20 Jahre Waldumbau zahlen sich jetzt aus

Trockenheit, Borkenkäferbefall und Stürme: Die Wälder in der Region sind zum Dauerpatienten geworden. In Zwickau schlägt eine Therapie inzwischen ganz gut an.

Zwickau.

Nicht nur an Straßen und in Parkanlagen hat der schwere Schnee vorige Woche für Schäden gesorgt. Auch im Zwickauer Stadtwald sind einige Kronen und Äste, vor allem von Kiefern, unter der schweren Last abgebrochen. "Die Schäden halten sich aber in Grenzen", sagt Stadtförster Reiner Freudenberg.

Er berichtet, dass der Windbruch, den das Sturmtief "Friederike" vor einem Jahr im Stadtwald angerichtet hatte, behoben worden ist. Etwa 1000 Kubikmeter Schadholz wurden geborgen. Sturmtief "Fabienne" habe im September kaum für weiteren Windbruch gesorgt. "Allerdings haben wir seit September massiven Borkenkäferbefall in den alten Fichtenbeständen. Diese machen zum Glück nur noch 20 Prozent der gesamten Fläche des Stadtwaldes aus. Bis zum Frühjahr müssen wir die befallenen Bäume fällen und aus dem Wald holen, um die Käferepidemie einzudämmen", sagt der Experte. "Weil nach Borkenkäferbefall überall in Sachsen viele Bäume gefällt werden, ist es zurzeit schwer, Holz zu verkaufen. Aber wir haben Platz für die Zwischenlagerung."

Freudenberg berichtet, dass sich jetzt, wo der Wald vielerorts nach extremer Trockenheit, Stürmen und Schädlingsbefall zum Dauerpatienten geworden ist, der vor 20 Jahren begonnene, gezielte Waldumbau in Zwickau als wirksame Therapie bezahlt mache. "Auf 270Hektar haben wir bereits eine Kombination aus mehreren Laub- und Nadelbäumen, die zu stabilen Mischwäldern heranwachsen", sagt. "Auf 120 Hektar gibt es zurzeit eine Naturverjüngung. Das heißt: Wir nehmen dort die großen Fichten raus und lassen Eichen, Buchen und Kiefern, die sich im Unterholz entwickelt haben, groß werden." Der Förster berichtet, dass Laubbäume viel besser den geringen Niederschlag wegstecken. Allerdings gehören in Mischwälder auch Nadelgehölze.

"Und weil sich seit Jahren der Klimawandel abzeichnet, setzen wir bei Nadelbäumen auf die Küstentanne, die ursprünglich aus Nordamerika kommt, und die Douglasie. Beide vertragen trockene Sommer wie den vergangenen gut und wachsen schnell", so der Stadtförster, der auch den wirtschaftlichen Aspekt des Waldes als Holzlieferanten im Blick haben muss. Er berichtet, dass diese beiden Baumarten zwischen wild aufgegangenen Laubbäumen neu angepflanzt worden sind. Sie müssen aber in den ersten sechs bis sieben Jahren durch Zäune vor Wildverbiss geschützt werden, damit sich auch wirklich Mischwälder entwickeln können.

Während sich Freudenberg über den Naturaufwuchs beispielsweise von Eichen und auch Buchen freut, müssen er und sein Team bei den Traubenkirschen eingreifen. Diese seien vor etwa 60 Jahren vor allem an Wegrändern gepflanzt und inzwischen gefällt worden. Der Samen sei aber durch Vögel vorher breit getragen worden. Da die aufgegangenen Bäume schnell wachsen, würden sie anderen Sämlingen Licht und Raum wegnehmen, sodass sie eine Art Waldunkraut darstellen. Bei der Jungwuchspflege müssen diese nun systematisch manuell entfernt werden.


Grüne Lunge

Zum Stadtwald Zwickau gehören 16Flächen, die insgesamt 400 Hektar umfassen. Die größte grüne Lunge der Stadt ist der Weißenborner Wald, der 270 Hektar umfasst.

Mehr als 20verschiedene Baum- arten gibt es zurzeit - 20 Prozent Fichten, zwölfProzent Kiefern, sechs Prozent Lärchen, 28 Prozent Eichen, zehn Prozent Buchen und weitere zehn Prozent Eschen sowie Ahorn, außerdem Birken und einige andere.

Neben dem Wald kümmert sich die Stadtförsterei, die zum Garten- und Friedhofsamt der Stadtverwaltung gehört, auch um die Pflege der etwa 20.000 Bäume, die in Zwickau stehen. Es handelt sich dabei um die Gewächse in den Grünanlagen sowie an den Straßenrändern. (vim)

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