Angehenden Lokführern hilft die Hochschule auf die Schienen

Gegen den Personalmangel sucht die Länderbahn nun im Ausland nach Mitarbeitern - und in Zwickau nach fachkundigem Unterricht.

Zwickau.

Wenn demnächst eine Gruppe Serben in Zwickau weilt und vor allem Bahnhof versteht - dann haben die Dozenten an der Westsächsischen Hochschule (WHZ) alles richtig gemacht. Denn Bahnhöfe und die Strecke zwischen zwei derartigen Einrichtungen sollen künftig das Betätigungsfeld für die neuen Mitarbeiter der Länderbahn sein.

Das Unternehmen hat mit der WHZ eine Kooperationsvereinbarung getroffen, um gegen den Fachkräftemangel aktiv zu werden. Denn dass Lokführer ein Traum- beruf ist - das gilt zwar in den Au-gen von Länderbahn-Sprecher Jörg Puchmüller noch immer. Aber junge Leute haben dazu offenbar eine andere Einstellung. "Wir haben in der ganzen Branche Probleme, genügend Lokführer zu finden", sagt er. Aus diesem Grund habe das Unternehmen im vogtländischen Neumark eine Eisenbahnschule aufgebaut. Die besuchen nun neben einheimischen Umschülern auch Lokführer aus Serbien. "Dort gibt es einen Überschuss an Lokführern, weil das Bahnfahren in diesem Land nicht mehr die Rolle spielt, die es früher hatte."


Damit die serbischen Kollegen künftig zwischen Görlitz und Lin-dau am Bodensee eingesetzt werden können, arbeitet die Länderbahn mit der größten Eisenbahnschule in Serbien zusammen. Auch derzeit arbeitslose Lokführer sollen sich angesprochen fühlen.

Ein Klippe gilt es natürlich zu überwinden: Die Eisenbahner müssen die deutsche Sprache lernen - und vor allem müssen sie die Fachbegriffe verstehen. Deswegen führt sie ihr Weg zunächst nach Zwickau an die WHZ. An der Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation lernen sie in einem dreiwöchigen Intensivkurs die Eisenbahner-Fachsprache, um dann den Unterricht in Neumark antreten zu können. Diese Sprachausbildung war auch für die Fakultät eine Herausforderung, verrät Ines Busch-Lauer. "Wir haben uns das Wissen angelesen und eigene didaktische Mittel entwickelt", sagt die Professorin, die an der WHZ unter anderem für die Ausbildung Deutsch als Fremdsprache zuständig ist. Ganz neu ist die Aufgabenstellung für die Fachleute an der Hochschule nicht. "Wir unterrichten Deutsch ja beispielsweise auch für Menschen, die bei uns Biomedizintechnik studieren wollen." Darin sieht sie den Vorteil, wenn eine Hochschule die sprachliche Weiterbildung übernimmt: Technisches Verständnis trifft auf Profis in Sachen Sprachvermittlung.

Für die ersten zehn Serben beginnt die Ausbildung in diesen Tagen. Drei Wochen lang müssen sie täglich dreimal 90 Minuten lang Fach-Deutsch lernen. Das wird anstrengend, aber auch interessant, verspricht die Professorin: "Wir haben uns einiges einfallen lassen." So viel Engagement begrüßt auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Er sagt: "Selbst aktiv zu werden, ist die beste Vorsorge. Das gilt auch für den Fachkräfte- bedarf."

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