsgrün wären eigentlich zu feiern gewesen. "Zumindest was die Kamelien anbelangt, hat uns der Coronavirus in gewisser Weise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Speziell der vorgesehene Erfahrungsaustausch mit anderen Kamelienfreunden aus ganz Deutschland fällt ins Wasser. Aber die Gesundheit geht in diesem Falle eindeutig vor", sagt der 68-Jährige.

Die reichlich 200 Pflanzen selbst zeigen sich indes von diesen aktuellen Problemen unbeeindruckt und präsentieren sich derzeit in ihrer schönsten Blütenpracht. Und die können Besucher der Gärtnerei auch bewundern. "Wir lassen das Kamelienzelt offen. Im Inneren ist wirklich genügend Platz um genügend Abstand zu halten. Ich denke, dafür bringt jeder genügend Eigenverantwortung mit. Gerade in dieser sehr angespannten Situation tut ein Blick auf die Kamelien Körper, Geist und Seele gut", sagt Hans Nötzold.

Die Anfänge der Kameliensammlung des Friedrichsgrüner Gärtnermeisters gehen auf das Jahr 1999 zurück. Damals brachte ihm ein Kunde drei Kamelien zum Überwintern vorbei. "Da sie schon relativ groß waren und ich mir doch ein wenig Sorgen machte, ob ich sie unbeschadet über den Winter bringen würde, habe ich entsprechende Fachliteratur gewälzt", erinnert er sich. Das zahlte sich aus, denn als der Kunde im folgenden März seine Kamelien abholte, strotzten sie nur so vor Blüten. Der Mann war begeistert und überließ Hans Nötzold auch noch die Adresse eines bekannten Kamelienzüchters, der in der Nähe von Cuxhaven lebt. Dem stattete der Friedrichgrüner kurz darauf einen Besuch ab. Fast schon erwartungsgemäß hatte er auf der Rückreise dann einige Kamelienpflanzen im Gepäck.

Dank der Möglichkeiten, den Pflanzen in einem der heimischen Gewächshäuser die passenden Bedingungen für ein gutes Gedeihen anbieten zu können, nahm die Sammlung von Hans Nötzold immer größere Ausmaße an. Prachtstück ist inzwischen ausgerechnet eine der Kamelien, die er einst zur Überwinterung bekommen hatte. "Mit ihren 28 Jahren ist sie auch die älteste Kamelie, die bei uns steht. Es handelt sich eine Camellia japonica mit dem Sortennamen Collettii. Ihre zweifarbige Blütenpracht begeistert mich jedes Jahr wieder." Die Kamelien, auch als die Winterkönigin unter den Blumen bezeichnet, tragen mitunter recht imposante Namen wie Dresdner Frauenkirche, Gräfin Cosel und Matterhorn. Obwohl rote, rosa und weiße Farbtöne vorherrschen, gibt es viele Variationen. Dafür sorgen große und kleine, gefüllte und leere, ein- oder zweifarbige Blüten.

Hans Nötzold hat die Führung des Familienbetriebes längst in die Hände seiner Kinder gelegt, aber eines der Gewächshäuser ist nach wie vor für sein blühendes Hobby reserviert. Und erst kürzlich belegte eine seiner Sorten auf der deutschen Kamelienschau in Pirna-Zuschendorf in der Besuchergunst den sechsten Platz.


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