Als Egon Krenz Skispringer Jens Weißflog den Kopf rettete

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Einer der erfolgreichsten Skispringer der Welt stand bei einem Treffen im Brauhaus in Zwickau Unternehmern der Region Rede und Antwort. Es war eine unterhaltsame Reise zurück in alte Zeiten.

Zwickau.

Er ist natürlich in die Jahre gekommen, das ist der Lauf der Dinge, aber Jens Weißflog ist genau noch so drahtig wie früher. Er steht am Donnerstag im Brauhaus in Zwickau - er ist Stargast bei einem Treffen von Unternehmern aus der Region. Die Unternehmer oder Geschäftsinhaber bombardieren Weißflog mit Fragen. Der ehemalige Skispringer, der in einem Atemzug mit den einstigen DDR-Stars Täve Schur und Katharina Witt genannt wird, wirkt entspannt. Ein klein wenig genießt er auch das Interesse, das noch immer an seiner Person besteht.

Der Olympiasieger von 1984 und 1992, der inzwischen 57 Jahre alt ist, betreibt in seinem Heimatort Oberwiesenthal das Jens-Weißflog-Apartmenthotel. "Natürlich ist mein Name ein Türöffner", gibt er zu. Nach seiner aktiven Laufbahn hatte er es mit insgesamt vier Gesellschaftern eröffnet, denn er hatte nicht so viel Geld, um das Projekt alleine zu stemmen. Rund 1,5 Millionen Mark seien notwendig gewesen. "Ich wollte weder Trainer werden noch Adidas-Vertreter", sagte er. Für die Unternehmer hatte er einen Tipp: "Auch wenn es gut läuft, bleiben Sie sensibel." Natürlich habe die Coronapandemie auch negative Auswirkungen auf sein Geschäft gehabt. Weißflog sprach von einem Anbau an sein Hotel, für den er einen Kredit aufgenommen habe. Während der Corona-Schutzmaßnahmen musste er das Hotel schließen. "Aber die Raten für den Kredit liefen natürlich weiter", berichtete er. In diesem Jahr gibt es sein Hotel 25 Jahre.

Aber die Unternehmer, die bei dem "Business Meeting", einer Art Unternehmer-Stammtisch, dabei waren, interessierten sich auch für die alten Zeiten. Weißflog erzählte auch Kurioses. 1985 sei er einmal für kurze Zeit Vizepräsident einer internationalen Skispringer-Gewerkschaft gewesen. Die war deshalb gegründet worden, weil die Jury in jener Zeit die Springer auch bei den schlechtesten Witterungsbedingungen über die Schanze gejagt hätten. "Aber bei uns in der DDR kam das gar nicht gut an. Da durfte es nur eine Gewerkschaft geben, nämlich den FDGB", erzählt Weißflog. Er hätte damals Egon Krenz zu verdanken gehabt, dass er mit einer Geldstrafe davon gekommen sei. Viele Freunde habe er unter den Springern nicht gehabt. "Es ist ein Individualsport. Da habe ich wenige an mich herangelassen. Man stellt sich ja nicht hin und sagt: So, heute lasse ich Dich gewinnen. Manchmal musst Du auch ein Schwein sein", so Weißflogs einstige Philosophie.

Wann er zum letzten Mal von einer Schanze gesprungen sei, lautete eine Frage, und ob er sich denn heute noch zutrauen würde, noch einmal zu springen. Weißflog muss nicht lange überlegen. "Seit meinem Karriereende vor 25 Jahren bin ich nicht mehr gesprungen. Heute würde ich mich höchstens noch von einer 30-Meter-Schanze trauen", gab er zu. Und wie steht es sonst mit dem Sport? Weißflog brachte die Unternehmer zum Lachen: "Es ist noch nicht so lange her, da habe ich mich überreden lassen, an einem 13-Kilometer-Lauf teilzunehmen." Danach sei er zwei Tage "tot" gewesen.

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