Aus ehemaligem Intershop wird nun doch kein Begegnungscafé

Weil eine Einigung zum Kauf der Immobilie Bahnhofstraße 62 nicht möglich war, sind große Pläne nicht umsetzbar.

Zwickau.

Die Stadt Zwickau hat die Pläne aufgegeben, das Gebäude Bahnhofstraße 62 zu einer Begegnungs- und Veranstaltungsstätte umzubauen. "Der Ankauf des Gebäudes stellte sich aufgrund der Eigentümerstruktur als nicht möglich heraus", sagte Heike Reinke von der Pressestelle des Rathauses. 50.000Euro waren für den Erwerb in den ersten Planungen vorgesehen. Mit dem gescheiterten Kauf sind auch alle dort geplanten Einrichtungen, wie ein Bürgercafé im Erdgeschoss, zu den Akten gelegt worden. Damit sind auch die Pläne hinfällig, die Adresse zum zentralen Anlaufpunkt für das Integrierte Handlungskonzept Bahnhofsvorstadt zu machen. Es war vorgesehen, dort die Büros für die Ansprechpartner des Mammutprojektes einzurichten.

Das Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, wurde jedoch städtebaulich als bedeutsam und erhaltenswert eingeschätzt. Die Stadt wollte die Immobilie komplett sanieren und die Räume unter anderem unentgeltlich sozialen Projekten zur Verfügung stellen. Insgesamt wollte die Stadt 1,35 Millionen Euro investieren, davon etwas knapp über eine Million aus dem Efre-Fond der Europäischen Union. Allein 1,2 Millionen Euro hätte die Sanierung gekostet. Für das Bürgercafé gibt es inzwischen einen Ersatz. Die Lutherkirchgemeinde betreibt in den Räumen des Lutherheimes in der Bahnhofsstraße 22 das Projekt "lebens.raum", dass nicht nur Bewohnern der Bahnhofsvorstadt offensteht. "Der Bedarf einer zusätzlichen Begegnungs- und Veranstaltungsstätte besteht im Gebiet der erweiterten Bahnhofsvorstadt derzeit nicht", sagte Heike Reinke.

Was die Eigentümer mit der Immobilie vorhaben, war nicht zu erfahren. Ende der 1960er-Jahre wurde das Gebäude im Stadtgebiet bekannt. Im Erdgeschoss wurde ein Intershop eingerichtet. Viel ist über die Geschichte des Hauses an der Bahnhofstraße nicht bekannt. 1888 wurde es erstmals im Adressbuch der Stadt erwähnt. Damals hatte das Herrenkonfektionsgeschäft Blume und eine Gemüsehändlerin dort ihren Sitz. 1906 hatte der Chirurg Oskar Schmidt dort seine Praxis. 1910 taucht im Adressbuch das Schokoladengeschäft Richard Selbmann auf.

In den letzten Jahren mussten immer wieder Ideen, die in den ersten Überlegungen des Integrierten Handlungskonzeptes für die Bahnhofsvorstadt eine Rolle spielten, aufgegeben werden. Unter anderem wurde das Vorhaben aufgegeben, auf dem ehemaligen Gardeko-Gelände ein Seniorenheim mit Ärztehaus zu errichten. Dort steht heute das neue Arbeitsamt. Auch von der Renaturierung des alten Postsportplatzes an der Planitzer Straße ist nichts mehr zu hören. Der Großteil der Vorhaben wurde hingegen umgesetzt oder ist in Arbeit. Unter anderem werden in dem Programm Teile des Schwanenteichparkes einschließlich des Schwanenbrunnens saniert. Auch das Areal Bachstraße wird umgestaltet.


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