800 Jahre - und kein bisschen angestaubt

Wenn zwei sich feiern, freuen sich viele Dritte. Wulm und Schlunzig haben ein Jubiläumswochenende wie aus dem Bilderbuch hingelegt.

Schlunzig/Wulm.

Der Zustrom der Schaulustigen wollte einfach nicht abreißen. Unzählige Radfahrer und Fußgänger machten sich am Sonntagmittag beizeiten auf den Weg, um für den Höhepunkt der 800-Jahrfeier des Zwickauer Ortsteils Schlunzig und des Mülsener Ortsteils Wulm einen der begehrten schattigen Plätze entlang der Festumzugsroute zu erwischen. Schon die Feierlichkeiten der beiden Vortage waren ein Erfolg gewesen, so füllte etwa die Band Rock Ambulance am Samstagabend das Festzelt.

14 Uhr war es am Sonntag soweit: Nach dem pünktlichen Start in Wulm machte sich der Umzug auf den Weg in Richtung Schlunzig. Am Straßenrand erwartete die Mitwirkenden (und die Organisatoren im Hintergrund) viel Applaus vom Publikum. "Freie Presse" hat einige der Beteiligten getroffen.


Ronny Kühnert: Der Mitorganisator legte die Zügel auch während des Festumzuges nicht ab. "Heute habe ich sogar die Moderation gewonnen", sagte er, während sich die kleine Hebebühne ein paar Meter in die Luft bewegte. An der Kreuzung nach Wulm wartete Kühnert auf die Ankunft der ersten Bilder und unterhielt die Zuschauer mit historischen Informationen. Anderthalb Jahre liefen die Vorbereitungen zum Fest, über 200 Beteiligte wirkten aktiv beim Umzug mit. Zu 47 Bildern aus dem Dorfleben, mit teils historischen Wagen und Kostümen konnte Kühnert ein paar Worte sagen. "Wir haben tatsächlich am Dienstag wegen unserer Brückenbaustelle geschwitzt. Es gab kein grünes Licht, wir mussten mit Stahlplatten und Gummimatten den Weg für unsere Pferde vorbereiten. Das hätte schief gehen können", sagte er erleichtert.

Cindy Fenu: Die junge Frau hatte eine längere Anreise hinter sich. "Ich bin wegen der 800-Jahrfeier meines Heimatortes Schlunzig von Berlin hierher gefahren", erzählte die 39-Jährige. Mit ihrem Freund und dem zweijährigen Sohn schaute sie sich in dem Dorf um. "Wir sind seit Freitag da, haben die Feuerwehrschauübungen verfolgt und sind sehr angetan, wie sich das Dorf herausgeputzt hat." Seit 2003 lebt die gebürtige Sächsin nicht mehr in der Region, kommt aber gern zu Besuch. "Das Gefühl, hier zu sein, kann ich diesmal nicht in Worte fassen. Ich bin überwältigt, was hier auf die Beine gestellt wurde, und auch sentimental, der alten Zeiten wegen." Der Mittagsschlaf für ihren Sohn kam an diesem Sonntag zu kurz, zu groß war auch für ihn die Aufregung bei den vielen Besuchern.

Drei ehrenamtliche Mitglieder des DRK-Katastrophenschutzzuges aus Glauchau sicherten zum Festumzug die Kreuzung an der Schlunziger Mühle. "Wir hatten zur großen Feier am Samstagabend schon Dienst am Festzelt, waren bis 1 Uhr vor Ort", sagte Tobias Heinicke. Gemeinsam mit Fabien Langwald und Annelie Demmling stand er für die Behandlung kleinerer Verletzungen parat. "Es ist für uns eine Abwechslung zum Alltag, quasi unser Hobby. Wir sichern ganz vorn das Geschehen ab und bekommen so auch viel zu sehen", sagte Heinicke. Für das kleine Team ist es selbstverständlich, sich aufeinander verlassen zu können, den Überblick über die Situation zu bewahren und hin und wieder persönliche Grenzerfahrungen zu machen. Zum Festumzug blieb aber alles ruhig für die drei.

Gerd Warmuth: Besonders traditionell ging es während des Umzugs auf dem Traktoranhänger von Gerd Warmuth zu. Der Männerchor Eintracht, den es als Verein in Schlunzig seit 1911 gibt, war mit acht sangesfreudigen Männern unterwegs. "Unser Altersdurchschnitt liegt bei ungefähr 65. Wir suchen dringend Nachwuchs", sagte Joachim Matthes und stimmte das nächste Lied an. Alle zwei Wochen treffen sich die Männer zur Probe in der Schlunziger Klatschschänke. Mit Liedern wie "Im Frühtau zu Berge" oder "Das Wandern ist des Müllers Lust" erfreuten sie das Publikum am Straßenrand. "Mit unserem Repertoire von über 50 Volksliedern sind wir sehr gut bestückt. Wir können alles auswendig und müssen auch keine Wiederholungen bringen", sagte der gebürtige Schlunziger. "Bei uns auf dem Wagen ist besonders gute Stimmung, das passt zur Tradition. Es freuen sich alle und winken uns zu, wenn wir anstimmen."

Ein Loblied auf Petrus konnten die Schlunziger und Wulmer am Montagabend dann auch noch singen: Denn die angekündigten schweren Gewitter blieben während der Festivitäten aus.

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