Zehn Todesfälle in Werdauer Pflegeheim

Zwischenzeitlich waren rund 70 Bewohner und Pfleger im Werdauer "Haus am Brühl" mit dem Coronavirus infiziert.

Werdau.

Die Situation im Seniorenpflegeheim am Brühl in Werdau hatte sich in den zurückliegenden Wochen zugespitzt. Wie das Landratsamt gestern auf Anfrage schriftlich mitteilte, sind seit Bekanntwerden der Corona-Fälle in der Einrichtung zehn Personen verstorben. Ob es sich dabei ausschließlich um Bewohner oder auch um Mitarbeiter handelt, geht aus der Antwort nicht hervor. Die Zahl der an Covid-19 erkrankten Bewohner und Mitarbeiter war zwischenzeitlich auf "circa 70 Personen" angestiegen. Für telefonische Rückfragen war im Landratsamts am gestrigen Freitag keiner erreichbar, ebenso nicht in der Pflegeeinrichtung.

Nach Angaben des Gesundheitsamtes befinden sich außerdem acht Bewohner des Seniorenheimes sowie vier Mitarbeiter noch in Quarantäne. Drei Bewohner werden derzeit stationär behandelt. Über ihren Gesundheitszustand ist nichts bekannt. In der Pflegeeinrichtung im Zentrum von Werdau leben rund 120 Bewohner, die von circa 100 Beschäftigten betreut werden.

Ein Massentest an den Ostertagen hatte in der Einrichtung zunächst 45 positive Fälle ergeben. Jürgen Rehse, einer der beiden Geschäftsführer, sagte noch eine Woche nach dem Test, dass ihm von Corona-Fällen nichts bekannt sei. Später verleugnete er sich am Telefon selbst. Am Freitag war er nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Mitarbeiter des Gesundheitsamts waren eigener Auskunft nach mehrfach in Werdau, um die Einhaltung der Coronarichtlinien sowie der Hygienebestimmungen zu überprüfen, die Beschäftigten zur Verwendung der persönlichen Schutzausrüstung zu beraten und die Umsetzung zu kontrollieren. Eine erneute Prüfung ist für die übernächste Woche geplant.

Nach Aussagen des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen (KSV) wurde das Seniorenpflegeheim Haus Brühl in Werdau am 18. Dezember 2019 gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Sachsen (MDK) überprüft. "Das Ergebnis bescheinigte der Einrichtung eine ordnungsgemäße Pflege und Versorgung der Bewohner", sagt KSV-Sprecherin Monika Pittasch. Zahlreiche Angehörige von Bewohnern des Heimes, die sich nach Bekanntwerden der Corona-Fälle im Heim telefonisch bei der "Freien Presse" gemeldet haben, sehen das offenbar anderes. Zu ihnen gehör Gunter Altenkirch aus Werdau, dessen langjährige Lebensgefährtin seit mehr als einem Jahr im Pflegeheim am Brühl lebt. "Die Zustände im Haus sind katastrophal, der Umgang mit den Menschen lässt sehr zu wünschen übrig", sagt der 79-jährige Rentner. "Auf Kritik wird überhaupt nicht reagiert. Will man jemand von der Geschäftsleitung sprechen, ist nie jemand erreichbar." Seit Tagen weiß Altenkirch nicht, wie es seiner Lebenspartnerin geht. Er habe sich schon an den Landrat gewandt, warte aber noch auf einen Rückruf. Der Werdauer hat ebenfalls den MDK über seine Erfahrungen im Heim informiert, aber noch keine Rückmeldung erhalten.

In der Kritik steht die Einrichtung aber nicht nur wegen der Kommunikation nach außen. Ein Unternehmer aus der Pflegebranche ließ die "Freie Presse" wissen, dass er mit dem Haus wegen der "schlimmen Arbeitsbedingungen" grundsätzlich nicht zusammenarbeite. Die im Werdauer Ortsteil Königswalde lebende Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Die Linke) spricht den Angehörigen ihr Beileid aus und übt ebenfalls Kritik an den Arbeitsbedingungen in der Pflegeeinrichtung. "Es darf nicht sein, dass ausländische Pflegekräfte ähnlich wie Beschäftigte der Fleischindustrie auf engstem Raum in Sammelunterkünften wohnen müssen", sagt Zimmermann. Das sei nicht nur unangemessen für die Betroffenen, sondern auch ein erhebliches Gesundheitsrisiko, das die Beschäftigten und die Pflegebedürftigen gleichermaßen gefährde. (mit ael)


Entwarnung am HBK

Die Station für Innere Medizin des Zwickauer Heinrich-Braun-Klinikums, wo vor zwei Wochen neun Patienten und sieben Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, bereitet sich auf die Rückkehr zum regulären Betrieb vor. Weitere Infektionen konnten nach Klinikangaben nicht festgestellt werden. "Bei der Nachverfolgung wurde umfangreich getestet", sagte Pressesprecherin Cathleen Schubert. Zur Sicherheit waren neun weitere Mitarbeiter in Quarantäne geschickt worden. Derzeit werden die Patienten wegen Personalproblemen auf einer anderen Station betreut. Die Fußböden in der leeren Staion werden neu versiegelt.

Um das Risiko des Einschleppens von Viren zu verringern, werden ab sofort alle geplanten Zugänge aus der Risikogruppe vor dem Klinikaufenthalt auf Corona getestet und im Notfall sofort isoliert. Die Klinikleitung appelliert zudem an Patienten und deren Angehörige, das derzeit geltende Besuchsverbot einzuhalten. (nkd)


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