Zugeständnisse am Küchentisch

Die Distanz zwischen Politikern und Menschen zu überwinden - dieser Aufgabe stellt sich der SPD-Landesvorsitzende in einer Gesprächsrunde. Seine positive Nachricht: Noch einmal darf das IFA-Treffen auf der Westtrasse stattfinden.

Werdau.

Rund 70 Bürger aus Werdau und den umliegenden Orten sind am Mittwochabend der Einladung von Martin Dulig in das "Alte Schützenhaus" an der Zwickauer Straße in Werdau gefolgt, um mit ihm in Augenhöhe über Politik zu reden. Mit dem SPD-Landesvorsitzenden hatten am Küchentisch die Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping, der Landtagsabgeordnete Mario Pecher (beide SPD) sowie Werdaus Oberbürgermeister Stefan Czarnecki (CDU) Platz genommen.

Das Hauptthema, das die Werdauer dabei am meisten bewegte, war die Zukunft des IFA-Oldtimertreffens. Für die Veranstaltung, die am zurückliegenden Wochenende zum 20. Mal stattfand, hatte Dulig ein Parkverbot auf der Westtrasse ausgesprochen und eine Fortsetzung der Veranstaltung ab 2018 untersagt. Frank Pregler (CDU-Mitglied des Werdauer Stadtrates), Carsten Börnig (langjähriger Teilnehmer am Treffen) und Hans-Dieter Jakob (Ortsvorsteher aus Fraureuth/Freie Wähler) appellierten nachdrücklich, aber sehr sachlich an Martin Dulig, seine Entscheidung zu überdenken. Werdaus Oberbürgermeister machte noch einmal auf die Bedeutung und Besonderheit der Veranstaltung für die Stadt sowie die Region aufmerksam und nannte Beispiele, welche Aktivitäten die Verwaltung in den vergangenen Jahren unternommen hat, um eine alternative Fläche zu finden. "Wir benötigen unter anderem Strom und Wasser für die Aussteller und Besucher. Das sind Voraussetzungen, die an anderen Plätzen in der Stadt nicht gegeben sind. Hinzu kommen die fehlenden Parkflächen für die Besucher."

Der Minister verteidigte seine Haltung und betonte, dass der Stadt Werdau bereits seit 2008 bekannt sei, dass nach der Fertigstellung der Westtrasse auf dieser die Veranstaltung nicht mehr stattfinden könne. Das vom Minister angesprochene Schreiben war Werdaus Oberbürgermeister jedoch unbekannt. "Ich bin erst seit 2012 im Amt, werde aber mit meinem Amtsvorgänger Kontakt aufnehmen und dazu recherchieren", sagt das Stadtoberhaupt. Er kenne nur die beiden Briefe des Ministers an die Stadt vom Juli und Oktober 2015.

Dulig betonte weiter, dass er der Verkehrsminister für ganz Sachsen sei und Werdau keine Ausnahme- genehmigung erteilen könne. Dann müsse er dies auch anderen Kommunen für ähnliche Veranstaltungen zugestehen. Dulig wiederholte seine bereits mehrfach geäußerte Aussage zu der Thematik: Eine Straße ist zum Fahren da.

Der Minister betonte im Verlauf der Diskussion zugleich, dass die Veranstaltung der falsche Ort sei, einen Schuldigen zu suchen oder sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben. "Es gilt, Lösungen zu finden. Dabei sind wir gern behilflich." Er unterbreitete der Stadt zugleich zwei Angebote: Da die Westtrasse auf Fraureuther Flur erst Ende Mai 2018 fertiggestellt werde, könne im kommenden Jahr das Treffen letztmals auf dieser Straße stattfinden. Sein zweiter Vorschlag: Das Treffen als großes Volksfest gemeinsam mit dem Freistaat anlässlich der Fertigstellung und Freigabe der Trasse durchzuführen. Der Oberbürgermeister nahm das zur Kenntnis. "Wir werden das Angebot mit den Organisatoren besprechen und uns danach dazu äußern", so der OB.


Was die Bürger an dem Abend unter anderem noch bewegte

Warum verkehren die S-Bahnen auf der Strecke zwischen Werdau und Leipzig nicht auch in den späten Abendstunden?

Martin Dulig: Der Nahverkehr wird von den Verkehrsverbünden bestellt. In denen arbeiten die Kommunen mit und können so auch Einfluss auf die Gestaltung der Fahrpläne nehmen. Deshalb sind die jeweiligen Kommunen die richtigen Ansprechpartner. Der OB sagte dazu nichts.

Warum wurde im Bereich der Annoncenuhr die Ampel entfernt und nicht durch eine neue ersetzt?

Stefan Czarnecki: Die Anlage war veraltet. Für eine neue fehlt der Stadt das Geld. Wir planen in dem Bereich den Bau eines Kreisverkehres und hoffen, so die Verkehrsituation zu entschärfen. Seit dem Wegfall der Ampel ist es in dem Bereich nicht zu einer Unfall-Zunahme gekommen.

Wann werden endlich Maßnahmen ergriffen, um dauerhaft die Wasserqualität der Koberbachtalsperre zu verbessern? Petra Köpping: Wir mussten nach der Flut als Landesregierung entscheiden, ob wir etwas für den Hochwasserschutz tun wollen oder die Gewässer im Freistaat in Ordnung bringen und haben das Erste favorisiert. Derzeit haben die Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung noch vollauf mit der Beseitigung der Hochwässerschäden zu tun. Wir behalten das Problem im Blick. (umü)

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