Zwei Zugstangen halten den Dom stabil

Die Marienkirche wird nicht mehr von außen, sondern von innen gestützt. Doch die Arbeiten sind damit nicht beendet.

Die Zugstangen sind für eine Last bis zu 30 Tonnen ausgelegt. Sie reichen vom Boden bis zum Kirchendach.
Die Metallbauer Gunter Illing (vorn) und Peter Winkler (hinten links mit Dombaumeister Michael Kühn) montierten die Traversen im Boden des Doms. Sie tragen die Zugstangen, die das Haus in seiner Lage halten.
Die Außenstützen des Doms sind jetzt überflüssig.

Von Frank Dörfelt

Ganz gerade wird der Zwickauer Dom nie stehen. Ab sofort ist jedoch gesichert, dass das Gotteshaus nicht weiter in Richtung Marienplatz kippt - auch dann nicht, wenn die beiden Holzstützen an der Außenfront abgebaut sind, die zur Sicherung während der Arbeiten am Fundament angebracht worden waren.

Die Hauptlast des etwa zehn Tonnen schweren Gebäudes wurde am Mittwoch von den Stützen auf jeweils eine Zugstange an jedem der beiden großen Pfeiler im Chorraum verlagert: Maßarbeit für den Tragwerksplaner Peter Schöps aus Radebeul. Seine statischen Berechnungen bildeten die Grundlagen für das Umlegen der Last. Ganz langsam wurden die Zugstangen vorgespannt, in guter alter Handarbeit mit einem Maulschlüssel - bis sie schließlich die ganze Last trugen. Auf 30 Tonnen sind sie ausgelegt. Die bis unter das Kirchendach reichenden Stangen münden am Boden in eine Traverse mit Feder und Stellschraube. "Damit kann im Bedarfsfall auch nachgespannt werden", sagte Schöps.

Auch für ihn war das kein gewöhnliches Bauprojekt. "Hier trifft man im Gegensatz zu Neubauten auf altes Mauerwerk mit entsprechenden Risiken", sagte er. Das wirke sich auf die Statik aus. "Bei einer Kirche muss alles individuell bearbeitet und berechnet werden."

Der Chemnitzer Vermessungsingenieur Detlef Schmidt atmete ebenfalls auf. Mit seinen hochpräzisen Messgeräten hätte er jede noch so winzige Bewegung der Pfeiler erkannt und im Notfall die Aktion abgebrochen. "Es verlief alles wie erhofft", sagte er. "Es hat sich gar nichts bewegt." Der Dom steht damit auch nach der Entlastung der äußeren Stützen stabil.

Wenn der Fußboden geschlossen ist, wird der Raum hinter dem Altar normal nutzbar sein. "Wir müssen nur wieder alles einräumen", sagte Dombaumeister Michael Kühn. Um die Zugstangen zu entdecken, müssten Kirchenbesucher künftig schon genau hinsehen. Voraussichtlich im Februar sollen die äußeren Stützen abgebaut werden. "Das ist abhängig vom weiteren Ablauf der Arbeiten und natürlich vom Wetter", sagte Kühn. Bisher sind bei der Stabilisierung des Domes etwa zwei Drittel der Arbeiten geschafft. Als nächstes wird an den Querseiten gearbeitet. "Die kippen Richtung Domhof", sagte Kühn. Allerdings ist dort weniger Aufwand erforderlich. "Die Pfeiler sind hier Bestandteil ganzer Wandscheiben", erklärte Kühn. Die ließen sich einfacher in einer bestimmten Lage festhalten. Um Arbeiten am Fundament werde man aber nicht herumkommen.

Wie lange die Arbeiten insgesamt noch andauern, konnte Kühn nicht sagen. "Man muss die notwendige Geduld aufbringen, solche Herausforderungen sind nicht von heute auf morgen zu meistern."

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