Zuhören und sich austauschen gegen das schlechte Gewissen

In der Selbsthilfegruppe für Angehörige mit Demenz in Werdau sind Gespräche das Wichtigste.

Werdau.

Es ist schwer zu verstehen, was mit meinem Mann passiert ist. Er ist mir fremd geworden. Manchmal bin ich so wütend auf ihn ... Diese Sätze offen auszusprechen, ohne schlechtes Gewissen, ohne sich dabei mies zu fühlen, das fällt vielen Angehörigen schwer, die Menschen mit Demenz betreuen. "Der Austausch untereinander ist das Wichtigste. Zu merken, ich bin mit diesen Gefühlen nicht alleine, anderen geht es ähnlich", sagt Ulrike Weigel, Leiterin der Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz in Werdau.

Gemeinsam mit Heike Friedemann leitet die Königswalderin den Kreis, der sich einmal im Monat immer montags im Veranstaltungsraum der Central-Apotheke in Werdau trifft. "Anfangs kamen nur zwei Leute, jetzt sind es um die sechs bis acht. Mehr müssen es auch gar nicht sein, denn der Austausch soll im Vordergrund stehen und jeder zu Wort kommen", sagt die 53-Jährige, die den Runden Tisch Demenz in Zwickau im Verein "Gesundheit für alle" in der Scheffelstraße leitet. "Ich komme aus der Praxis, habe 20 Jahre lang in der Altenpflege in Seniorenheimen und auch ambulant gearbeitet. Dabei ist mir das Problem Demenz oft begegnet", sagt Ulrike Weigel, die jahrelang im Vorstand der Landesinitiative Demenz tätig war, sich aber jetzt mehr der regionalen Arbeit widmen möchte. 2016 ergriff sie dann zusammen mit Apothekerin Ute Helm die Initiative und rief in Werdau die Selbsthilfegruppe ins Leben.

Aus ihrer Erfahrung heraus werden Angehörige, die Menschen mit diesem Krankheitsbild betreuen, oft mit ihren Problemen allein gelassen. In der Gruppe kann man darüber offen sprechen und auch gemeinsam nach Lösungen suchen. Fachliche Begleitung bekommen die Teilnehmer unter anderem auch über Vorträge zum Thema. Es gibt Informationen über die Krankheit selbst und wie sie sich darstellt, welche Entlastungsmöglichkeiten es für pflegende Angehörige gibt, welche neuen Forschungsergebnisse zu der Thematik vorliegen. "Diejenigen, die in die Gruppe kommen, sind im Durchschnitt im höheren Lebensalter. Meist ist ein Ehepartner von der Erkrankung betroffen, ein Mensch, den man jahrzehntelang kennt, verändert sich. Das ist für viele schwer zu verstehen. Und auch, dass es nicht an einem selbst liegt."

Der nächste Treff der Selbsthilfegruppe ist am 28. Januar, 16.30 Uhr im Veranstaltungsraum der Central-Apotheke an der August-Bebel-Straße in Werdau. u.weigel@landesinitative- demenz.de

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