Alte Reinsdorfer Akten bewahren interessante Geschichten

Der Archivar der Gemeinde steht vor einer Fleißaufgabe. Jetzt gab er Interessierten Einblicke in seine Arbeit.

Reinsdorf.

Neueste Erkenntnisse aus der Reinsdorfer Heimatgeschichte haben am Dienstagabend Ortschronisten, Hobby-Forscher und Historiker in der Kita "Anne Frank" zusammengeführt. Eine Recherche macht Hoffnung im Umgang miteinander. Denn da, wo vor mehr als 200 Jahren der Haussegen schief hing, leben heute Generationen im schönsten Einvernehmen miteinander.

Vor einer Fleißaufgabe steht der seit September angestellte Gemeindearchivar Steffen Junghänel. Neben der Neuordnung des historischen Archivs von Vielau, Friedrichsgrün und Reinsdorf sowie des Verwaltungsarchivs, einschließlich Digitalisierung, erledigt der Sachbearbeiter für Medientechnik und Archivwesen spannende Sonder- aufgaben. Neben Recherchen zum Hammelhof in Friedrichsgrün und dem Herrenhaus in Vielau beschäftigen den 47-Jährigen derzeit besonders die Akten zum Erbstreit der Familie Zenner.

Auf etwa 500 Textseiten wird der Zwist detailliert beschrieben. Kurz gesagt: 1792 verklagt Dr. David Zenner seine Mutter Salome, weil sie nach dem Tod ihres Mannes Michael, einem vermögenden Chirurgen und Verkäufers von Heilkräutern, nicht einmal den Pflichtteil auszahlen will. Während in den Unterlagen von einem Nachlass über mindestens 4000 Gulden die Rede ist, streitet die Gutsherrin den Besitz jedes Barvermögens ab. Nach dem Tod der Mutter richtet sich der Zorn des als "gewissenhaft, kräftig, grob" beschriebenen Arztes gegen seine eigene Tochter. Sie steht als Alleinerbin im Testament.

"Historienfilme wie ,Goethe' mit Moritz Bleibtreu werden auch von jungen Leuten gern geguckt", sagt Steffen Junghänel. "Dabei können wir in der Region ebenfalls aufregende Geschichten erzählen." Und der Historiker Christian Landrock ergänzt: "Wenn menschliche Schicksale beleuchtet werden, macht Geschichte Spaß, bietet Orientierung, Identität." Darum geht es auch Bürgermeister Steffen Ludwig (parteilos). Mit der bevorstehenden Rathaussanierung werden moderne Archivräume geschaffen und kurze Wege geboten.

"Wo ist denn nun das Vermögen der Zenners geblieben?", fragt ein Zuhörer im Publikum. "Ist das bei Norbert Freitag gelandet?" - "Leider nicht", entgegnet der Angesprochene und muss lachen. 1992 hatte er das Gehöft von Bruno Windisch geerbt. Bereits als Jugendlicher war das Zennergut seine "Hobby-Werkstatt". Hier bastelte Norbert Freitag beispielsweise am Motorrad und half dem Eigentümer, die mehr als 400-jährige Bausubstanz zu erhalten. Schon vor 30 Jahren interessierte ihn die Historie des Hofes.

Wie bei jeder schönen Geschichte gibt's auch in diesem Fall ein Happy End: Vor acht Jahren hatte Freitag das Gehöft seiner Tochter überschrieben. Es wird weiter gebaut und investiert. Großeltern, Kinder und Kindeskinder leben im und um das Zennergut: "Solch einen Streit wie bei den Medikussen gibt es bei uns nicht. Wir verstehen uns prima."

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