Stargärtner wird erneut befragt

In den 80er-Jahren war mit Karl Wienke ein bekannter Landschaftsarchitekt im Park "Neue Welt" im Einsatz. Sein Rat ist auch heute gefragt.

Vor 35 Jahren hat der Landschaftsarchitekt Karl Wienke den Park "Neue Welt" restauriert. Die Musen ließ er aus Beton fertigen. Damals eine Neuheit. Aber auch bei der Gestaltung der Anlage mit Blumen hat der Mann aus Suhl seine Spuren hinterlassen.

Von Frank Dörfelt

Die Neugestaltung des Parks "Neue Welt" in Zwickau-Pölbitz findet derzeit hauptsächlich am Schreibtisch statt. Dabei geht es nicht nur um das Problem, ob der Amorbrunnen als Original restauriert wird oder als Nachbau in den umgestalteten Park zurückkehrt. Die Fragen, die die Mitarbeiter des Garten- und Friedhofsamtes aktuell beschäftigen, liegen fast 35 Jahre zurück. Zwischen 1982 und 1985 war der Park umfassend rekonstruiert worden. Wer damals die Neugestaltung leitete, daran erinnerte sich kaum noch jemand. Dabei war Karl Wienke, der heute 85 Jahre alte Landschaftsarchitekt aus Suhl, in der DDR sehr bekannt. Sein Name hat noch immer Gewicht in der Branche. Und so sollen seine Ideen auch heute mit einbezogen werden.

Während der Planungen waren die Parkgärtner auf den Fachmann aufmerksam geworden. Karl Wienke, der noch immer jeden Tag im Büro sitzt und Pläne für Parks und Gärten entwirft, kann sich an seinen Einsatz in Pölbitz erinnern. "Es war damals schon etwas Besonderes, an so einem historisch bedeutsamen Park mitzuarbeiten", sagt er. Anders als heute ging es damals allerdings mehr darum, eine Verschlechterung des Zustandes zu verhindern. "Trotz der Material- und Geldknappheit ist es uns gelungen, die großzügige Parkgestaltung so gut wie möglich zu erhalten", erklärt Wienke. Auf ihn gehen die kleinteiligen Gartenbereiche zurück, zu denen unter anderem der Heidegarten und ein Rosarium gehören, die nach alten Erinnerungen wiederhergestellt wurden. Auch entlang des 1,4 Kilometer langen Wegenetzes hat Wienke seine Spuren mit diversen Pflanzungen hinterlassen. Die ursprünglichen Entwürfe für den Park lagen damals nicht vor. Heute weiß man, dass zumindest ein Teil der Unterlagen im damals noch nicht existierenden Bauaktenarchiv liegt. "Ich habe versucht, den Grundcharakter des Parkes aufzugreifen und so weit wie möglich zu erhalten", sagt Wienke.

Vor allem hat er den Beton ins Spiel gebracht. "Es war damals neu, dass Beton für künstlerische Zwecke verwendet wurde", sagt er. So konnten die Musen und die Nymphe überleben. Sie wurden bis heute mehrfach restauriert. Freilich ließ sich damals, schon aus Kostengründen, nicht alles retten. Die beschädigten großen Löwen wurden ebenso entfernt wie die Grotte. "Ich habe mich gefreut, als der Anruf aus Zwickau kam und ich noch einmal um Rat und auch nach den alten Plänen gefragt wurde", sagt Wienke. Seine Unterlagen hat er nach Zwickau geschickt. Den Park "Neue Welt" hat Wienke seit Jahren nicht besucht. "Ich fahre zwar ab und zu mal durch Zwickau, aber im Park war ich nicht mehr", sagt er. Die Anlage in Pölbitz war nicht sein einziger Auftrag hier. Er hat auch an der Rekultivierung der stillgelegten Morgensternschächte maßgeblich mitgewirkt.

Grundlegend werden die Pläne für die jetzige Neugestaltung aber nicht geändert. Man wolle den Park nicht auf eine historische Epoche zurückführen, sagte Heike Reinke von der Pressestelle des Rathauses.

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