Angeklagter schweigt sich aus

Nach einem größeren Cannabis-Fund in Crossen steht ein junger Mann vor Gericht. Viel Erkenntnis brachte der Prozess zunächst nicht.

Zwickau.

Es steht nicht Aussage gegen Aussage - vielmehr steht ein Schweigen gegen eine zurückgezogene Aussage. Das macht es dem vorsitzenden Richter am Zwickauer Landgericht nicht leichter. Er soll entscheiden, ob der junge Mann auf der Anklagebank in Crossen eine Cannabisplantage angepflanzt oder zumindest versucht hat, die Ernte zu verkaufen.

Das Amtsgericht war der Meinung, genau das habe der Zwickauer getan. Deswegen wurde er zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Am Dienstag stand die Berufungsverhandlung an. Ein Urteil ist jedoch noch nicht gefallen - aus Mangel an Beweisen. Denn die Drogen - insgesamt etwas mehr als 8,5 Kilogramm getrocknete Hanftriebe und -blätter - wurden nicht in der Wohnung des Angeklagten gefunden. Der hatte nämlich zu diesem Zeitpunkt kein Obdach und nächtigte bei einem Bekannten. Der war es auch, der der Polizei zeigte, wo bei Crossen sich die Cannabisplantage befand, von der die in der ganzen Wohnung zum Trocknen aufgehängten Pflanzenteile stammen. Er war es zudem, der aussagte, dass er von seinem Wohngast genötigt worden sei, bei der Ernte zu helfen. Er war es aber auch, der diese Aussage etwas später zurückzog und behauptete, das Feld zufällig entdeckt und teilweise abgeerntet zu haben. Der Amtsrichter schenkte dieser Aussage keinen rechten Glauben und verurteilte den Mitbewohner.

Vor der Neuauflage des Prozesses jedoch kündigte der zunächst auskunftsfreudige Mann an, keine Angaben zu machen. Deswegen wurde er auch gar nicht erst als Zeuge geladen. Da aber auch der Angeklagte kein Wort zu den Vorwürfen äußern wollte, standen Richter und Anwälte zunächst etwas verlassen da. Nach der Aussage eines Kripobeamten soll nun zu einem weiteren Termin ein weitere Beamtin gehört werden, die beide Männer vernommen hatte.

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