Zeitung lesen: Erst Frust, dann Lust

Zeitung im Unterricht ist ein Projekt, an dem sich unter anderem auch das Crimmitschauer Gymnasium beteiligt hat. Gab es anfänglich Skepsis bei den Schülern, so wuchs von Woche zu Woche das Interesse.

Crimmitschau.

Zeitung ist ein Medium, dass Tina Tran aus Crimmitschau bisher weniger interessierte. Die Meinung der 14-Jährigen, die die 8. Klasse am Julius-Motteler-Gymnasium in Crimmitschau besucht: Nicht interessant genug für ihre Altersgruppe, langweilig und zu viele Texte. Ähnlich das Urteil von ihrer Mitschülerin Shirley Monien (13), bei deren Eltern die "Freie Presse" zur täglichen Lektüre gehört: zu wenig Themen, die junge Leute interessieren und zu viel Sport.

Inzwischen haben sie ihre Meinung komplett geändert. Die Klasse, die die beiden Jugendlichen besuchen, hat innerhalb des Deutschunterrichtes vier Wochen lang am Projekt "Zeitung im Unterricht", das durch enviaM als Hauptsponsor unterstützt wird, teilgenommen und sich dabei auch täglich mit der "Freien Presse" befasst. Die Idee dazu hatte Kitty Dudacy, Deutschlehrerin am Gymnasium. Seit 1986 ist die Neukirchenerin im Schuldienst tätig, seit 1991 am Gymnasium in Crimmitschau und weiß, wie die Jugendlichen ticken. Zum wiederholten Mal nimmt sie auch mit einer Klasse am Zeitungsprojekt teil und kennt die Vorurteile der Schülerinnen und Schüler. "Das Interesse hält sich am Anfang immer in Grenzen, schlägt aber ganz schnell in Begeisterung um", sagt die Pädagogin aus Erfahrung. Zu den Aufgaben, die die Jugendlichen innerhalb des Projektes lösen müssen, gehören unter anderem das Finden von 20 positiven Meldungen in einer Ausgabe, Texte zu analysieren oder zu vergleichen, wie verschiedene Zeitungen über ein identisches Ereignis berichten. "Dabei beschäftigen sich die Jugendlichen intensiv mit der jeweiligen Ausgabe und lernen dabei unter anderem auch, wo eine Zeitung informiert, kritisiert oder unterhält", sagt Kitty Dudacy, die in dem Projekt eine Bereicherung des Lehrplanes und Abwechslung im Unterricht sieht. Die Jugendlichen haben dabei auch die Aufgabe, zu den jeweiligen Themenkomplexen Niederschriften anzufertigen und diese in einer Mappe zu sammeln. Dabei lässt Kitty Dudacy ihren Schülerinnen und Schülern Zeit und verlängerte das Projekt, das vier Wochen geht, um zwei weitere Wochen. "Damit das Ganze noch ein bisschen nachwirkt und die Schülerinnen und Schüler etwas mehr Zeit hatten, sich mit der Thematik zu befassen", sagt die Pädagogin.

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Das Ergebnis überrascht dann jedes Mal auch die Lehrerin der Klasse. "Manche Schüler legen dabei großen Ehrgeiz an den Tag und befassen sich dabei sehr intensiv mit den Themen", sagt Kitty Dudacy. Tina Tran ist eine der Jugendlichen, die mit ihrer Arbeit herausstach. "Ich habe vorher nicht gewusst, wie toll Zeitung lesen sein kann und was man dabei alles erfährt. Da stehen mehr interessante Themen drin, als man vorher denkt", sagt die 14-Jährige. Nachdem auch Shirley Monien vier Wochen lang im Unterricht die "Freie Presse" gelesen hat, findet sie die Tageszeitung inzwischen informativ und hilfreich. "Wir haben uns im Unterricht unter anderem mit dem Kaufhaus Schocken in Crimmitschau beschäftigt. Das kannte ich vorher gar nicht. Die ,Freie Presse' hat dazu auch einige Beiträge veröffentlicht. Nachdem ich die gelesen habe, weiß ich jetzt viel mehr zur Geschichte des Kaufhauses und zu den ehemaligen Besitzern", sagt die 13-Jährige zufrieden. Sie will künftig zu Hause öfters einen Blick in die Zeitung werfen.

Für Kitty Dudacy steht nach dem erneuten erfolgreichen Abschluss des Projektes fest, daran auch im kommenden Jahr wieder teilzunehmen, dann mit Tablets, auf denen die Schülerinnen und Schüler die Zeitung lesen können.

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