August der Starke kommt vors Rathaus

900 Jahre Zwickau - Beim historischen Markttreiben am Wochenende konnten die Besucher die Stadt im Wandel der Zeit erleben. Tausende nutzten diese Gelegenheit.

Sogar August der Starke tauchte am Samstagnachmittag beim historischen Markttreiben vor dem Zwickauer Rathaus auf und sprach zu den Besuchern.
Ein Gaukler begeistert die Besucher auf dem Domhof.
Meister Bernhard Buchmann zeigt die Mönch-Nonne-Deckung.
Posieren für ein Bild im historischen Fotokabinett auf dem Kornmarkt.

Für Sie berichtet: Viola Martin

August der Starke, Kurfürst und Herzog von Sachsen sowie König von Polen, war wohl nie in Zwickau. Zum historischen Markttreiben am Samstag allerdings stattete die schillernde Figur höfischer Prachtentfaltung der Stadt anlässlich ihres 900-jährigen Bestehens einen Besuch ab. Gemeinsam mit der Gräflich Schönburgischen Schlosscompagnie Glauchau sowie einem kleinen Hofstaat gab er vor dem Rathaus eine Audienz. Von den Ovationen seiner Untertanen war der Wettiner anfangs etwas enttäuscht. Es brauchte einen zweiten Anlauf, bis er mit dem Beifall zufrieden war. Anschließend tat er etwas, was ihm im wirklichen Leben nicht gelungen war. Er versöhnte die Wettiner mit den Schönburgern.

Wie beim Auftritt August des Starken lagen bei vielen Episoden während des historischen Markttreibens Dichtung und Wahrheit nahe beieinander. Doch das störte die Besucher, die zu Tausenden in die City geströmt waren, nicht. Sie amüsierten sich bei bestem Wetter prächtig.

So auf dem Domhof, wo zwischen den im 13. Jahrhundert entstandenen Priesterhäusern und dem Gotteshaus das Mittelalter lebendig wurde. Um die Bühne, auf der Gaukler ihre Kunststücke zeigten und historische Musik erklang, scharte sich stets eine Traube von Zuschauern. Begehrtes Foto-Objekt war ein Ziegenbockzweispänner, der einen Wagen zog. An Ständen konnten Pfeil und Bogen, Holzlöffel und -bretter sowie Töpferwaren gekauft werden. Natürlich gab es auch eine Garküche. Marktmeister Heiko Guter sagte, dass man mit dem Spektakel zeige, dass es im Mittelalter entschleunigter zuging als heutzutage. "Gleichzeitig wollen wir mit unseren Waren die Freude und die Ehrfurcht vor dem Geschaffenen wecken, das in Handarbeit entsteht."

Sogar ein Ablasshandel hatte sich vor dem Dom platziert. Bruder Ignatius verkaufte Ablassbriefe, mit denen man sich beispielsweise von Wollust und Steuerhinterziehung freikaufen konnte. "Während andernorts die Briefe für den Freikauf von Völlerei und Sauferei am besten weggehen, habe ich in Zwickau vor allem solche verkauft, mit denen man sich vom lauten Feiern freikaufen kann", sagte Bruder Ignatius. Die Brücke in die Gegenwart schlug er mit dem Hinweis, dass Sünder, die keine 5 Euro zur Hand haben, auch ihre EC-Karte benutzen dürfen.

Auf dem Hauptmarkt tauchten die Besucher ein in die Biedermeierzeit und damit die Zeit Robert Schumanns. Das Augenmerk lag damals auf der Familie und den schönen Künsten. Natürlich war dort das Theater Plauen-Zwickau vertreten. Es wartete mit jeder Menge Kostümen auf, die die Marktbesucher probieren und kaufen konnten.

Um die Ecke, neben dem Schumann-Haus, lud ein Doppelstock-Pferdeomnibus von 1880 zu Touren ein. Und nur wenige Schritte davon entfernt, in den Keplerstraße, präsentierten sich Innungen der Kreishandwerkerschaft Zwickau. Bereits seit dem 14. Jahrhundert sind Zwickauer Handwerker in Innungen organisiert. Beim historischen Markttreiben gaben Dachdecker, Tischler, Schmiede, Töpfer und Fliesenleger sowie Polsterer und Tapezierer Einblicke in ihre Arbeit.

So führte Altmeister Bernhard Buchmann aus Kirchberg an einem Modell eine sogenannte Mönch-Nonne-Deckung vor. Der 72-Jährige berichtete, dass er 1996/97 etwa 1700 Stunden auf den Dächern der Priesterhäuser zugebracht hat, um dort gemeinsam mit anderen Dachdeckern diese historische Deckung aufzubringen.

Auf dem Kornmarkt wurde das Zeitalter der Industrialisierung und des Automobilbaus wieder lebendig. Dort konnten die Besucher nicht nur alte Technik bewundern, sondern sich auch im historischen Fotokabinett in Kostümen ablichten lassen. Ein Stück weiter präsentierte das August-Horch-Museum einen Horch 750 und einen Horch 480 sowie einen alten Trabant, und die Westsächsische Hochschule gab Einblicke in ihre Angebote.

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