Ändert Mülsen bald die Vereinsförderung?

Der Rat ist uneins darüber, wie einige Feste mit überregionaler Bedeutung bezuschusst werden sollen. Eigentlich ein Thema des Kulturausschusses. Den gibt es in Mülsen aber noch nicht.

Mülsen.

Das Herbstfest des Rassekaninchenzuchtvereins Mülsen St. Niclas gilt weit über die Grenzen von Mülsen hinaus als ein Höhepunkt in dieser Jahreszeit. Auch in diesem Jahr bemüht sich Cheforganisator und Vereinschef Gottfried Scharf darum, Aussteller aus ganz Sachsen am 13. Oktober an die Schachtstraße zu locken. Falkner, Schmied, vielleicht ein Modellsägewerk oder auch Schalmeienmusiker stehen auf der Wunschliste des Vereins. Daher haben die Kaninchenzüchter die Gemeinde um einen Zuschuss in Höhe von 2000 Euro gebeten. Der Rat war allerdings mehrheitlich der Empfehlung des Ortskulturbeirates gefolgt und genehmigte 1000 Euro.

Harry Sakschewski (3GE) hatte zuvor vorgeschlagen, 2000 Euro zu geben und die fehlenden 1000 Euro aus dem Kulturfonds der Gemeinde zu zahlen, aus dem beispielsweise auch der Radlersonntag gespeist wird. Grund für ihn: "Das Fest hat mittlerweile überregionale Bedeutung." 3GE-Fraktionschef Jörg Röhner gab zu bedenken, dass der Verein 90 Aussteller organisiert habe. Dafür sollte er auch die beantragten 2000 Euro bekommen. Dem schloss sich Thomas Plesz (Freie Wähler) an. Grundlage für ein solches Fest ist ein Finanzplan. Wenn ein Verein eine Veranstaltung für Mülsen durchführt und auf einem Schuldenberg sitzen bleibt, wird er das im nächsten Jahr nicht wieder tun, mahnte er. Plesz' Stimme war aber die einzige Gegenstimme.

Tronje Hagen (CDU) versicherte, dass es sich der Ortskulturbeirat nicht leicht gemacht habe. "Wir haben lange darüber diskutiert, und es ist nicht ausgeschlossen, dass die Finanzierung künftig anders geregelt wird." Hagen erklärte auch, die Arbeit der Kaninchenzüchter zu schätzen: "Der Verein macht das toll und hoffentlich auch noch viele weitere Jahre." Dafür bekomme er auch jedes Jahr 700 bis 800 Euro und in diesem Jahr sogar noch mehr Geld. Wenn das Fest vollkommen defizitär verlaufe, gebe es zudem die Möglichkeit, bei der Gemeinde einen weiteren Antrag zu stellen. Wenn der Verein jetzt aber weiteres Geld aus einem anderen Topf als dem des Ortskulturbeirates bekomme, öffne man ein System, das bald nicht mehr beherrschbar sei, warnte erSakschewski hat offenbar nichts gegen eine Veränderung der Fördermittelpraxis. Auch die Kirmesveranstalter hätten seiner Ansicht nach mehr Zuschuss verdient.

Bürgermeister Hendric Freund (parteilos) erklärte, dass der Kulturausschuss in Sachen bestehender Förderpraxis beraten und Änderungen vornehmen könne. Dessen Mitglieder freilich sind bis heute noch nicht gewählt worden. In dieser Sache aber habe sich der Ortskulturbeirat einstimmig für 1000 Euro aus dem Niclaser Budget entschieden, erinnerte Freund.

Gottfried Scharf hätte sich gefreut, wenn ihm 2000 Euro zur Verfügung gestanden hätten. "Wir versuchen, immer wieder etwas Neues ins Programm zu heben. Jetzt müssen wir im Verein beraten, was wir uns leisten können und was nicht." Wenn man sich Schalmeien einladen möchte, dann koste das natürlich Geld. Der Verein trägt immer ein hohes Risiko, es sei immerhin eine Freiluftveranstaltung und sehr vom Wetter abhängig, sagte er.

Im Dezember 2018 ist Scharf von Sozialministerin Barbara Klepsch und Landtagspräsident Matthias Rößler (beide CDU) für seine ehrenamtliche Tätigkeit geehrt worden.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...