"Alte Münze" soll verkauft werden

Die Wewobau will ihr Prestigeobjekt, das älteste Gebäude der Zwickauer Innenstadt, samt dem Hotelanbau verkaufen. Einen Notverkauf dementiert der Großvermieter jedoch.

Zwickau.

Die Westsächsische Wohn- und Baugenossenschaft (Wewobau) will das wahrscheinlich älteste Haus in der Zwickauer Innenstadt, das sie vor erst neun Jahren erworben hat, jetzt wieder loswerden. Vorstandsmitglied Kathleen Uhlig bestätigte Informationen der "Freien Presse" wonach die "Alte Münze" am Hauptmarkt zum Verkauf steht. "Vorstand und Aufsichtsrat haben einen Beschluss gefasst, wonach das Objekt verkauft werden kann", sagte Uhlig.

Als Grund nannte sie, dass sich die Wewobau künftig wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren will. "Die Wewobau ist eine Wohnungsgenossenschaft, die sich mit dem Vermieten von Wohnungen an Mitglieder und die damit verbundenen Tätigkeiten, beschäftigt", sagte Uhlig. In Zwickau bewirtschaftet das Unternehmen rund 5000 Wohnungen. "Da das Objekt ,Alte Münze' kein klassisches Wohngebäude ist, würde die Wewobau dieses auch verkaufen". Allerdings will der Großvermieter die aufwendig sanierte Immobilie nicht um jeden Preis loswerden. "Die Bedingungen müssen dabei passen", sagte das Vorstandsmitglied.


Für die historisch bedeutsame Immobilie gibt es offenbar bereits Interessenten, wie Kathleen Uhlig bestätigte. Nach Informationen der "Freien Presse" hat ein Zwickauer Immobilienunternehmen, das sich bereits an der Versteigerung im Jahr 2010 beteiligt hatte, ein Angebot unterbreitet. Nähere Informationen zu dessen Höhe wollte die Wewobau nicht machen.

Uhlig dementierte dagegen Gerüchte, wonach die Wewobau mit dem Verkauf ein Finanzloch schließen will, das bei der Sanierung von Wohnblöcken entstanden war, die sich während des Umbaus als Fall für den Abrissbagger herausgestellt hatten. "Es gibt keinerlei Zusammenhänge zum Bauvorhaben Marienthaler Straße", sagte Uhlig. Zudem sei die Beschlussfassung zum Verkauf weit vor dem Bekanntwerden der statischen Probleme am Objekt in Marienthal erfolgt.

Im Jahr 2010 hatte die Wewobau die "Alte Münze" ersteigert und mit der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes Neuland betreten. Bei der Sanierung hatten sich auch für die Denkmalforscher einige Überraschungen ergeben. Die "Alte Münze" gilt als ältestes Haus am Hauptmarkt. Vermutlich ist das Haus um 1170 gebaut worden. Andere Quellen gehen davon aus, dass es noch älter sein könnte.

Seinen Namen hat das Gebäude von der ehemaligen Münzprägestätte. Mit Unterbrechungen wurden dort bis 1870 Münzen hergestellt. Danach war in dem Gebäude eine Gaststätte untergebracht. Zu DDR-Zeiten war die "Centralhalle", wie die Gaststätte damals hieß, ein beliebter Treffpunkt für durstige Kehlen. Kurz nach der Wende wurde das Lokal geschlossen. Die Gebäudesubstanz verfiel immer mehr. Bis kurz vor dem Beginn der Sanierung war die vordere Gebäudefassade mit diversen Schumann-Plakaten verhüllt gewesen. Im Jahr 2012 wurde die sanierte "Alte Münze" eingeweiht. Die Gaststätte im Erdgeschoss war geblieben. Ein Jahr später wurde hinter dem Gebäude erneut gebaut. Die "Alte Münze" wurde um ein Hotel erweitert.

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