34 Zeugenhinweise, aber noch keine heiße Spur

Der Fall der am Donnerstag entführten und später geflüchteten 13-Jährigen treibt die Menschen nicht nur in Mülsen um. Noch sind die Hintergründe unklar.

Mülsen.

Mehr Eltern als sonst haben am Freitagfrüh ihre Kinder persönlich zum Unterricht in die Jakobus-Mittelschule Mülsen St. Jacob gebracht. "Andere Mädchen und Jungen sind nicht allein, sondern in Gruppen gekommen", hat Schulleiter Uwe Schädlich beobachtet. "Das hatten wir ihnen angesichts der versuchten Entführung am Vortag so empfohlen."

Am Donnerstag war eine 13-jährige Schülerin gegen 6.30Uhr auf der Jacober Nebenstraße von einem unbekannten Mann fast vor der eigenen Haustür in den Laderaum eines weißen Lieferwagens gezerrt und entführt worden. Die Hintergründe der Tat sind derzeit noch unklar, auch wenn in der Gemeinde so manche Theorie kursiert. Inzwischen sucht die Polizei auch per Phantombild nach dem Verdächtigen. «Es wird auch am Wochenende weiter gearbeitet», sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen.


Laut Polizeisprecher Oliver Wurdak waren bis zum Freitagnachmittag 34 Zeugenhinweise zu dem Fall eingegangen. "Wir gehen allen Hinweisen nach und werten die an den Tatorten sichergestellten Spuren aus", so Wurdak. Eine heiße Spur gibt es aber offenbar nicht. Der Polizeisprecher sagte, dass erfahrungsgemäß nach solch einem Geschehen eher keine Folgefälle in der Region zu befürchten seien. Allerdings sollte die versuchte Entführung durchaus zum Anlass genommen werden, um mit Kindern darüber zu sprechen, wie sie sich beim Kontakt mit ihnen unbekannten Personen generell verhalten sollen.

In der Schule haben sich am Freitag die Schülersprecher mit dem Schulleiter und Schulsozialarbeiter Martin Binder getroffen. Nachdem bereits am Donnerstag über die richtige Reaktion in solchen Gefahrensituationen gesprochen worden war, ging es nun darum, sich darüber auszutauschen, wie die Mädchen und Jungen mit ihrer 13-jährigen Mitschülerin umgehen, wenn sie wieder zur Schule kommt. "Wir haben beim Landesamt für Schule und Bildung eine Schulpsychologin angefordert", sagte Schulleiter Schädlich. Das Mädchen hatte sich den Angaben zufolge am Donnerstag selbst aus seiner Not befreien können. Als der Unbekannte es zwischen Mülsen St. Niclas und Lichtenstein aus dem Kleintransporter holte, konnte es sich losreißen, flüchten und die Polizei informieren.

Ein Vater, dessen Tochter die Jakobus-Oberschule besucht, lobte im Gespräch mit der "Freien Presse" die Schule für ihren offenen Umgang mit dem Thema, bei dem trotzdem keine Panik verbreitet werde. "Es ist schlimm, was der Schülerin passiert ist. Aber dass sie in der Extremsituation so reagiert hat, ist bestimmt auch der pädagogischen Arbeit zu verdanken. Diese Schule bestärkt die Kinder auf ihrem Weg, zu kräftigen Persönlichkeiten mit Selbstvertrauen heranzuwachsen." Geärgert hat er sich über das Agieren mancher Journalisten am Freitag vor der Schule. "Meine Tochter hat mir erzählt, dass sie sich regelrecht bedrängt gefühlt haben." (mit sf)

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